Blog der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

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Ein Dankeschön nach Vilnius

10. Dezember 2021, veröffentlicht von SPSG

Die Kunstsammlung der SPSG ist weltweit berühmt. Regelmäßig reisen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt an, um sich die Werke vor Ort anzusehen. Ruta Nazaraite, Studentin der Restaurierung an der Kunstakademie Vilnius, schreibt aktuell ihre Masterarbeit über ein Gemälde, das erst seit 2014 ins Schloss Caputh zurückgekehrt ist: „Drei Frauen am Grabe Christi“ von Antonio Campi (ca. 1524 – 87). Stiftungs-Restaurator Daniel Fitzenreiter begleitete sie bei ihren Recherchen in Caputh und beschreibt die Hintergründe des Besuchs.

Der in Berlin lebende englische Kaufmann und manische Kunstsammler Edward Solly (1776–1848) erwarb Antonio Campis Bild „Drei Frauen am Grabe Christi“ nach 1800 aus Italien. 1821 gelangte seine umfangreichen Berliner Kunstsammlungen in das Königliche Museum im Berliner Lustgarten, einige Gemälde in die preußischen Schlösser. Das kleine Gemälde von Campi war in verschiedenen preußischen Schlössern, zuletzt von 1926 bis 1945 im Berliner Stadtschloss. Ende des Zweiten Weltkrieges reiste es im Gepäck eines heimkehrenden Soldaten der Roten Armee in die Sowjetunion. 1951 kam es aus der Sammlung des Schauspielers Vincas Steponavičius in das National Lithuanian Art Museum. Über sechzig Jahre gehörte es zum Museumsbestand in Vilnius, 2014 kam es in die Gemäldesammlung der SPSG zurück. In einer Präsentation im Neuen Palais wurde das kleine Gemälde in Anwesenheit S.E. Herrn Deividas Matulionis, Botschafter der Republik Litauen, übergeben, es erhielt seinen Platz im Schloss Caputh.
In dieser Aufzählung fehlen die Namen vieler Menschen, die das Bild auf seinem Weg in den Händen hielten – und sich von dem Bild verzaubern ließen.

Zugegeben, in der Restaurierung beschränkt sich das Interesse auf die Konservierungen und Restaurierungen am jeweiligen Bild, aber auch immer (mehr) auf die Personen, die in der Vergangenheit konserviert und restauriert haben.
Eine Gelegenheit hierüber genaueres zu erfahren, bot sich im August dieses Jahres, denn es gibt eine lebendige Erinnerung an dieses Bild in Vilnius. Das zeigte sich in der Anfrage von Ruta Nazaraite, Masterstudentin der Restaurierung an der Kunstakademie Vilnius (Vilniaus dailės akademija). Sie schreibt in ihrer Masterarbeit über die technischen Besonderheiten von italienischen Holztafelgemälden.

Das kleine Gemälde von Antonio Campi (ca. 1524 – 87) aus Cremona ist auf eine Pappelholztafel gemalt und wurde in den letzten 200 Jahren mehrfach bearbeitet. Ruta Nazaraite konnte berichten, dass kleine fragile Farbschichtpartikel in der Mitte des kleinen Gemäldes während der Zeit in Vilnius mehrfach mit Störleim wieder angeklebt wurden. Auch ist das Bild mit einer Glasscheibe geschützt worden.

Aus der vorherigen „preußischen“ Zeit ab 1830 sind beim „Campi“ beispielsweise auf der Rückseite Spuren einer Brettstabilisierung sichtbar. Diese waren typisch für die Restaurierungen im Berliner Königlichen Museum der Restauratoren Köster und Schlesinger bis 1850. Christian Köster (1784–1851) und Johann Jakob Schlesinger (1792–1855) restaurierten nicht nur Campis Gemälde – sie hatten die in Paris erworbenen Italiener aus der römischen Sammlung Giustiniani, die aus ganz Europa stammenden Gemälde des erwähnten Edward Solly, und etliche Meisterwerke aus den Königsschlössern in ihren Händen. Beide trugen mit diesen Arbeiten erheblich zur Professionalisierung des Restauraurierungsberufs bei. Dank ihrer Expertise konnte einigen Scharlatanen im Geschäft der Einfluss genommen werden. Köster veröffentlichte später ein vielbeachtetes Buch zu Restaurierung, Schlesinger wurde der erste verbeamtete Restaurator in Preußen.

Alle Geschichten der Bilder, die in die Sammlungen der SPSG zurückkehren sind berührend, häufig verstörend, spannend, am Ende erfreulich. Die Bilder verstreute machtpolitischer Irrsinn im Deutschland der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der den Tod von Millionen Menschen, Leid und zerstörte Länder brachte. Daher danken wir der Republik Litauen, die das Gemälde „Die drei Frauen am Grabe“ zurück in unsere Hände gegeben hat.

Vielen Dank auch für den Besuch von Ruta Nazaraite und den direkten Austausch über ein kleines und sehr besonderes Bild.
 

Text: Daniel Fitzenreiter

 

Weitere Informationen zur Restaurierung

Weitere Informationen zur Gemälde-Sammlung

Weitere Informationen zum Schloss Caputh

 

Die Sammlung Solly 1821–2021. Vom Bilder-„Chaos“ zur Gemäldegalerie

Eine Sonderausstellung der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin
3. November 2021 bis 16. Januar 2022

„Drei Frauen am Grabe Christi“ gehörte zur Sammlung Solly, die im November 1821 – also vor 200 Jahren – verkauft und zur Grundlage der Galerie im 1830 eröffneten Königlichen Museum wurde. Eine Sonderausstellung in der Gemäldegalerie erinnert an diesen Ankauf, die besonderen Werke und den ungewöhnlichen Sammler Edward Solly:

Weitere Informationen zur Ausstellung auf der Homepage der Staatlichen Museen zu Berlin

 

 

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