Mit dieser ebenso schlichten wie zuversichtlichen Gärtnerweisheit beschrieb der berühmte Potsdamer Staudenzüchter Karl Foerster das unaufhaltsame Wiedererwachen der Natur. Und tatsächlich: Trotz frostiger Nächte und winterlicher Zurückhaltung hat der Frühling im Park Sanssouci bereits leise Einzug gehalten. Schon vor einigen Wochen zeigten sich erste Blütenboten zwischen Rasenflächen, Gehölzen und Beeten – ein zartes Versprechen dessen, was nun Tag für Tag an Farben, Düften und Formen reicher wird. Wir sprachen mit Heiko Muschick, Parkrevierleiter im Park Sanssouci.
Lieber Heiko, in den kommenden Wochen werden zehntausende Tulpen, Narzissen, Hyazinthen und Kaiserkronen an verschiedenen Prachtblumenbeeten im Park ihre Triebe aus dem Boden schieben. Welche Bedeutung haben diese Frühjahrsblüher für das Gesamtbild und die Gartengestaltung Sanssoucis?
Unsere Blumenbeete an der Großen Fontäne, im Sizilianischen Garten, am Schloss Charlottenhof, an den Römischen Bäder, auf der Orangerieterrasse und im Florabeet im Marlygarten sind seit Jahrhunderten eine „Leistungsshow“ des Berufsstandes von uns Gärtnern. Zusammen mit den Blumenzwiebeln, die die Gärtnerkollegen schon Ende Oktober in die Beete gesteckt haben, werden im März noch abertausende krautige Pflanzen, wie Hornveilchen, Vergissmeinnicht, Goldlack, Tausendschönchen oder Gämswurz, die derzeit in unserer Parkgärtnerei kultiviert werden, die Beete ergänzen.
Von Ostern bis Himmelfahrt wird es in den Beeten dann ein mehrmaliges Feuerwerk der Natur in Form von Farben, Düften und Formen geben und die „guten Stuben“ des Parks zum Leuchten bringen. Verschiedene Sträucher blühen aber auch jetzt schon im Park, wie beispielsweise die Chinesische Winterblüte an der Christuspforte, der Duft-Schneeball und die Winterheckenkirsche beim Denkmal Friedrichs des Großen südlich vom Gartendirektionsgebäude sowie Zaubernüsse im Marlygarten.
Viele Besucher:innen unterschätzen, wie empfindlich die Pflanzen in dieser frühen Wachstumsphase sind. Welche Folgen kann es haben, wenn Flächen außerhalb der Wege betreten werden – gerade jetzt im Winter?
Unter der Oberfläche sehr vieler Rasenflächen des Parks sind jetzt schon zigtausende Krokusse, Schneeglöckchen, Sibirische Blausternchen, Winterlinge oder Milchsterne in den Startlöchern, um dann – wenn die Umweltbedingungen für die jeweilige Pflanzart passen – ab Ende Februar zu blühen. So werden sich beispielsweise die Rasenflächen des Marlygartens und des Botanischen Gartens in einen violetten Teppich verwandeln. Wenn dort nun Heerscharen winterbegeisterter Parkbesucher mit ihren Sportgeräten „rüberwalzen“ ist die Pracht entsprechend kleiner!
Viele unserer Blumenbeete sind mit Formgehölzen wie Buchsbaumhecken oder Eibenpyramiden verziert. Wenn diese als Bande für‘s Rodeln missbraucht werden und dadurch Teile der Pflanzen beschädigt werden ist beispielsweise bei einer Pyradmideneibe schnell gärtnerische Arbeit von 5 bis 10 Jahren zerstört!
Was möchten Sie den Parkbesucher:innen mit auf den Weg geben, damit alle die kommende Blumenpracht unbeschadet erleben können?
Bitte aus Gründen der Fairness auf den Wegen bleiben und die Zoomfunktion des Handys nutzen. Wenn einzelne Parkbesucher für das eine perfekte Selfie erst hunderte Krokusse zertreten müssen, haben tausende andere Parkbesucher von der Pracht nichts mehr und die Kollegen der Abteilung Gärten sehr schlechte Laune, weil sie um die Früchte ihrer Arbeit gebracht werden. Staunen und Erfreuen ist erlaubt und gewollt aber es wird niemals etwas im Park gepflückt!
Die Fragen stellte Carlo Paulus.
Heiko Muschick ist einer der drei Parkrevierleiter im Park Sanssouci. Mit seinen Mitarbeiter:innen betreut er das Revier II, das u. a. das Parterre an der Großen Fontäne, den Östlichen Lustgarten und den Marlygarten umfasst.
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