Blog der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

« zurück zur Listenansicht

Könige haben auch gefroren!

07. Oktober 2022, veröffentlicht von SPSG

Kamine, Warmluftöfen, Zentralheizung: Preußens Fürsten heizten mit den technischen Errungenschaften ihrer Zeit

von Ortrun Egelkraut

Bis Ende Oktober laden die Museumsschlösser der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg noch mit sommerlichen Öffnungszeiten zum Besuch ein. Ab 1. November bleiben einige Häuser der SPSG bis April oder Mai im nächsten Jahr geschlossen – ganz wie zu königlichen Zeiten.
Im Herbst, spätestens im November, gaben die Fürstenfamilien ihre Sommerresidenzen und ländlichen Lustschlösschen auf und zogen sich samt Hofstaat in die wärmeren, teilweise beheizbaren Stadtschlösser in Potsdam und Berlin zurück. Nur die letzte Kaiserfamilie feierte sogar Weihnachten im Neuen Palais in Potsdam-Sanssouci: Ab 1895 gab es dort eine Zentralheizung.
 

Und früher? Geheizt wurde immer, auch im Jagdschloss Grunewald, dem ältesten erhaltenen Schlossbau in Berlin. Bei Ausgrabungen in den 1970er Jahren wurden Fragmente von Ofenkacheln und gusseiserne Platten eines Feuerkastens entdeckt. Sie tragen neben szenischen Verzierungen auch die Jahreszahl 1542, das Gründungsdatum des Schlosses. Der Ofen wurde vom dahinterliegenden Wirtschaftsgang aus befeuert, um die große Hofstube frei von Rauch und Aschestaub zu halten. Beim Umbau des Schlosses 1709 wurde der Ofen durch einen Kamin ersetzt; der heutige Kamin wurde 1903 eingebaut.
 

Offene Kamine waren (und sind) als Heizung nur bedingt geeignet, da sie ihre Wärme nur unmittelbar davor abgeben. Im 18. und 19. Jahrhundert galten sie als raumprägende Ausstattungsstücke und dienten der Repräsentation. Ob im  Schloss Charlottenburg, in der Raumfolge König Friedrichs I. oder in den Schlössern Friedrichs des Großen in Sanssouci: Der Blick der Gäste fällt als erstes auf den Sims mit seinen kostbaren Vasen, Porzellanfiguren und Uhren und wird in der Kaminachse nach oben weiter geführt auf einen verzierten Spiegel oder ein Gemälde.
 

Im frühklassizistischen Marmorpalais im Neuen Garten dagegen wirken die Kamine wie eigenständige Kunstwerke. Sie sind aus weißem oder schwarzem Marmor, zum Teil mit eingearbeiteten Reliefs, geschmückt mit elegant zurückhaltenden Wedgewoodvasen und fügen sich harmonisch ein in die kontrastreiche Wandgestaltung.
 

Kamine, Kachelöfen, gusseiserne Öfen in Gestalt von Tonnen oder Pyramiden: Feuerstätten waren in allen Schlössern vorhanden, nicht immer in allen Räumen. Sie wurden von der Dienerschaft aus Heizkammern überwacht, während die Hofgesellschaft zusammenrückte. Über Hofdamen heißt es, sie saßen mit Handarbeiten dicht am Kamin und »plauderten aus dem Nähkästchen«.
 

Vielleicht entstanden dabei auch solche mit kostbaren Fäden und fantasievollen Mustern bestickte Textilien, die eingespannt in Holz oder Eisengussrahmen als Kaminschirme dienen. Diese sollten zum einen den Blick auf die verrußte Feuerstelle verdecken, zum andern halfen sie, den Lagerfeuereffekt – vorne heiß, hinten kalt – zu verringern. Ideal dafür waren dreigliedrige Schirme, die sich aufklappen ließen wie ein Flügelaltar. Man stellte den Sessel zwischen Kamin und Schirm und empfand rundum behagliche Wärme. Große und hohe Schlossräume wurden dadurch nicht warm. Dicke Gobelinteppiche an den Wänden sollten die Außenkälte abmildern. Die Bewohner:innen schützten sich mit fellgefütterten Hausmänteln und Wärmflaschen im Bett.
 

Warme Räume – hoher Energieverbrauch

1859 bezog das Kronprinzenpaar – Friedrich Wilhelm, der später Kaiser Friedrich III. (1831–1888) und die englische Prinzessin Victoria, Tochter der Queen Victoria, das Neue Palais. »Vicky« (1840–1901), wie sie genannt wurde, beklagte sich über den mangelnden Komfort und veranlasste den Einbau von Bädern, Toiletten und einer Heizung. Zunächst ließ sie einen nur mit Ziegelsteinen ausgemauerten Kamin in ihrem Wohnzimmer mit Gitterrost und Schutzblech zu einem offenen englischen Kamin umbauen. Erst ab Ende der 1870er Jahre folgte in Etappen der Einbau einer Heizung. Ab 1890 ließ Kaiser Wilhelm II. (1859–1941), der das Neue Palais zu seiner Residenz bestimmt hatte, diese gegen eine leistungsfähigere Zentralheizung austauschen.
 

Jörg Kirschstein, SPSG-Mitarbeiter und Experte für die Kaiserzeit, widmet in seinem Buch »Das Neue Palais in Potsdam – Familienidyll und kaiserlicher Glanz« auch der modernen Technik ein Kapitel. Darin heißt es: »In fast allen Räumen wurden Heizkörper in den Fußböden der Fensternischen platziert. Durch vernickelte Ausströmgitter, die von der Kunstgießerei Lauchhammer gefertigt waren, wurde die Wärme in die Räume abgegeben. Wo der Einbau im Fußboden nicht möglich war, hatte man in den Täfelungen der Wände Gitterwerk eingesetzt, hinter dem sich die Heizkörper verbargen. Die Befeuerung erfolgte vom Keller aus. Hier waren 14 Heizkessel aufgestellt worden, so dass es möglich war, einzelne Schlossbereiche entsprechend ihres Bedarfs zu beheizen. So konnten je nach Anwesenheit der kaiserlichen Familie oder ihrer Gäste die Wohnungen und Festsäle einzeln mit Wärme versorgt werden.«
 

Der moderne Komfort war ein teurer Luxus, wie Kirchstein ebenfalls für sein Buch recherchierte: »Der Verbrauch an Brennmaterial war enorm. Bei einer Außentemperatur von 0 Grad Celsius wurden für die Zentralheizung und die Kamine im Neuen Palais täglich drei Tonnen Steinkohle, zwei Hektoliter Koks und sieben Festmeter Erlenholz verbraucht. Bei Festlichkeiten, die anlässlich von fürstlichen Besuchen stattfanden, verdoppelte sich der Verbrauch.«

Gut, dass diese Heizung heute nicht mehr Dienst tut. Das Neue Palais ist an Fernwärme angeschlossen, andere Schlossgebäude haben Öl- oder Gasheizung, wenn diese für Dienst- und Arbeitsräume erforderlich ist. Die historischen Schlossräume werden lediglich temperiert auf 12–15 Grad Celsius. Also: Mantel anziehen, Mütze aufsetzen, dicke Socken tragen – und schon steht dem Schlossbesuch in der kalten Jahreszeit nichts mehr im Wege.

Der Beitrag ist zuerst erschienen in der SANS,SOUCI. 04.2022
 

Infos

Sommersaison endet am
Mo, 31. Oktober in Brandenburg
So, 30. Oktober in Berlin

Öffnungszeiten ab 1. November

Potsdam, Park Sanssouci

Schloss Sanssouci
Di – So 10 – 16.30 Uhr

Neues Palais
Mi – Mo 10 – 16.30 Uhr

Potsdam, Neuer Garten

Schloss Cecilienhof
Di – So 10 – 16.30 Uhr

Marmorpalais
Sa / So 10 – 16 Uhr

Berlin, Charlottenburg
Altes Schloss, Neuer Flügel
Di – So 10 – 16.30 Uhr

Neuer Pavillon
Di – So 12 – 16Uhr

Rheinsberg / Oranienburg
Di – So 10 – 16 Uhr

Besichtigung mit Führung

Schloss Glienicke / Jagdschloss Grunewald / Schloss Caputh / Schloss Paretz / Schloss Königs Wusterhausen
Sa / So 10 – 16 Uhr

Buchtipp

Das Neue Palais in Potsdam
Familienidyll und kaiserlicher Glanz
Jörg Kirschstein; edition q im be.bra Verlag, Berlin, 192 Seiten, 169 Abbildungen, Fotografien und Pläne

 

 

Erforderliche Felder sind mit * gekennzeichnet. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Ihr Kommentar
Folgende HTML-Tags sind erlaubt: <a>, <abbr>, <acronym>, <b>, <blockquote>, <cite>, <code>, <em>, <i>, <q>, <strike>, <strong>

0 Kommentare


« zurück zur Listenansicht