Blog der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

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Neue Ära in der SPSG-Restaurierung

14. Juli 2017, veröffentlicht von Alisha Sojka

Rund 300 historische Bauwerke, jedes für sich ein Kunstwerk, gefüllt mit tausenden Gemälden, Skulpturen, Seiden, Möbelstücken, Kandelabern, Kronleuchtern… - die Fülle der Kunstwerke in den preußischen Schlössern und Gärten ist immens! Betreut werden die Objekte von den SPSG-Restauratoren in zehn Fachbereichen, mit dabei auch ein naturwissenschaftliches Labor. Nach 25 Jahren als Chefrestaurator ist Hans-Christian Klenner nun in Rente gegangen. Seine Nachfolge tritt Kathrin Lange an, selbst seit 26 Jahren in der Stiftung tätig und seit 2006 Leiterin des Fachbereichs Skulpturen. Kurz vor dem Wechsel haben wir beide zu einem gemeinsamen Interview getroffen. Wir wollten wissen, wie sich eine solche Staffelübergabe denn nun wirklich anfühlt.

Hans-Christian Klenner und Kathrin Lange © SPSG / Foto: Alisha Sojka

Ein Interview mit dem ehemaligen Chefrestaurator Hans-Christian Klenner und der neuen Chefrestauratorin Kathrin Lange

Herr Klenner, wird Ihnen etwas fehlen?

Klenner: Naja, ich hatte ja einige Kolleginnen und Kollegen "in die Rente geschickt" und die sagen, die ersten Wochen sind wie Urlaub und danach kommt natürlich ein bisschen die Sehnsucht, ein Loch, und man muss sich und seinen Tag völlig neu strukturieren. Mir werden meine ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fehlen, damit meine ich nicht nur die aus meiner Abteilung. Da ich nicht so weit weg wohne, denke ich, dass ich den einen oder anderen hier öfter treffen werde und dass man sich natürlich unterhalten und erinnern wird. Ansonsten habe ich keine Sorge, dass mir etwas fehlen wird.

Worauf freuen sie sich?

Klenner: Der Standardsatz wäre, dass ich endlich mal das machen kann, was ich mir schon immer mal vorgenommen habe - aber den benutze ich jetzt nicht. Ich habe mich sehr intensiv mit dem Thema Eis, Eisernte, Eiskeller und Eis in der Küche auseinander gesetzt und bin froh, dass ich das jetzt alles etwas aufarbeiten kann. Dass ich vielleicht zusammen mit Dr. Samuel Wittwer, Direktor der Schlösser und Sammlungen der SPSG, eine gemeinsame Ausstellung zu dem Thema machen kann, freut mich sehr.

Eiskeller als Pyramide im Neuen Garten © SPSG / Foto: Leo Seidel

Wie würden Sie Ihre Jahre in der Stiftung kurz und knapp beschreiben?

Klenner: Kurz und knapp würde ich erstmal sagen: Ich bin sehr, sehr dankbar, dass ich diese 25 Jahre mit meinen Kolleginnen und Kollegen hier zusammenarbeiten konnte. Ich habe von allen viel gelernt, nehme vieles im Herzen mit.

Ich hatte das große Glück, dass wir gerade diese Phase nach 1990 erleben durften. Es wurden viele nach 1945 fremd genutzten Schlösser in die Obhut der SPSG übertragen, und da hieß es mal ganz schnell: Das Schloss muss dann und dann eröffnet werden, zum Beispiel aus landespolitischen Gründen, denn auch die jeweiligen Gemeinden wollten immer schnell, dass die Schlösser als touristischer Faktor ans Netz gingen. Wir haben mit dieser geballten Kraft, die wir als Abteilung und als SPSG haben, ein Haus nach dem anderen eröffnet: Rheinsberg, Marmorpalais, Caputh, Königs Wusterhausen, Oranienburg, später noch Schönhausen. Diese Häuser mussten zum Teil von Grund auf saniert, restauriert und ausgestattet werden ehe sie als Museumsschloss eröffnet werden konnten. Es war wirklich ein großes Erlebnis, das mitmachen zu dürfen.

Dann kam eine andere Zeit, klar. Wir haben damals, als wir ein Schloss nach dem anderen saniert und restauriert haben - manchmal auch zwei parallel - Dinge liegen lassen müssen. Die Infrastruktur, die großen Schlösser Neues Palais, Sanssouci und Charlottenburg stehen jetzt dringend an. Und das können wir nun glücklicherweise mit den Sonderinvestitionsprogrammen umsetzen bzw. Weiteres in Angriff nehmen.

Welches Objekt, das Sie betreut haben, ist Ihnen besonders im Kopf geblieben?

Klenner: Für mich ist die Muschelgrotte im Neuen Garten ein besonderes Projekt, das ich zusammen mit Andreas Liebe über 20 Jahre betreut habe. Die Muschelgrotte ist jetzt in einem Zustand, der zwar noch einiges an Arbeit erfordert, aber auch gezeigt werden kann. Und dann war mir Rheinsberg sehr nahe, weil es einfach – und das geht vielen Kolleginnen und Kollegen so – traumhaft ist, dort arbeiten zu dürfen. Aber ein Objekt, an dem ich selbst Hand angelegt habe, gibt es leider nicht. Das wird Frau Lange sicher auch nicht mehr machen können – vielleicht im Urlaub mal eine Kopie in Marmor schlagen… [lacht]

Die Grotte im Neuen Garten in Potsdam. © SPSG / Foto: Hans Bach

Gibt es etwas, was Sie Frau Lange oder auch allen anderen Nachfolgern mit auf den Weg geben würden?

Klenner: Also, das Leben geht ja manchmal verschlungene Wege und ich bin sehr froh, dass Kathrin Lange meine Nachfolgerin ist. Sie hat 2006 den Fachbereich Skulpturenrestaurierung, der ansonsten nur aus Männern besteht, übernommen und geleitet. Und hat mich schon immer, auch fachbereichsübergreifend unterstützt. Insofern brauchte ich ihr nichts mit auf den Weg geben. Frau Lange wird vielleicht Einiges übernehmen, mit ihren Erfahrungen Manches sicher anders machen. Und ihr steht dafür eine tolle Abteilung zur Seite.

Frau Lange, Sie gehen von der Skulpturenrestaurierung über ins Chefbüro. Werden Sie etwas vermissen?

Lange: Vorher war ich in dem Fachbereich Skulpturenrestaurierung ausschließlich für die Skulpturen zuständig und konnte tatsächlich zwar nicht viel, aber immerhin doch noch selbst restaurieren. Hier ist es dann schon etwas anders. Den Fokus von der Skulptur auf die Gesamtanlagen der Schlösser und Gärten zu richten und Einblicke in die anderen Fachbereiche stärker als bisher zu bekommen, das ist der größte Schritt. Natürlich ist nichts aus der Welt. Wir sind ins Wissenschafts- und Restaurierungszentrum (WRZ) eingezogen, mit den Werkstätten und Büros. Es ist ein Neubau, der jetzt mit Leben zu füllen und gestalten ist. Das ist eine Aufgabe, die jetzt zu tun ist.

Blick in die neuen Räume der Textilrestaurierung im WRZ. © SPSG / Foto: P.-M. Bauers

Gibt es irgendetwas, das Ihnen im Kopf geblieben ist, etwas, das Sie betreut haben oder wo Sie Hand angelegt haben, wo Sie rückblickend sagen: Ja, das ist die Sache?

Lange: Da gibt es hier einfach zu viele Objekte. Ich bin mittlerweile schon 26 Jahre in der SPSG. Von daher habe ich die SPSG sehr einfach für mich als Restauratorin kennengelernt, ich habe Stück für Stück restaurieren können. Bis es dann immer mehr wurde und man dann auch mal administrative Aufgaben übernommen hat oder auch Projekte, und auch abteilungs- und fachübergreifende Themen mitgestaltet hat. Auf die Objekte der Skulpturenrestaurierung bezogen sind es Einzelobjekte, wie die Mosesgruppe an der Friedenskirche oder die Wiederherstellung der Schießmauer in der Friedenskirche, aber auch komplexere Objekte wie die Skulpturen von der Kolonnade am Neuen Palais oder die Skulpturen vom Neuen Palais. Das sind dann riesige Aufgaben, bei denen ich selber zwar nicht mehr Hand angelegt habe, aber über Musterrestaurierung, Vergaben, Gespräche mit den Kollegen, Ausschreibungen und das Schreiben von Leistungstexten schon sehr intensiv dran war.

Vandalismus-Schäden: Figurengruppe am Chinesischen Haus im Park Sanssouci. © SPSG
Rückkehr der restaurierten Skulpturen zum Neuen Palais. © SPSG / Foto: Daniel Lindner

Was macht eine gute Restauratorin oder einen guten Restaurator aus?

Lange: Ein Restaurator ist kreativ, geduldig, aber auch strukturiert - um am Ende dorthin zu kommen, wo er hin will, nämlich zum restaurierten und konservierten Objekt.

Klenner: Und natürlich gehört ein bisschen Demut dazu, weil er ja sozusagen nichts neu erschafft, sondern Erschaffenes bewahren will und sich hinten "anstellen" muss.

Lange: Anders als ein Künstler, der seine eigenen Arbeiten kreiert, gestaltet und entwickelt, sind wir Restauratoren ja immer diejenigen, die sich in die Objekte, in die Zeit der Objekte und in den Künstler dieser Zeit hineindenken. Wir stellen unseren eigenen Anspruch hinten an. Natürlich mit unserem Anspruch der guten Konservierung und Restaurierung.

Juno von der Großen Fontäne in Sanssouci wird mit Laser gereinigt. © SPSG

Frau Lange, wie sehen Sie die Zukunft des WRZ?

Lange: Das WRZ ist ein wunderbarer Gebäudekomplex und gerade die Konzentration der Werkstätten hier ist natürlich mit Synergie-Effekten verbunden. Es bietet einfach eine tolle Möglichkeit, hier etwas aufzubauen. Das wird auch so passieren, man merkt es ja schon: Die Kolleginnen und Kollegen treffen sich auf dem Flur und man ist schnell im Gespräch. Das sind tolle Aussichten, hier und mit den Standorten im Neuen Garten und in Charlottenburg etwas zu kreieren, gestalten und aufzubauen.

Ein letztes Wort?

Klenner: Ich weiß, dass sie das gut macht.

 

Interessante Einblicke in die Arbeiten der Abteilung Restaurierung erhalten Sie auf unserer Webseite: https://www.spsg.de/stiftung/restaurierung/https://www.spsg.de/stiftung/restaurierung/

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1 Kommentare

14.07.2017 - 13:20 Elfie Haupt

Vielen Dank für diesen ausführlichen Beitrag!

Das Interview hat mich sehr interessiert, hatte ich doch das Glück, Herrn Klenner bei einem meiner Besuche im Neuen Garten (es war im August 2012) auch persönlich kennen zu lernen.

Ihm und auch seiner Nachfolgerin Frau Lange wünsche ich alles erdenklich Gute!

 

Mit herzlichem Gruß

Elfie Haupt


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