Blog der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

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Das ‚kleine Wunder’ von Rheinsberg

29. April 2016, veröffentlicht von Elvira Kühn

Der 25. Jahrestag der Wiedereröffnung von Schloss Rheinsberg als Museumsschloss am 6. Mai 1991 ist Anlass für eine besondere Jubiläumsschau: In der Ausstellung „Rheinsberg 25. Wiedererweckung eines Musenhofs“ entfaltet sich ab dem 1. Mai das ‚kleine Wunder’ von Rheinsberg.

Wiedererweckung eines Musenhofs

Als am 1. April 1991 Schloss und Garten Rheinsberg in die Obhut der damaligen Schlösserstiftung Potsdam-Sanssouci übergeben wurden, war der einstige Musenhof am Grienericksee in einem wahrhaft traurigen Zustand. Innen wie außen trug das Schloss die Spuren der über Jahrzehnte währenden Nutzung als Sanatorium. Doch der Mythos Rheinsberg, vom jungen Friedrich (II.) begründet und durch Menzel, Fontane und Tucholsky unsterblich gemacht, tat seine Wirkung: Fünf Wochen später hatte sich das Sanatorium in ein Museumsschloss verwandelt – möglich geworden durch die Hartnäckigkeit einiger tatkräftiger Rheinsberg-Enthusiasten.

Seit der Eröffnung von Schloss Rheinsberg am 6. Mai 1991 ist viel geschehen. Schloss und Lustgarten wurden restauriert, es gab große Ausstellungen, der „Musenhof“ findet wieder überregionale Beachtung. Museumsschloss und Kurt Tucholsky Literaturmuseum mit der Galerie zeitgenössischer Kunst, die Musikakademie Rheinsberg und die Kammeroper Schloss Rheinsberg locken alljährlich tausende Besucher an, inzwischen fast zwei Millionen.

Schloss Rheinsberg um 1990 und 2015.
Foto oben: Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten / unten: Leo Seidel © SPSG

Seit 1991 sind 42,5 Millionen Euro in die Sanierung und Restaurierung des gesamten Gebäudeensembles und des Gartens geflossen. Dächer und Schlossfassaden wurden instand gesetzt, der Marstall zum Besucherzentrum umgestaltet, das 1945 zerstörte Theater bis Ende 1999 wieder aufgebaut und ein neues Gästehaus für die Musikakademie errichtet.

Die Paradeschlafkammer im Schloss Rheinsberg, 1990 und 2015.
Foto oben: Wolfgang Bittner / unten: Leo Seidel; beide © SPSG

Insgesamt zeigen sich jetzt 36 Schlossräume umfassend restauriert, wozu die berühmte Bibliothek Friedrichs zählt. Weitere Höhepunkte sind die Gewölbte Kammer mit ihren einzigartigen illusionistischen Malereien, die Paradeschlafkammer des Prinzen Heinrich mit ihrem kostbaren Seidengewebe oder der Spiegelsaal mit seinem bauzeitlichen Dielenfußboden, über den nicht nur die preußischen Prinzen, sondern auch Fontane und Tucholsky gegangen sind.

Der Spiegelsaal im Schloss Rheinsberg, 1990 und 2013.
Foto oben: Wolfgang Bittner / unten: Leo Seidel; beide © SPSG

Der Abschluss der Restaurierung des Muschelsaals, einer der Festsäle im Schloss, ist das Präsent zum Jubiläum: Nach fast 100 Jahren erhält der Raum derzeit seine von Carl Gotthard Langhans erdachte Ausstattung zurück – Dank des Engagements der Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten und der Kulturstiftung der Freunde sowie der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin.

Auch im Rheinsberger Lustgarten hat sich viel verändert: Die Schlossinsel zeigt sich wieder wie im Jahre 1769. Obelisk, Egeriagrotte, Heckentheater und Stadtmauer wurden umfassend wiederhergestellt.

Die Egeriagrotte im Lustgarten Rheinsberg, 1994 und 2009.
Foto oben: © SPSG / unten: Leo Seidel © SPSG

Nach 25 Jahren ist es an der Zeit, ein Resümee zu ziehen: Im Rahmen der Ausstellung „Rheinsberg 25. Wiedererweckung eines Musenhofs“ (1. Mai – 31. Oktober 2016) laden wir Sie ein, an 25 Stationen im Schloss und im Garten auf die außerordentlichen Leistungen der Wiederherstellung von Schlossanlage und Lustgarten Rheinsberg zurückzublicken. Es werden neue Erkenntnisse präsentiert und Ausblicke in die Zukunft gegeben.

Aber Rheinsberg wäre nicht Rheinsberg, würde es nur in die Vergangenheit schauen: In Kooperation mit der Akademie der Künste Berlin und dem Kurt Tucholsky Literaturmuseum werden Mitglieder und Stipendiaten in Schloss und Garten mit künstlerischen Interventionen besondere thematische Akzente setzen.

Künstlerische Interventionen zur Jubiläumsausstellung: Skulptur von Klaus Kleine, die viele Assoziationen zum historischen Umfeld zulässt. Foto: Detlef Fuchs © SPSG

Schloss und Lustgarten Rheinsberg

Schloss Rheinsberg war von 1736 bis 1740 das Refugium des künstlerisch ambitionierten Kronprinzen Friedrich (II., der Große). Wie kein anderes Schloss besticht Rheinsberg durch seine malerische Lage am Grienericksee. Hier verbinden sich Natur, Architektur und Kunst zu einem harmonischen Ganzen. Zahlreiche Kunstwerke schmücken die Räumlichkeiten des Schlosses und laden zu einer Reise in die Zeit des 18. Jahrhunderts ein.

Durch umfangreiche Restaurierungen gelang es in den vergangenen Jahren, die originalen Raumdekorationen aus der friderizianischen Zeit (um 1740) sowie die unter Prinz Heinrich geschaffenen frühklassizistischen Raumfassungen (um 1786) zurückzugewinnen. Sie vermitteln gemeinsam mit den ausgestellten Gemälden und kunsthandwerklichen Objekten einen Eindruck von der Wohnkultur, dem Lebensgefühl und der Sammeltätigkeit der einstigen Besitzer.

Kronprinz Friedrich ließ die Hauptachse des Lustgartens mit dem charakteristischen Gartenportal sowie die lange Querachse anlegen, die er später in Sanssouci wiederholte. Vier Jahre nach seinem Regierungsantritt schenkte Friedrich seinem Bruder Heinrich 1744 Schloss und Garten, der das Anwesen innerhalb eines halben Jahrhunderts auf mehr als 300 Hektar erweiterte.

Der jüngere Bruder des Königs ließ u. a. die Feldsteingrotte und das Heckentheater anlegen und öffnete den Garten mit der Anlage der Erdterrassen jenseits des Sees, die er mit dem Obelisken und der einzigartigen Perspektivallee schmückte, in die Landschaft hinein.

Unter Heinrich entwickelte sich das Schloss zu einem innovativen Zentrum der Fest-, Theater- und Musikkultur. Diese Tradition ist mit der Kammeroper Schloss Rheinsberg und der Musikakademie Rheinsberg heute wieder mit Leben erfüllt.


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