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„Ein Bauwerk hat eine Geschichte, die sichtbar bleiben sollte.“

22. Mai 2026 Von Carlo Paulus

Projektleiterin Heike Zeymer über sichtbare Fortschritte und unsichtbare Herausforderungen auf der Baustelle der Römischen Bäder im Park Sanssouci

Liebe Frau Zeymer, Sie sind Projektleiterin für die Sanierung der Römischen Bäder im Park Sanssouci innerhalb des Sonderinvestitionsprogramms 2. Insgesamt arbeiten Sie schon seit 2019 am Projekt, richtig?

Ja, ich arbeite seit dem Jahr 2019 am Projekt Römische Bäder. Eigentlich war das Projekt bereits Bestandteil des Sonderinvestitionsprogramms 1 (SIP 1). Es wurden damals auch schon erste Konzepte entwickelt. Aber so richtig los ging es nicht, weil erstmal andere Prioritäten gesetzt waren. Mit dem Sonderinvestitionsprogramm 2 wurde dann kontinuierlich an der Planung und Realisierung des Sanierungsprojektes gearbeitet.

Nach mehreren Jahren an Voruntersuchungen und Planungen sind die sichtbaren Bautätigkeiten nun seit 2024 im Gange.

Genau. Im Frühjahr 2024 haben wir mit der Bauausführung begonnen. Generell haben derart komplexe Denkmalprojekte einen langen planerischen Vorlauf. Hier kam noch hinzu, dass uns juristische Probleme Zeit gekostet haben, weil alte Vertragsverhältnisse geklärt und abgewickelt werden mussten. Und auch Corona hat die Arbeiten deutlich verzögert.

Wo steht das Projekt aktuell und welche Meilensteine wurden bisher erreicht?

Wir sind aktuell mitten im Baugeschehen. Wer die Römischen Bäder lange nicht gesehen hat, wird zunächst vom Baustellencharakter überrascht sein – anstelle der gepflegten Gartenanlagen prägen jetzt Bautechnik und Container das Bild, die Gebäude sind von Gerüsten verdeckt. Aber an den beiden Wohnhäusern, dem Gärtner- und dem Gehilfenhaus werden schon in den nächsten Tagen die Gerüste fallen und den Blick auf die fertiggestellten Gebäude freigeben. Die Dächer wurden, dem ursprünglichen Bild folgend, wieder mit Ziegeln eingedeckt und die sanierten Fassaden erstrahlen nun in einem hellen Ockerton. 

Aber es gibt noch viel zu tun. Durch die gewässernahe Lage der Römischen Bäder und den hohen Grundwasserstand sind Grundwasserabsenkungen erforderlich, um überhaupt bestimmte Arbeiten im Boden und den Substruktionen ausführen zu können. 

Es hat sich gezeigt, dass die dafür benötigte Wasserrechtliche Genehmigung ein sehr komplexer und langwieriger Prozess ist, der leider die Ausführung der Arbeiten nach wie vor verzögert. Nach derzeitigem Stand gehen wir aber davon aus, dass die Verzögerung keinen Einfluss auf den Gesamtfertigstellungstermin haben wird.

Stichwort schwieriger Baugrund: Was sind aktuell die größten Herausforderungen?

Durch die Voruntersuchungen hatten wir bereits wesentliche Probleme und ihre Ursachen erkannt. Zum Beispiel wurde das Absacken der Natursteinböden in der Therme durch Ausspülungen im Untergrund verursacht. Glücklicherweise hat sich herausgestellt, dass sich die befürchteten Gründungsprobleme auf die Ufer- und Gartenmauern beschränken. Alle anderen Gründungen sind nicht gefährdet.
Allerdings war die marode Ufermauer zum Maschinenteich derart geschädigt und porös, dass die ursprünglich geplante Sanierung mit Mikrobohrpfählen zu scheitern drohte und zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden mussten.

Die größte Herausforderung stellt derzeit die bereits erwähnte Genehmigungssituation für die Wasserhaltung dar. Der Abstimmungsprozess und die Lösungsfindung sind äußerst schwierig. Durch die Lage im Trinkwasserschutzgebiet ist eine Wiedereinleitung des abgepumpten Wassers nicht zulässig und auf Grund der geologischen Gegebenheiten sowie der Lage im Park sind auch andere Lösungen kaum umsetzbar oder wären genehmigungspflichtig. Mit der Wasserbehörde wurde jetzt das Konzept einer Reinfiltration in das Gelände abgestimmt. Wir hoffen, zeitnah die entsprechende Genehmigung zu erhalten, um endlich mit den dringenden Arbeiten starten zu können.  

Das Ensemble umfasst ja nicht nur die Gebäude, sondern auch Gärten, Skulpturen, Brunnen und die Innenausstattung. Wie koordinieren Sie all diese verschiedenen Gewerke und Aufgaben?

Es ist tatsächlich eine der größten Herausforderungen alles unter einen Hut zu bekommen.
Schließlich arbeiten an dem Projekt eine Vielzahl an Planern und Experten unterschiedlichster Fachrichtungen mit verschiedenen Interessenslagen.
Die Koordinierung der planerischen und baulichen Abläufe erfolgt durch das beauftragte Architekturbüro. Aber natürlich kommt es darauf an, unsere Anforderungen zu formulieren, durchzusetzen und zu kontrollieren. Eine besondere Rolle kommt dabei dem Projektteam und den Kollegen aus den Fachabteilungen zu, die unter der Federführung der Projektleitung die Prozesse steuern. 
Wir arbeiten mit einem komplexen Bauablaufplan, der alle Prozesse darstellt, angefangen bei den Genehmigungs- und Vergabeverfahren, bis hin zu den restauratorischen Maßnahmen, der Rückführung der Kunstobjekte und der Wiederherstellung der Gartenanlagen. 
Soweit die Theorie. In der Praxis bedeutet das natürlich, alle Änderungen, Verzögerungen und sonstige Probleme, von denen es beim Bauen reichlich gibt, regelmäßig in den Plan einzuarbeiten und zu kommunizieren. Es bleibt also eine große Herausforderung. 

Die Römischen Bäder sind fast 200 Jahre alt und wurden über die Zeit mehrfach verändert. Wie gehen Sie denkmalpflegerisch vor, wird rekonstruiert, ergänzt oder der Ist-Zustand bewahrt?

Ein Bauwerk hat eine Geschichte, die sichtbar bleiben sollte und Veränderungen respektiert. Gleichzeitig war uns wichtig, die Ensemblewirkung und die Sichtbeziehungen zur benachbarten Meierei am Kuhtor sowie dem Schloss Charlottenhof wieder herzustellen.
Dazu gehört auch die Entscheidung, die Dächer wieder mit den ursprünglichen Tonziegeln einzudecken – natürlich mit einem regendichten Unterdach – und sich beim Fassadenfarbton an der befundeten Erstfassung zu orientieren. Andere Veränderungen, etwa aus den Umbauten von 1910, bleiben bestehen. Rekonstruktionen werden nur im Detail vorgenommen, wenn sie für das Verständnis notwendig sind.

Gab es auch spannende Entdeckungen?

In der Bauphase kommt es immer wieder zu interessanten Entdeckungen, beispielsweise wurde im Billardzimmer unter dem Marmorbelag ein Boden aus Gipsanhydrit-Estrich gefunden. Ein zur Bauzeit innovatives Material, das erst Jahre später populär wurde und auch für die Böden im Neuen Museum in Berlin Verwendung fand.  Im konkreten Fall war offensichtlich das begrenzte Budget des Kronprinzen Anlass, neue Materialien auszuprobieren. Zustand und Lage des Bodens ließen einen Erhalt leider nicht zu, aber es wurden Teilstücke geborgen und restauriert. Das sind spannende Funde, die neue Erkenntnisse bringen, aber nebenbei auch mal den Bauablauf für Wochen verzögern können. 

Aktuell wird abgerüstet, die frischen Fassaden werden sichtbar. Welche Veränderungen werden für Besucher:innen sonst noch auffällig sein, z. B. in Bezug auf das Aussehen oder auch die Barrierefreiheit?

Das äußere Erscheinungsbild wird erst einmal heller und glatter wirken und vielleicht den gewohnten morbiden Charme vermissen lassen. Wir gehen aber davon aus, dass sich über die Jahre wieder eine Patina entwickelt. 

Besonderen Wert haben wir daraufgelegt, den Bewuchs möglichst zu erhalten, beispielsweise die Akebien (Klettergurken) an der Arkadenhalle und die Weinreben an den Pergolen.

Der Eingangsbereich wird künftig neugestaltet: Früher war dort ein kleines Kämmerchen mit Kasse. Jetzt führt der Eingang direkt in die Arkadenhalle. Alle Ausstellungsbereiche werden barrierefrei zugänglich sein. Dazu ist unter anderem ein Hublift auf die Pergola des Gärtnerhauses vorgesehen, von dort gelangt man dann über eine schräge Ebene in den Pavillon.
Für die Besucher werden neue Bereiche erschlossen, etwa das Viridarium mit dem Innenhof und die Kolonnade am Schafgraben. Der wieder im Original ausgestattete Pavillon wird im Rahmen von Sonderführungen zu besichtigen sein. 
In der Remise wird es Infrastruktur wie Besucher-WCs, eine Catering-Küche für Veranstaltungen und die zentrale Haustechnik geben. 

Was steht als nächstes an?

Schwerpunkt in den nächsten Monaten werden die Arbeiten an den Thermen sein. Sobald die notwendigen Genehmigungen vorliegen, wird das Grundwasser mit Hilfe von Pumpen soweit abgesenkt, dass die Sanierungsarbeiten an der so genannten Substruktion, das heißt, den unterirdischen Gewölben im nördlichen Teil der Thermen, ausgeführt werden können. Danach werden die neuen Bodenplatten in der Therme und der Remise hergestellt sowie mit der Installation der Haustechnik begonnen. Zeitgleich erfolgen die Sanierungsarbeiten am Dach und der Einbau der neuen Glasüberdachung des Impluviums. Erst danach können die restauratorischen Arbeiten der Innenräume beginnen.

Seit 2019 sind Sie an diesem Projekt beteiligt. Was haben Sie persönlich daraus gelernt, vielleicht auch über Karl Friedrich Schinkel oder das Bauen im Denkmal?

Bauen im Denkmal bedeutet für mich vor allem ständiges Lernen. Jedes Objekt ist anders, man muss sich mit unterschiedlichsten historischen Zeitschichten, Bauweisen, Materialien, Restaurierungstechniken, als auch Baufehlern und den daraus folgenden Sanierungsversuchen unserer Vorgänger auseinandersetzen. Die Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Spezialisten und Fachkollegen, die zum Gelingen des Projektes beitragen, empfinde ich als äußerst spannend und bereichernd.

Im Projekt konnte ich meine frühere Beschäftigung mit Schinkel wieder aufgreifen. Daran erinnert eine Mappe mit Reproduktionen von Schinkelzeichnungen, die ich mir bereits als Architekturstudentin in den 1980er-Jahren zugelegt hatte. Die Zeichnungen von den Römischen Bädern hängen jetzt wieder in meinem Büro. Sie faszinieren mich bis heute.  Schinkel war ein Meister der Vielseitigkeit. Sein Schaffen folgte der Philosophie, das Leben durch Schönheit und Funktionalität künstlerisch zu durchdringen.  An den Römischen Bädern ist es ihm aus meiner Sicht in besonderem Maße gelungen, ein Ensemble aus Gebäuden und Gartenräumen zu komponieren, das durch einen äußerst menschlichen Maßstab geprägt wird. 

Es ist mir eine Herzensangelegenheit, die Römischen Bäder wieder in ihrer Schönheit erlebbar zu machen.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Heike Zeymer ist Architektin und seit 2008 bei der SPSG. Vor der Arbeit an den Römischen Bädern verantwortete sie unter anderem die Sanierung und Restaurierung von Schloss Schönhausen. Die Fragen stellte Carlo Paulus, Mitarbeiter der Öffentlichkeitsarbeit der SPSG.

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