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Der Blick von oben

11. September 2026 Von SPSG

Wie Drohnen helfen, Klimaschäden in den historischen Parks sichtbar zu machen

Die rund 700 Hektar Parkanlagen der Stiftung sind ein „lebendes Museum“ – doch der Klimawandel setzt ihnen zu. Nach jedem verheerenden Sturm, der über die Gärten hinwegfegt, finden sich abgebrochene Äste verstreut auf den Wiesen und mehr tote Baumkronen sind zu sehen. Sind die historischen Gärten noch zu retten? Welchen Einfluss hat der Klimawandel? Und in welchem Zustand befinden sich die Bäume in unseren Parkanlagen wirklich? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines spannenden zweijährigen Forschungsprojektes mit Drohnen, welches durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert wurde. Die Forschung wurde gemeinsam mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena unter der Leitung des Geoinformatikers Dr. Sören Hese durchgeführt.

Mithilfe modernster Drohnentechnologie wurde die Vitalität der Gehölze in den vier Parkanlagen Babelsberg, Neuer Garten, Pfingstberg, Sanssouci und Glienicke untersucht. Die Drohnen sammelten Daten über die Baumkronen und das dort vorhandene Totholz, den Stammdurchmesser und die zum Baum gehörigen Äste. Zum Einsatz kamen dabei unterschiedliche Drohnentypen und Kamerasysteme, die zum Beispiel Temperaturunterschiede in den Baumkronen sichtbar machen. So können Rückschlüsse auf die Wasserversorgung und mögliche Schädigungen der Bäume gezogen werden. Insgesamt zweimal wurden alle Parkanlagen überflogen und genauestens vermessen. Einmal im Sommer und ein weiteres Mal im Winter, da die Bäume im laubfreien Zustand besser zu erkennen sind. So konnten die exakten Stammkoordinaten erfasst und den jeweiligen Baumkronen zugeordnet werden. Das ist entscheidend, um die Daten eindeutig den einzelnen Baumarten zuzuweisen und Referenzbäume für ein zukünftiges Monitoring festzulegen. 

Stirbt ein Baum oder muss gefällt werden, hinterlässt er eine Leerstelle und es dauert viele Jahre, bis ein neuer Baum oder die Nachbarbäume durch Wachstum diese Lücke im Kronendach füllen können. Um diese Lücken zu dokumentieren, sind Drohnenaufnahmen in sehr regelmäßigen Abständen nötig. Die aktuellen Drohnenbilder wurden daher mit den Aufnahmen aus früheren Jahren verglichen. Die Auswertung der Daten an der Universität Jena zeigen große Verluste in den Parkanlagen in Babelsberg und in Glienicke. Im Park Babelsberg entstanden so große Lücken, dass innerhalb von fünf Jahren 10 Hektar Waldfläche der insgesamt 184 Hektar verloren gingen.

Gespannt wurde auf die Antwort gewartet, ob die Baumabgänge klimabedingt sind. Die Forschung kann dazu nur Teilantworten liefern. Tatsächlich sind die veränderten Klimabedingungen ein entscheidender Faktor, Baumart und -alter sowie Standortbedingungen sind aber ebenfalls ausschlaggebend für die Lebenserwartung eines Baumes.

Die Drohnenaufnahmen haben jedoch eine gute Basis geliefert, um diese Bedingungen zu untersuchen. Die Ergebnisse lassen sich dann mit anderen Daten zusammenführen und liefern neue Erkenntnisse. Wird die entstandene Karte mit der Darstellung der Lücken auf eine Karte des Bodenkatasters gelegt, können die Wissenschaftler aus dem Gartenbereich der Stiftung sehen, ob die Bäume, die in einer Lehmkuhle stehen, vitaler sind, als gleichaltrige Bäume derselben Art, die auf sandigem Boden wachsen.

Die hohen Verluste im Glienicker Park werden nach den bisherigen Ergebnissen genau auf diese dramatische Mischung zurückgeführt: Anhaltende Trockenheit in Verbindung mit sandigen Böden haben den alten Buchen und Eichen sehr zu schaffen gemacht.

Ein weiteres Ziel des Forschungsprojektes war die Erstellung einer sogenannten Hotspot-Karte, die geschädigte oder gefährdete Bäume sichtbar macht. Diese Daten sollen in das bestehende Baumkataster der Stiftung integriert werden. Die Karte wird dabei helfen, Klimaanpassungsmaßnahmen zu bewerten. Das Forschungsvorhaben hat damit einen wichtigen praktischen Bezug. Der Erfolg von Bodenverbesserungsmaßnahmen kann bewertet werden, indem sie anhand einer Zeitleiste und den Drohnenaufnahmen überprüft werden.

So liefert das Forschungsprojekt wertvolle Erkenntnisse darüber, wie sich Klimaeinflüsse und Umweltbedingungen auf die Vitalität historischer Gehölzbestände auswirken und wie wir unsere Parks künftig noch besser schützen können.

Das Drohnenprojekt war zunächst für ein Jahr bewilligt, mit der Hoffnung auf eine Verlängerung. Doch das Forschungsprojekt läuft erst einmal aus. Ein großes Thema für die Gartenabteilung der Stiftung ist daher, wie die bisherigen Ergebnisse ohne eine Fortführung in den Arbeitsalltag integriert werden können. Wer macht in Zukunft Drohnenaufnahmen, um die Daten jedes Jahr zu aktualisieren?

Ein spannendes „Nebenprodukt“ des Projektes haben die Wissenschaftler der Universität und der Stiftung ebenfalls entdeckt: Auf der Karte des Parks Sanssouci ließen sich Querrinnen im Gelände erkennen. Diese wurden als alte Wasserleitungen identifiziert, die unter der Oberfläche verbaut wurden und immer wieder unbeobachtet Wasser verlieren. Können die Drohnenaufnahmen perspektivisch auch dafür genutzt werden, solche Lecks zu erkennen und den Wasserverlust einzudämmen?

Die Autorinnen

Birgit Morgenroth ist Mitarbeiterin der Öffentlichkeitsarbeit der SPSG und verantwortlich für die interne Kommunikation.

Tanja Spillner ist Mitarbeiterin der Öffentlichkeitsarbeit der SPSG.

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Tags:
klima

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