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Wie der Kaiser einheizte: Die moderne Zentralheizung machte das Neue Palais zum Familienschloss

17. Dezember 2017, veröffentlicht von Elvira Kühn

Das Neue Palais im Winter. Foto: Hans Bach

In guter Entfernung zu seinem Rückzugsort Schloss Sanssouci ließ Friedrich der Große 1763 bis 1769 am westlichen Rand des Parks Sanssouci das Neue Palais errichten. Der Bau des mächtigen Schlosses war von Beginn an eine Herausforderung: Mit nur sieben Jahren Bauzeit musste es sehr schnell gehen, keine Details wie Regenrinnen sollten die schöne Fassade stören und der nasse Baugrund erforderte eine ausgeklügelte Fundamentierung. Als die Familie des späteren Kaisers Friedrichs III. 1859 das Schloss bezog, war es, trotz erster Restaurierungsmaßnahmen, sicherlich feucht und manchmal auch sehr kühl, so dass erste Öfen eingebaut wurden. Doch erst die Zentralheizung Kaiser Wilhelms II. machte ab 1890 auch ein gemütliches Weihnachtsfest im Neuen Palais möglich.

Das Neue Palais ist uns wie kaum ein anderes europäisches Schloss dieser Größenordnung in weiten Teilen im Original erhalten. Wenn das Schloss Friedrichs des Großen im Jahre 2019 seinen 250. Geburtstag feiert, können wir hier immer noch seinem Bauherrn begegnen – trotz der wechselvollen Nutzungsgeschichte und Jahren der Vergessenheit, trotz und gerade wegen der behutsamen und doch ersten Sanierung diesen Umfangs, die derzeit das Schloss vor dem sicheren Verfall rettet.

Bisher weniger Aufmerksamkeit in der Geschichte des Neuen Palais fanden andere Bewohner der Neuen Palais, etwa die Zeit, als Kaiser Friedrich III. und später Kaiser Wilhelm II. mit ihren Familien das Schloss bewohnten. Wilhelm, der hier mit seinen Eltern und Geschwistern aufgewachsen ist, bewohnte die Residenz seines berühmten Vorfahren Friedrich II. erstmals auch in den Wintermonaten: von Mai bis Mitte Januar, also auch in der Weihnachtszeit. Das in diesen Jahren modernisierte Schloss diente dem Kaiser bis 1918 als bevorzugte und repräsentative Familienresidenz.

SPSG-Mitarbeiter Jörg Kirschstein erzählt in seinem Buch „Das Neue Palais in Potsdam. Familienidyll und kaiserlicher Glanz“ die spannende Geschichte vom größten und letzten Schlossbau Friedrichs des Großen – von seiner Einweihung über die Kaiserzeit, die NS- und DDR-Zeit bis in die Gegenwart. Ausführlich widmet er sich dabei auch diesen bisher weniger erforschten Jahrzehnte, in denen das Neue Palais bevorzugter Aufenthaltsort der Kaiser Friedrich III. und Wilhelm II. mit ihren Familien war.

Hier ein Auszug aus dem Buch zur Modernisierung des Neuen Palais zur Kaiserzeit, diesmal zum Thema Heizung:



„Die Beheizung der Schlossräume

Verborgener Heizkörper im Marmorsaal. Foto: Hagen Immel

Wilhelm II. bewohnte das Neue Palais jährlich bis in den Januar hinein. Die Heizung, die sein Vater ab Ende der 1870er Jahre in mehreren Etappen eingebaut hatte, ist ab 1890 gegen eine modernere, leistungsfähigere Zentralheizung ausgetauscht worden. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass in den Wohn- und Arbeitszimmern des Kaiserpaares, die an der Gartenseite lagen, auf den Einbau der Heizung verzichtet wurde. Es ist anzunehmen, dass die ab 1865 im Neuen Palais eingebauten englischen hohen Kamineinsätze aus Gusseisen die Wärme so gut speicherten, das die Raumluft entsprechend erwärmt werden konnte.
Hingegen gab es im Toilettenzimmer der Kaiserin und im gemeinsamen Schlafzimmer eine zusätzliche Wärmequelle. Flankierend zu beiden Seiten der Kamine waren kleine „Tonöfen“ von einem Meter Höhe aufgestellt worden, die in den privaten Wohnräumen für angenehme Temperaturen sorgten.

Die Heizkörper wurden in fast allen Räumen in den Fußböden der Fensternischen platziert. Durch vernickelte Ausströmgitter, die von der Kunstgießerei Lauchhammer gefertigt waren, wurde die Wärme in die Räume abgegeben. Wo der Einbau im Fußboden nicht möglich war, hatte man in den Täfelungen der Wände Gitterwerk eingesetzt, hinter dem sich die Heizkörper verbargen.


Heizungsgitter aus der Kunstgießerei Lauchhammer im Vestibül. Foto: Alisha Sojka

Die Befeuerung erfolgte vom Keller aus. Hier waren 14 Heizkessel aufgestellt worden, so dass es möglich war, einzelne Schlossbereiche entsprechend ihres Bedarfs zu beheizen. So konnten je nach Anwesenheit der kaiserlichen Familie oder ihrer Gäste die Wohnungen und Festsäle einzeln mit Wärme versorgt werden. Dies traf auch für den Hofdamen- und Adjutantenflügel und die Räume des Oberhofmarschallamtes zu.

Heizkessel im Keller des Neuen Palais. Foto: Alisha Sojka
Einer der Pyramidenöfen im zweiten Stockwerk. Foto: Hagen Immel

Die Zentralheizung umfasste nur die Zimmer des Erdgeschosses und der ersten Etage. Die Räume im zweiten Stockwerk mit den Kinderzimmern und den Gästewohnungen mussten durch Öfen einzeln beheizt werden. Hofbaurat Reinhold Persius hatte um 1880 Entwürfe für Pyramidenöfen gefertigt, die sich in ihrer Grundform an barocken und klassizistischen Vorbildern orientierten. Die Öfen hatten ein eisernes Unterteil und ein Kacheloberteil. Wilhelm II. hatte sie nach 1889 anfertigen und aufstellen lassen.

Die Kamine hatten auch nach dem Einbau der Heizung ihre Funktion als Wärmequelle behalten. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt war die behagliche Stimmung, die sie verbreiteten. Bereits Friedrich III. hatte als Kronprinz begonnen, die Seitenwände der Kamine mit Fliesen der Firma Villeroy & Boch verkleiden zu lassen. Wilhelm II. ließ die Arbeiten ab 1889 weiterführen. Bis 1895 waren alle Kamine mit den Hoheitszeichen, dem preußischen Adler und dem Monogramm „FR“ (Fridericus Rex) in den Farben rot oder blau versehen worden. Die Rückwand wurde mit einer Eisenplatte versehen, die als Referenz an den Bauherren ebenfalls das Monogramm „FR“ trägt.


Blick in die Grüne Damastkammer, das ehemalige Arbeitszimmer Kaiser Wilhelms II., in den frühen 1990er Jahren. Damals waren die Fliesen im Kamin noch überstrichen, da Hoheitssymbole wie Preußenadler und FR nicht zu sehen sein sollten. Man hatte erst kurz vor der Friedrich-Ausstellung 1986 begonnen, die Kaminfliesen wieder freizulegen. Foto: Gerhard Murza
Im Sterbezimmer Kaiser Friedrichs III. sind die Fliesen im Kamin heute wieder zu sehen. Foto: Daniel Lindner / Wolfgang Pfauder

Der Verbrauch an Brennmaterial war enorm. Bei einer Außentemperatur von null Grad Celsius wurden täglich für die Zentralheizung und die Kamine im Neuen Palais drei Tonnen Steinkohle, zwei Hektoliter Koks und sieben Festmeter Erlenholz verbraucht. Bei Festlichkeiten, die anlässlich von fürstlichen Besuchen stattfanden, verdoppelte sich der Verbrauch.
Für die Hofküche im Commun I sind täglich 300 Kilogramm und für die Küche der Dienerschaft nochmals eine halbe Tonne Steinkohle verbraucht worden. Für die Beheizung der Wohnräume der Hofdienerschaft mussten 700 Kilogramm Steinkohle zur Verfügung gestellt werden.“



Was sich in der Zeit vom Ende der Monarchie im November 1918 bis zur Gründung der „Preußischen Verwaltung der der Staatlichen Schlösser und Gärten“ am 1. April 1927 im Neuen Palais abspielte, wird in der Ausstellung „Kaiserdämmerung“ von Juni bis November 2018 zu sehen sein. Anlässlich des 100. Jahrestages des Endes der Monarchie wird erstmals an diesem authentischen Ort an die Zeit erinnert, als der Kaiser die Koffer packte, Staat und Kaiser über Kunstwerke und Liegenschaften stritten und Herrschaftshäuser zu Museen wurden.

Wollen Sie noch mehr über das Neue Palais von Sanssouci erfahren? Dann laden wir Sie herzlich ein, an unserem Gewinnspiel zum Advent teilzunehmen!
Zu den Teilnahmebedingungen geht es hier »

Das Neue Palais von der Gartenseite aus. Foto: Michael Lüder

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