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„die Freiheit der Bäume…“ – Großbaumverpflanzung à la Pückler

28. September 2016, veröffentlicht von Author unavailable

Hermann Fürst von Pückler-Muskau, der schillernde Gartenkünstler, war immer für eine Überraschung gut: Er war der erste, der es in Preußen schaffte, einen großen alten Baum zu verpflanzen. Dank seiner spektakulären „Baum-Maschine“ – das Know-how dazu hatte er aus England mitgebracht – konnte er seine Träume vom perfekten Landschaftsgarten verwirklichen. Der Nachbau eines solchen Großbaumverpflanzwagens kündigt jetzt vor dem Schloss Babelsberg die große Ausstellung „Pückler. Babelsberg – Der grüne Fürst und die Kaiserin“ an.

Rekonstruktion der Pücklerschen Baum-Maschine vor dem Schloss Babelsberg. © SPSG / Foto: Kai-Britt Albrecht

„Es ist dies die Freiheit der Bäume, nach der wir uns ebenfalls so sehr sehnen.“ – Großbaumverpflanzung und Baumuniversität à la Pückler

Dass das Gärtnern nicht nur traumhafte Parklandschaften hervorbringen, sondern sich dabei auch höchst spektakulärer Mittel bedienen kann, bewies allen einmal mehr Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785–1871). Womit konnte man die ländliche Bevölkerung in der Mitte des 19. Jahrhunderts wohl mehr überraschen, als damit, einen 8, 12 oder 15 Meter hohen Baum auf einem sonderbaren hölzernen Karren mit übermannshohen Rädern und von Pferden gezogen über weite Strecken in Richtung Park zu transportieren?

Gleichgültig wie groß der Aufwand war: Die Verpflanzung großer Bäume war ein Markenzeichen des Fürsten Pückler, vereinte er doch damit die Besänftigung der eigenen gärtnerischen Ungeduld mit dem Hang zum Aufsehenerregenden. Die Inspiration hierzu kam aus England. Insbesondere war es der Landschaftsgärtner Sir Henry Steuart (1759–1836), der seine Erfahrungen mit der Großbaumverpflanzung in dem Fachbuch The Planter's Guide festgehalten hatte, das Pückler 1828 in London erwarb und überaus lobte.

Von einem Pferdegespann gezogene Baum-Maschine im Branitzer Park mit einer 10 Meter hohen Stiel-Eiche. Foto: Claudius Wecke

Bereits im Muskauer Park setzte der Fürst Verpflanzmaschinen ein, etwa bei den bekannten Gehölzpflanzungen der ca. 40 Jahre alten gepflanzten Blutbuche am Schloss im Jahr 1826 und der Dreiergruppe von Pappeln auf der Schlosswiese 1830.

Ob Pücklers Großbaumverpflanzwagen auch bei der Gestaltung des Parks Babelsberg zum Einsatz kam, ist nicht gesichert. Während seiner Tätigkeit dort beklagte er sich darüber, dass es in Babelsberg „zum Verpflanzen großer Bäume leider an einer zweckmäßigen Maschine“ fehle. Vermutlich wurden Großbaumverpflanzungen dort erst ab 1865 durch den Obergärtner Otto Ferdinand Kindermann (1843–1 918) vorgenommen, der aber zuvor bei Pückler in dessen Branitzer Park gesehen hatte, wie die Arbeiten mit der Baum-Maschine ausgeführt wurden.

In Branitz hatte Pückler – anders als in Muskau und Babelsberg – nicht das Glück, einen alten und entwicklungsfähigen Baumbestand vorzufinden. Die wenigen brauchbaren Gehölze vor Ort hatte er sogar in den Jahren zuvor nach Muskau bringen lassen. So musste sein Alterswerk sozusagen aus dem Nichts gestaltet werden, und die aufwändige Großbaumverpflanzung war insbesondere auch deshalb erforderlich, weil der bereits über 60jährige Fürst die Bildwirkung noch mit eigenen Augen sehen wollte. Haushaltsunterlagen sprechen von etwa 700 Großbäumen, die zwischen 1846 und 1850 im Branitzer Park gepflanzt wurden. Die Gehölze suchte er vermutlich vor allem bei Ausritten in einem Umkreis von bis zu 40 Kilometern aus.

Die meisten Bäume, die versetzt wurden, hatten eine Höhe von sechs bis zehn, in Einzelfällen bis zu 22 Metern und einen Stammdurchmesser bis ca. 50 cm. Etwa 12 Arbeiter waren für die anschließende Pflanzung erforderlich, um mit Seilen und überkreuzten Stangen, sogenannten Scheren, die Baum-Maschine mit dem aufgelegten Großbaum nach und nach in Position zu bringen. Mit Hilfe der Scheren wird die Baum-Maschine allmählich in die Senkrechte gebracht, danach wird der Baum losgebunden und sitzt im Pflanzloch. Zu guter letzt wird die Baum-Maschine zu Boden gelassen und das Pflanzloch verfüllt.

Ein Baum wird verpflanzt – "Fürst Pückler" (ganz rechts) überwacht das Prozedere. Rekonstruktion einer historischen Situation für die filmische Dokumentation "Fürst Pückler – Playboy, Pascha, Visionär" im Branitzer Park, 2014. Foto: Sylvia Gdaniec

Die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Schloss und Park Branitz (SFPM) ist heute im Besitz eines Nachbaus der Pücklerschen Baum-Maschine. Parkgärtner und Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Branitz haben sie in den vergangenen Jahren mit der (Schau-)Pflanzung wieder von zwei etwa 10 Meter hohen Stiel-Eichen zum Leben erweckt. Die Rekonstruktion des „Großbaumverpflanzwagens“ hat eine Gesamthöhe von 2,60 m; die Räder haben einen Durchmesser von 2,17 bei einer Achsbreite von 3,85 m.

Baum-Maschine im Fürst-Pückler-Park Branitz. Foto: Claudius Wecke

„Einen alten Baum verpflanzt man nicht“, lautet ein Sprichwort, und so gilt auch, dass nicht jeder Pflanzversuch Pücklers von Erfolg gekrönt war, so dass er teilweise wiederholt werden musste. Für die in fortgeschrittener Größe zu versetzenden Bäume richtete Pückler zudem ein eigenes Areal ein – die sogenannte Baumuniversität.

In der Baumuniversität wurden größere Bäume in angemessener Entfernung voneinander eingepflanzt, so dass sie sich zu jeder Seite gut ausbilden konnten, um sie später als große Bäume in den Anlagen zu verwenden.

Blieb es in Muskau und Babelsberg nur bei der Planungsebene, so richtete Pückler in Branitz nachweislich vier Baumuniversitäten ein. Die älteste in der Schlossgärtnerei stammt aus dem Jahr 1853. Die Branitzer Baumuniversität wurde 2011 wiederbelebt. Wo Pückler einst Großbäume zur späteren Verpflanzung in seinen Park bereithielt, werden heute einzelne, für das Parkbild des Gartenkunstwerks Branitz unverzichtbare Gehölze vermehrt, um sie bei Bedarf als neue, genetisch identische Generation punktgenau nachpflanzen zu können. In Kooperation mit Baumschulen und Universitäten werden die Gehölze dabei zuvor sowohl auf konventionelle Weise veredelt, als auch im Labor im sogenannten „In-vitro-Verfahren“ in Reagenzgläsern vermehrt.

Für bessere Anwachserfolge ließ Pückler die Gehölze übrigens ganz anders als heutzutage düngen. Angeblich wurden komplette Tierkadaver als organischer Dünger mit im Wurzelraum vergraben. Was kurios anmutet, stimmt tatsächlich. Von einem Pferdefleischer erhielt der Fürst zu diesem Zweck sämtliche tierischen Abfallprodukte, und nachweislich hat er auch verendete Parkpferde, Schafe und eine Kuh zur Düngung verwendet.

Wer hätte gedacht, dass das Pflanzen von Bäumen so viel Kreativität und Risikobereitschaft erfordert? Fürst Pückler hatte es perfektioniert und zum Charakteristikum seiner Parkgestaltungen erhoben.

Pflanzwagen auf Reisen: Von Branitz über Bonn nach Babelsberg

Die Rekonstruktion der Pücklerschen „Baum-Maschine", die die SFPM uns dankenswerter Weise als Leihgabe zur Verfügung stellt, weist ab sofort als Attraktion vor dem Schloss Babelsberg auf die große Ausstellung „Pückler. Babelsberg – Der grüne Fürst und die Kaiserin“ hin, die von Ende April bis Mitte Oktober 2017 Pückler und seine gartenkünstlerischen Arbeiten im Park Babelsberg sowie seine Stellung am preußischen Hof in den Mittelpunkt stellt.

Der Wagen war bis zum 18. September 2016 in der Ausstellung „Parkomanie. Die Gartenlandschaften des Fürsten Pückler“ in der Bundeskunsthalle Bonn zu sehen. Beiden Einrichtungen danken wir herzlich für die Unterstützung bei der Präsentation der Baum-Maschine am Schloss Babelsberg!

Angekommen am Schloss Babelsberg: Die Baum-Maschine wird zusammengebaut ...
© SPSG / Foto: Katrin Schröder
... und zu ihrem Standort auf dem Vorplatz des Schlosses transportiert.
© SPSG / Foto: Katrin Schröder
Geschafft! Für die kommenden Monate steht die Baum-Maschine am Schloss Babelsberg – als Blickfang und Vorbote auf die große Pückler-Ausstellung 2017.
© SPSG / Foto: Katrin Schröder

Wir danken Claudius Wecke, Fachbereichsleiter Parkpflege/Gartendenkmalpflege der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz für seine wertvolle Unterstützung bei der Entstehung dieses Artikels!


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