Die Pfaueninsel, seit 1990 Teil des UNESCO-Welterbes „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“, zählt zu den faszinierendsten historischen Orten der Region. Mit der Wiedereröffnung des nach umfassender Restaurierung instand gesetzten Schlosses im vergangenen Jahr ist das einzigartige Inselensemble wieder in seiner ganzen Schönheit erlebbar. Weniger bekannt ist, dass die Insel bereits im 17. Jahrhundert Wirkungsstätte des Alchemisten und Glasmachers Johannes Kunckel war, der hier im Auftrag des Großen Kurfürsten experimentierte und mit der Herstellung des berühmten Rubinglases Geschichte schrieb. Diesem außergewöhnlichen Kapitel der Inselgeschichte widmet sich der Bestsellerautor Florian Illies in seinem neuen Buch „Träume aus Feuer. Der Alchemist von der Pfaueninsel“, in dem er Kunckels Leben und die magische Atmosphäre der Insel auf eindrucksvolle Weise neu erzählt. Wir haben Florian Illies sechs Fragen gestellt:
Lieber Herr Illies, warum ist die Pfaueninsel für Sie ein faszinierender Ort, auch abseits von Kunckel?
Weil man hier Berlin entfliehen kann und der ganzen aufgeregten Gegenwart.
Können Sie sich an Ihren ersten Besuch auf der Insel erinnern?
Sehr gut. Es war sehr heiß. 1999, ich war am Bahnhof Zoo, ein schwüler Sonntagnachmittag unter weißer Wolkenlast, da kann Berlin furchtbar sein. Ich bin rausgefahren nach Wannsee mit der Bahn, dann mit dem Bus und als ich auf der Fähre war und mir der Wind um die Ohren blies, da war ich sehr erleichtert und glücklich.
Einige Menschen verbinden mit dem 17. Jahrhundert eine in Teilen verklärte Vorstellung vom „einfachen Leben“, das Heute ist ihnen zu schnell, zu kompliziert. Können Sie solche Gedanken nachvollziehen?
Unbedingt. Ich aber verkläre in meinem Buch nichts an der Vergangenheit, schaue das wahre Leben in jener Zeit an – aber ziehe durchaus Parallelen zur Gegenwart, etwa wenn wir all die Wirren in der Patchworkfamilie des Großen Kurfürsten anschauen oder die höfischen Kämpfe voll Neid und Missgunst.
Hat das Heute sein Gefühl für Magie verloren?
Jede Zeit hat das Gefühl, ihr Gefühl für Magie verloren zu haben. Wie gut, dass uns die Magie nie verliert und da ist, wenn wir nach ihr zu suchen beginnen.
Caspar David Friedrich, Johannes Kunckel: Welcher historischen Figur werden Sie sich als nächstes widmen?
In meinem Kopf spazieren gerade sehr viele Figuren herum und ich überlege mir, wem ich mich besonders widmen möchte.
Abschließend interessiert uns: In welchem unserer Schlösser würden Sie gerne eine Nacht verbringen? Und was würden Sie dort machen?
Das weiße Schloss auf der Pfaueninsel. Ich würde mich oben auf die Verbindung zwischen den beiden Türmen legen, den leichten Wellen der Havel lauschen und den Blick auf die Sterne richten.
Eine Führung im August und September begibt sich auf die Spuren Johannes Kunckels auf der Insel.
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