Bis Anfang 2026 leitete Jürgen Becher das Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG). Dort werden unter anderem kommerzielle Foto- und Filmanfragen koordiniert – also Dreharbeiten, Werbeproduktionen oder Fotoshootings in den historischen Schlössern und Gärten. Kurz vor seinem Eintritt in den Ruhestand haben wir mit ihm darüber gesprochen, wie solche Drehs ablaufen und worauf es dabei besonders ankommt.
Lieber Jürgen Becher, bei dir im Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) landen viele Anfragen für Film- und Fotoaufnahmen. Wie läuft so ein Prozess ab?
Zunächst kommt eine Anfrage von einer Produktionsfirma, einer Werbeagentur oder auch von Fotografen. Dann prüfen wir, ob das grundsätzlich möglich wäre. Dafür stimmen wir uns sehr eng mit den Schloss- und Parkbereichen ab und klären, ob ein Dreh an dem gewünschten Ort überhaupt machbar ist. Wenn das grundsätzlich geht, melden wir uns bei den Anfragenden zurück, nennen unsere Bedingungen und Kosten und vereinbaren eine Begehung vor Ort. Dort schauen wir uns gemeinsam genau an, was geplant ist. Dieser Prozess kann sich über mehrere Wochen ziehen, bis schließlich ein Vertrag zustande kommt und der Dreh stattfinden kann.
Worauf müsst ihr bei solchen Drehs besonders achten?
Unsere Schlösser und Parks sind historische Orte mit empfindlicher Substanz. Deshalb müssen wir sehr genau prüfen, was möglich ist und was nicht. Ein Beispiel: Für einen Werbespot wollte eine Firma in der Bildergalerie von Sanssouci eine Tangoszene drehen. Wir haben uns das vorher gemeinsam angesehen und vereinbart, dass nur glatte Schuhe getragen werden dürfen. Der Dreh lief auch völlig problemlos. Eine Woche später stellte sich jedoch heraus, dass sich ein winziges Kieselsteinchen in der weichen Sohle eines Tänzers festgesetzt hatte. Bei den Drehbewegungen hat das auf dem Marmorboden kleine Schleifspuren hinterlassen – über einen großen Teil der Galerie hinweg. Zum Glück konnte der Schaden über die Haftpflichtversicherung der Produktionsfirma behoben werden. Aber solche Fälle zeigen, wie wichtig eine sorgfältige Vorbereitung ist.
Es gibt also auch Risiken bei Dreharbeiten?
Ja, und deshalb müssen wir sehr genau planen. Wir beziehen immer viele Kolleginnen und Kollegen ein – etwa aus der Denkmalpflege, der Restaurierung oder aus den Schlossbereichen. Manchmal lehnen wir Anfragen auch ab. Ein Beispiel war eine Produktion, die innerhalb von zwei Wochen ein Musikvideo in den Neuen Kammern drehen wollte – mit Tänzern auf einem Trampolin. Das wäre sowohl aus konservatorischer Sicht als auch organisatorisch sehr schwierig gewesen. Da mussten wir sagen: So kurzfristig können wir das nicht machen.
Potsdam ist durch das Studio Babelsberg eine Filmstadt. Welche größeren Filmproduktionen sind dir besonders in Erinnerung geblieben?
Es gab viele interessante Projekte. Gedreht wurde zum Beispiel für den Science-Fiction-Film „Æon Flux“ (2005), bei dem Szenen auf den Terrassen von Sanssouci entstanden sind. Auch der Film „Vom Suchen und Finden der Liebe“ (2005) hat in der Säulenhalle der Orangerie gedreht. Dabei ist mir besonders aufgefallen, wie perfekt die Filmleute historische Architektur nachbilden können: Für den Dreh lag dort eine Säule, die genauso aussah wie die echten. Wenn man sie anhob, war sie allerdings federleicht – sie bestand aus Pappmaché.
Gab es auch internationale Produktionen?
Ja, zum Beispiel für den Film „In 80 Tagen um die Welt“ (2004) mit Jackie Chan. Szenen wurden im Schlosspark Charlottenburg gedreht, der im Film die Pariser Tuilerien darstellt. Dort mussten wir im Vorfeld sehr genau klären, wie mit Technik und Fahrzeugen umgegangen wird, weil Wege beschädigt werden könnten. In diesem Fall wurde vereinbart, dass der Weg nach dem Dreh auf Kosten der Produktionsfirma wiederhergestellt wird.
Neben Filmen gibt es ja auch Fotoshootings.
Genau. Wir bekommen zum Beispiel zahlreiche Anfragen von Magazinen. Einmal gab es ein Fotoshooting mit Uschi Obermaier für eine Zeitschrift, gewünschter Aufnahmeort waren die Pflanzenhallen des Orangerieschlosses. Normalerweise sind solche Aufnahmen in den Pflanzenhallen im Winter schwierig, weil sie eben voll mit Pflanzen stehen. In diesem Fall haben wir aber in enger Abstimmung mit der Gartenabteilung eine Ausnahme gemacht. Das war eine sehr angenehme Zusammenarbeit – und auch eine schöne Geschichte am Rande der vielen Dreharbeiten.
Was macht für dich den Reiz solcher Filmproduktionen aus?
Es ist immer ein spannendes Zusammentreffen zweier Welten: auf der einen Seite die Filmbranche mit ihren kreativen Ideen und technischen Möglichkeiten, auf der anderen Seite die Denkmalpflege, die historische Orte schützen muss. Wenn beides gut zusammenkommt, können sehr schöne Projekte entstehen.
Die Fragen stellten Tanja Spillner und Carlo Paulus, Mitarbeiter:innen der Öffentlichkeitsarbeit der SPSG.
Ihr Kommentar