Blog der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

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Winter ade

16. März 2017, veröffentlicht von Elvira Kühn

Der Frühling nähert sich mit großen Schritten. In der Parkgärtnerei von Sanssouci hat er bereits Einzug gehalten. Schon seit Anfang März heißt es für die Stiefmütterchen und viele andere Pflanzen: „Tschüss Gewächshaus und Hallo Park!“ Mathilda Fischer, für ein Jahr bei uns im Bundesfreiwilligendienst in der Denkmalpflege, nimmt Sie wieder mit in die Parkgärtnerei und begleitet gemeinsam mit Ihnen die Gärtnerinnen und Gärtner beim Pikieren von Pflanzen, Düngen von Hochstämmen, bei der Aussaat der Pflanzen und vielem mehr. (Alle Artikel der Serie auf einen Blick »)

Es werde Bunt! – Auspflanzen der Stiefmütterchen an den Römischen Bädern

Bei meinem vorherigen Besuch in der Parkgärtnerei waren die kleinen Keimlinge des Steifen Eisenkrauts noch zu jung, um pikiert zu werden. Aber nach 2 Wochen intensiven Wachsens sind die kleinen Frostkeimer nun bereit für den Umzug von der Aussaatschale in die Multicellpalette (eine Aussaatschale mit vielen kleinen Pflanzzellen). Bisher ist noch nicht viel Saatgut dieser Pflanze aufgekeimt, aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Neben dem Steifen Eisenkraut werden noch zahlreiche andere Pflanzen pikiert, unter anderem die Spinnenblume.

Nicht nur die Frostkeimer lassen sich blicken, auch die Bedecktkeimer schaffen den Durchbruch ins Licht. Am 09. Februar 2017 wurde das Weißfilzige Greiskraut, auch Silberblatt genannt, gepflanzt und schon nach 5 Tagen ist das dekorative Gewächs aufgekeimt.

Die kleinen Keimlinge des Weißfilzigen Greiskrauts/Silberblatts…
…und so sieht es erwachsen aus.

Ähnlich ist es bei der Wunderblume. Ebenfalls am 09. Februar ausgesät, ist diese farbintensive Blume zwar erst am 16.2. aufgekeimt, aber sie lässt das Silberblatt nicht nur farblich, sondern auch im Wachstum ganz schön grau aussehen.

Unterschiedliches Wachstum des Silberblatts (links) und der Wunderblume.
Die Saat der Wunderblume entwickelt sich zu dieser wundervoll farbenfrohen Blume…
… oder dieser hier.

Die Saat der Wunderblume wird in der Parkgärtnerei von der Mutterpflanze abgeerntet. Jedoch werden nicht alle Pflanzen abgeerntet. Das hat den Grund, dass einerseits einige Pflanzen nicht mehr im Handel erhältlich sind, weil sie zu historisch sind, und andererseits sind Pflanzen resistenter, wenn sie in der Parkgärtnerei heranwachsen und so schon an die Verhältnisse in den Gärten gewöhnt sind.

Manche Pflanzen geben mehr Saatgut her als andere, also ist das Bestellen von Saatgut oft auch eine Notwendigkeit. Neben der Menge an Saatgut ist auch das Aussehen eines Samens einer jeden Art unterschiedlich. Jedes Saatkorn ist auf seine Weise einzigartig. Die Form und Größe jeder Art unterscheidet sich, groß oder klein, breit oder schmal, hell oder dunkel.

Wunderblumensaat
Tabaksaat
Artischockensaat

Neben den Pflanzen für die Randbepflanzung der Beete, den farbenfrohen Blumen und Hochstämmen wachsen in der Parkgärtnerei auch Gemüsesorten heran. Das erste junge Gemüse, dass dieses Jahr ausgesät wurde, sind die Auberginen und die Artischocken. Die Pflänzchen konnten es gar nicht abwarten, ihre Häupter empor zu strecken – erst am Samstag, den 18. Februar, wurden die Keimlinge ausgesät und schon am Montag, den 20. Februar, sind sie ausgekeimt.

Die ersten kleinen Samen sind schon ausgekeimt – hier leider kaum sichtbar
Artischockenkeimlinge

Mal ein anderes Thema: Was haben Kühe mit den Pflanzen in der Parkgärtnerei von Sanssouci zu tun? Direkt haben sie nichts mit den Pflanzen zu tun. Aber überrascht hat mich, dass das Horn der Kuh in Form von Hornspänen als Düngemittel für die Hochstämme verwendet wird. Diese Art der Düngung wird als Kopfdüngung bezeichnet. Es wird die oberste Schicht der Erde entfernt und eine dünne Schicht der Hornspäne wird auf die restliche Erde gegeben. Anschließend wird der Topf mit frischer Erde aufgefüllt und fertig! Hornspäne werden hier als Dünger verwendet, weil Horn viele Nährstoffe besitzt, doch nach einigen Monaten hat sich dieser organische Dünger abgebaut und die Kopfdüngung muss wiederholt werden. Für alle, die sich auch fragen, was mit der unteren Schicht Erde passiert: Diese wird alle 2 bis 3 Jahre ebenfalls erneuert.

Die Kopfdüngung der Hochstämme

In ihrem normalen Topf haben die Hochstämme noch zusätzlich einen kleineren Metallkorb. Die Hochstämme sind in den Parks und Gärten verteilt, aber wenn es langsam kühler wird und sie in ihr Winterquartier umziehen, dann kommen sie alle in der Parkgärtnerei oder der Orangerie von Sanssouci zusammen. Der Transport eines Hochstamms ist nicht immer leicht, vor allem bei einem alten und großen Hochstamm mit großem Kübelumfang. Also wird der metallene Korb, der den Hauptwurzelballen einschließt, entnommen und die Wurzeln, die aus dem Gitter heraus ranken, werden entfernt. Dadurch wird die Pflanze kompakt gehalten und der Transport erleichtert. Nicht nur für den Transport ist der Metallkorb sinnvoll, denn er gewährleistet auch, dass immer ein Wurzelhauptballen der Pflanze vorhanden ist.

Metallkorb im Topf eines Hochstamms der Fuchsie

Allmählich wird es immer wärmer und für die kleinen Pflanzen, die Teil der Frühjahrsbepflanzung sind, geht es raus in die Beete! Schon seit Anfang März werden die ersten Pflanzen in die Gärten ausgepflanzt und schmücken Sanssouci mit einem ersten Hauch von Frühling. Die Hochstämme müssen noch bis Mai warten bevor sie wieder ihren Platz draußen einnehmen können. Nichtsdestotrotz – hier schon ein kleiner Vorgeschmack:

Die Vanilleblume – hat nichts mit der Vanille als Gewürz zu tun, riecht aber wie dieses.

 

Musik im Video: Vivaldi-Concerto E major RV 269 Spring (Complete Concert) interpretiert vom European Archive (Musopen.de)

Fotos: Mathilda Fischer & Matthias Röhl

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