Blog der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

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Das „1. Potsdam’sche Service“

16. Mai 2020, veröffentlicht von SPSG

Mit dem Baubeginn des Neuen Palais bestellte Friedrich der Große in seiner eigenen Berliner Porzellan-Manufaktur 1765 ein umfangreiches Service. Es erlangte Bekanntheit als einer der Höhepunkte des deutschen Rokokoporzellans…

Ein Beitrag von Dr. Samuel Wittwer, Direktor der Schlösser und Sammlungen der SPSG

Nahezu gleichzeitig mit dem Baubeginn des Neuen Palais bestellte Friedrich der Große in seiner eigenen Berliner Porzellan-Manufaktur 1765 ein umfangreiches Service, das für dieses ehrgeizige Schlossprojekt bestimmt war. Es war die erste Bestellung zu einem völlig neuen Modell, die der König in dem erst zwei Jahre zuvor von ihm erworbenen Unternehmen in Auftrag gab. Bis dahin hatte die KPM lediglich Ergänzungen zu den zahlreichen Meißener Servicen geliefert, die sich Friedrich im Siebenjährigen Krieg aus dem besetzten Sachsen hatte liefern lassen. Sicherlich war die Bestellung auch aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt, brauchte doch die Schaffung eines neuen Modells sämtliche technischen und künstlerischen Kräfte der Manufaktur und sicherte ein ordentliches Einkommen.

Entstehung des 1. Potsdam’schen Services

Der verantwortliche Modellmeister Friedrich Elias Meyer studierte für seinen Entwurf sehr genau die Ornamentik, die in den bestehenden und – im Fall des Neuen Palais – sich im Bau befindenden Wohnungen Friedrichs des Großen dominierte: Locker gebündelte Rocaille-Schwünge, verschiedenes Spalier- und Gitterwerk, bemalt mit duftigen Blumen und dem vom König so geliebten und als „mosaique“ bezeichneten Schuppendekor fügen sich in dieser nachträglich als 1. Potsdam’sches Service bezeichneten Schöpfung zu einem der Höhepunkte des deutschen Rokokoporzellans.

Zahlreiche Teile befinden sich heute im Schloss Charlottenburg

Die Ordnungszahl „eins“ erhielt das viele hundert Teller, Schüsseln, Terrinen, Besteckgriffe etc. umfassende Ensemble deshalb, weil Friedrich nur zwei Jahre später gleich eine zweite Version davon bestellte. Dieses nun mit weniger Gold, dafür mit grünen Zwickeln und buntem Spalier dekorierte Service war – so eine These – für das Tafeln im Freien beim Neuen Palais bestimmt. Als beeindruckendes Beispiel des verfeinerten Geschmacks des preußischen Rokokos sind heute zahlreiche Teile dieser beiden Tafelservice in der Silberkammer in Schloss Charlottenburg ausgestellt. Zusammen mit anderen Zeugnissen aus über zweihundert Jahren königlicher Tafelkultur in Preußen laden sie dazu ein, von prachtvollen und genussreichen Festlichkeiten zu träumen.

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