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„Ich verstehe mich als Schnittstelle“

09. Januar 2026 Von Tanja Spillner

Bülent Durmuş über seine neue Aufgabe in der SPSG

Bülent Durmuş ist seit dem 1. Oktober 2025 Direktor der Abteilung Bauten und Liegenschaften in der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und Nachfolger von Hans-Georg Bröker, der seit September letzten Jahres im Ruhestand ist. Im Interview mit Tanja Spillner, Mitarbeiterin der Öffentlichkeitsarbeit der SPSG, spricht Durmuş über sein Arbeits- und Verantwortungsfeld in der SPSG, seinen beruflichen Werdegang und darüber, wie er neben dem Beruf seinen Ausgleich findet.

Lieber Herr Durmuş, wenn Sie Ihre Arbeit in der SPSG in zwei Sätzen auf den Punkt bringen müssten, wie würden Sie diese beschreiben?

Ich verstehe mich für die Abteilung Bauten und Liegenschaften als die Schnittstelle, das heißt, ich mache die begleitende Kommunikationsarbeit nach innen und außen.

Was bedeutet das genau?

Ich bespreche unsere Aufgaben zunächst mit meiner Abteilung und vertrete die Ergebnisse nach außen. Ebenso stimme ich mich mit der Direktion darüber ab, was unsere Ziele sind und wo wir hinwollen und bringe das wiederum in die Abteilung rein.

Ich stecke mit den Kolleg:innen den Rahmen ab. Innerhalb dieses Rahmens sind sie sehr frei in ihrem Handeln. Darauf lege ich großen Wert.

Welche aktuellen Projekte stehen gerade an?

Wir haben ein wichtiges Projekt, das mein Vorgänger, Herr Bröker, mit den Kolleg:innen bereits angeschoben hatte: der Perspektivplan „Bauunterhalt“. Hier gibt es sehr viel zu tun. Wir haben Verfallssituationen in einigen Gebäuden und da müssen wir ran – leider haben wir aber nicht genug Kapazitäten, nicht genug Geld. Deshalb brauchten wir einen Plan, den Perspektivplan, der vor allem Richtung Zuwendungsgeber und Politik geht. Er zeigt nach außen: Wir können unserer Aufgabe, die bauliche Substanz zu erhalten, nicht nachkommen, wenn wir dafür nicht die nötigen Mittel bekommen – und zwar im großen Umfang. Das nach außen zu tragen, war ein wichtiger Schritt.

Gewähren Sie mir bzw. den Leser:innen einen Einblick in Ihre berufliche Vergangenheit?

Ja, gerne. Ich bin Architekt und komme ursprünglich aus dem Bestandsbau. Dazu gehörten Umbauten, Anbauten, Sanierungen, Modernisierungen. Das war vor über 25 Jahren. Über Umwege fing ich zuerst bei einem Start-Up an. Ein Design-Unternehmen für Möbel aus Stahlrohren die wir damals selbst entworfen und gebaut haben. Dort war ich später im Management tätig, wir haben Mitarbeiter eingestellt, Produktionsstraßen aufgebaut und später den europaweiten Vertrieb verantwortet. Das Geschäft explodierte innerhalb eines Jahres. Es hat Spaß gemacht, war aber auch ziemlich kräftezehrend.

An dem Tag, an dem ich entschied, dort aufzuhören, rief mich ein Freund an und teilte mir mit, dass er mich dem Jüdischen Museum Berlin als Construction Package Manager vorgeschlagen hat.

Ein überraschend schlichtes Vorstellungsgespräch markierte den Start meiner mehr als 20 Jahre währenden Tätigkeit für das Jüdische Museum. Das Projekt war allerdings alles andere als schlicht und es stellte sich als äußerst anspruchsvoll heraus: Wir hatten nur 18 Monate Zeit, um alles neu aufzubauen und umzusetzen. Wir mussten das neu errichtete Gebäude nochmals umbauen und die Ausstellung sowie den Museumsbetrieb planen und installieren. Normalerweise würde man hier von etwa fünf bis acht Jahren sprechen. Unser Direktor Michael Blumenthal gab uns 1,5 Jahre. Eine irre und wilde Zeit, an die ich sehr gerne zurückdenke. Tatsächlich konnten wir pünktlich eröffnen.

Mein Plan war allerdings, nun mein eigenes Architekturbüro zu eröffnen.

Und erfüllten Sie sich dann ihren Traum des eigenen Architekturbüros?

Ich hatte geplant, nur bis zur Eröffnung zu bleiben. Doch dann fand ich die Aussicht, sowohl den Betrieb des Museums mit aufzubauen als auch dort weitere Bauprojekte realisieren zu können, sehr reizvoll und somit blieb ich. Vorher ging ich aber 2002 mit meiner Frau und meiner Tochter noch auf Weltreise. Das war meine Bedingung.

Später wurde ich zunächst technischer Leiter und 2008 Direktionsmitglied im Jüdischen Museum. Schlussendlich haben wir dort über 20 Jahre gebaut. Und ich habe das Gefühl, es lag so ein bisschen an mir. (lacht)

Wir haben das denkmalgeschützte barocke Gebäude um einen Glashof erweitert. Auf der gegenüberliegenden Seite der Lindenstraße in Berlin-Kreuzberg haben wir in der ehemaligen Blumengroßmarkthalle die „W. Michael Blumenthal Akademie“ errichtet und die Kinderwelt „ANOHA“, gebaut. Diese Projekte haben mich gefordert und immer wieder begeistert.

Wie ging es dann beruflich für Sie weiter?

Das Auswärtige Amt plante eine Agentur für internationale Museumskooperationen mit vier Säulen. Eine Säule davon war „Bauen“ – sprich, wenn andere bauen wollen, begleiten wir, geben Informationen und Serviceleistungen und vielleicht bauen wir sogar selbst. Das war zumindest die Ursprungsidee. Ich war dort der kaufmännische Geschäftsführer und hauptsächlich für den Bau zuständig. Schlussendlich kam der Schwerpunkt Bau als eine der vier Säulen nicht so zum Tragen. Und jetzt bin ich hier in der Stiftung und freue mich sehr darüber.

Ist Ihr Traum vom eigenen Architekturbüro damit ausgeträumt? Und wenn ja, haben Sie Frieden damit geschlossen?

Schon vor langer Zeit. Ich fühle mich in der Rolle des Bauherrenvertreters sehr wohl und arbeite gerne in einem Kulturbetrieb konzeptionell, organisatorisch und operativ, vor allem aber fühle ich mich generell zu Hause in der Interaktion mit Menschen.

Ich freue mich, in der SPSG neue Aufgaben zu übernehmen und mich voll darauf zu konzentrieren. In das Thema Denkmalschutz steige ich jetzt viel tiefer ein als bisher. Und wir haben hier Kolleg:innen, die ein unglaubliches Fachwissen haben. Das ist sehr beeindruckend und ich freue mich auf den Austausch.

Wie schaffen Sie den Ausgleich zur Arbeit? Und gibt es diesen überhaupt?

Ich verbringe sehr gerne Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden. Ein wichtiger Ausgleich ist für mich auch der Sport. Unter anderem mache ich Kampfsport. Dabei geht es nicht nur um körperliche Fitness, sondern auch um Klarheit im Geist. Etwas, das ich auch im Beruf brauche, um fokussiert zu bleiben.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Durmuş.

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