Seit dem 1. Februar ist Katharina Matheja neue Gartendirektorin der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Im Interview spricht sie über ihren Weg in die Gartendenkmalpflege, Klimaanpassung, Vermittlung – und ihre persönlichen Lieblingsorte in den Parks.
Liebe Frau Matheja, Sie sind seit dem 1. Februar offiziell Gartendirektorin. Was hat Sie motiviert, diesen Schritt zu gehen?
Eigentlich begann alles schon 2014 mit einem Praktikum bei der SPSG im Rahmen des internationalen Kongresses „Historische Gärten im Klimawandel“. Damals habe ich gemerkt, wie vielschichtig Gartendenkmalpflege ist – und dass sie überhaupt nichts Rückwärtsgewandtes hat. Es geht vielmehr darum, wie wir diese wertvollen Anlagen unter veränderten Bedingungen in die Zukunft führen.
2019 bin ich dann mit dem wissenschaftlichen Volontariat eingestiegen, habe anschließend im Bereich Klimaanpassung gearbeitet und später die Fachkoordination übernommen. Der Schritt in die Abteilungsleitung war kein lange geplanter Karriereschritt, sondern eine Entwicklung. Für mich war wichtig, fachliche Expertise mit enger Zusammenarbeit im Team zu verbinden. Die Unterstützung aus der Abteilung hat mich sehr bestärkt, diese Verantwortung zu übernehmen.
Sie tragen Verantwortung für rund 750 Hektar Garten- und Parkanlagen und ein Team von knapp 200 Mitarbeitenden. Welche Schwerpunkte setzen Sie in den kommenden Jahren?
Das Thema Klimawandel bleibt zentral. Wir müssen Wege finden, wie wir historische Gärten unter veränderten klimatischen Bedingungen erhalten können. Im Rahmen eines EFRE-Förderprogramms stehen spannende Projekte an, unter anderem im Park Babelsberg, im Neuen Garten und im Lustgarten Rheinsberg. Dazu gehören Verbesserungen in der Bewässerungstechnik, neue Wegekonzepte, das Schließen von Stoffkreisläufen, Bodenverbesserungsmaßnahmen oder auch der Aufbau eigener Baumschulstrukturen. Ich freue mich sehr, dass wir hier nicht nur planen, sondern konkret umsetzen können.
Ein weiterer Schwerpunkt ist für mich die Vermittlung. Unsere Gärtnerinnen und Gärtner arbeiten mit enormer Leidenschaft. Dieses Engagement sichtbar zu machen und Wertschätzung zu fördern, ist mir wichtig.
Wo wird das Spannungsfeld zwischen Denkmalpflege, Naturschutz und öffentlicher Nutzung besonders deutlich?
Diese Spannungsfelder sind im Alltag sehr präsent. Beim Naturschutz etwa verfolgen wir häufig ähnliche Ziele, aber die Abstimmung ist entscheidend. Vor-Ort-Termine und direkte Gespräche helfen sehr, mögliche Konflikte frühzeitig zu lösen. Ein sensibles Thema ist auch die Verkehrssicherheit. Wenn Bäume eine Gefahr darstellen, müssen Maßnahmen oft kurzfristig erfolgen. Hier braucht es gute Zusammenarbeit mit den Behörden, um schnell und verantwortungsvoll zu entscheiden.
Bei der öffentlichen Nutzung merken wir, dass sich Ansprüche verändert haben. Umso wichtiger ist es, aktiv in die Vermittlung zu gehen. Die Ausstellung „Re:Generation“ im Park von Sanssouci war ein gutes Beispiel: Sie hat neue Zielgruppen angesprochen und viele Menschen für unsere Herausforderungen sensibilisiert – auch wenn solche Impulse immer wieder neu gesetzt werden müssen.
Wie organisieren Sie die Zusammenarbeit in einer so großen und räumlich verteilten Abteilung?
Kommunikation ist der Schlüssel. Wir sind fast 200 Mitarbeitende in der Abteilung – von der Wissenschaft über die Fachbereichsleitungen bis zu Meisterinnen, Meistern und Gärtnerinnen und Gärtnern. Regelmäßige Austauschformate auf verschiedenen Ebenen sind deshalb essenziell. Ich arbeite daran, diese Kommunikation weiter zu strukturieren. Gleichzeitig ist mir wichtig, dass wir gute Arbeitsbedingungen schaffen. Die Unterschiede zwischen einzelnen Standorten sind teilweise deutlich sichtbar. Hier möchte ich gemeinsam mit anderen Abteilungen Verbesserungen erreichen. Unsere Mitarbeitenden sollen die bestmöglichen Voraussetzungen für ihre Arbeit haben.
Haben Sie einen persönlichen Lieblingsort in den Anlagen?
Einen einzigen Lieblingsort zu benennen, ist schwierig. Besonders geprägt hat mich eine Arbeitsphase im Lustgarten Rheinsberg. Dort konnte ich einige Tage wohnen und habe die besondere Atmosphäre intensiv erlebt – morgens praktisch direkt aus dem Bett in den Park zu gehen, war beeindruckend.
Natürlich ist auch mein Arbeitsplatz im Park Sanssouci wunderschön. Der Sizilianische Garten und das Orangerieschloss mit seinen Pflanzenhallen gehören definitiv zu meinen Favoriten. Sehr faszinierend finde ich auch die Stimmung bei den Römischen Bädern mit den Zypressen oder die Platanen am Schloss Charlottenhof – das sind Orte, an denen einem wirklich das Herz aufgeht.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus?
Einen ganz typischen Tag gibt es kaum. Ich stehe früh auf und fahre aus Berlin nach Potsdam. Diese relativ lange Fahrtzeit im öffentlichen Nahverkehr habe ich schnell zu schätzen gelernt – sie macht mir den Wechsel, von der Großstadt in die Welt der Gärten ganz bewusst. Im Büro warten viele Besprechungen, Projektabstimmungen und natürlich auch Verwaltungsaufgaben. Hinzu kommen akute Themen wie Winterdienst oder Gehölzarbeiten. Vieles lässt sich nicht langfristig planen. Ich versuche, meine Termine so zu legen, dass ich zumindest ab und zu einen Weg durch den Park damit verbinden kann. Zeit für ausgedehnte Spaziergänge ist leider selten, aber der Blick auf die Schlossterrassen auf dem Weg ins Büro ist jedes Mal etwas Besonderes.
Was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre?
Nach innen wünsche ich mir weiterhin die Unterstützung meines Teams. Die Verantwortung ist groß, und sie lässt sich nur gemeinsam tragen.
Nach außen wünsche ich mir, dass das Bewusstsein für den Wert unserer historischen Gärten weiter wächst – dass Wertschätzung selbstverständlich wird. Schließlich geht es darum, ein Kulturerbe, das seit über 250 Jahren besteht, für kommende Generationen zu bewahren.
Die Fragen stellte Tanja Spillner, Mitarbeiterin der Öffentlichkeitsarbeit der SPSG.
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