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Cranachs Passionszyklus im Jagdschloss Grunewald

28. März 2018, veröffentlicht von Elvira Kühn

Seit dem Jahr 2011 präsentiert die SPSG im Jagdschloss Grunewald die größte Cranach-Sammlung Berlins in einer neuen Präsentation. In ihrem Ursprung geht diese Sammlung auf einen Auftrag des brandenburgischen Kurfürsten Joachim II. an die Werkstatt von Lucas Cranach d. Ä.  zurück. Schlossbereichleiterin Kathrin Külow stellt anlässlich des Osterfestes den Passionszyklus vor.

1536 war Joachim, der im Vorjahr die Regierung übernommen hatte, in die Residenz seines Onkels, des Kardinals Albrecht von Brandenburg gereist und hatte während der Osterfeiertage die prachtvolle Ausstattung des Hallenser Domes erleben können. Kardinal Albrecht, der zugleich Kurfürst und Erzbischof von Mainz und Erzbischof von Magdeburg war, hatte der Cranach-Werkstatt im Jahr 1519 einen Auftrag für 140 Bildtafeln erteilt. Die Klosterkirche der Dominikaner ließ er mit päpstlicher Erlaubnis in eine Stiftskirche des Magdeburger Erzbistums umwandeln und umbauen. Neben Cranach erhielt auch Matthias Grünewald einen Auftrag. In der Stiftskirche wurde während der kirchlichen Hochfeste das „Hallesche Heilthum“ präsentiert, eine mehr als 20.000 Reliquien umfassende Sammlung des Kardinal Albrechts.

Machtanspruch der Hohenzollen

Die Idee einer neuen, dem gestiegenen Herrschaftsanspruch der Hohenzollern entsprechenden Hofkirche in Berlin hatte bereits Kurfürst Joachim I. verfolgt. 1536 hob sein Sohn mit päpstlicher Erlaubnis das dem Schloss benachbarte Dominikanerkloster auf und transferierte das seit 1465 an der Erasmuskapelle im Berliner Schloss angesiedelte Kollegiatstift in das ehemalige Kloster. Die Klosterkirche, die nun Maria Magdalena, dem Heiligen Erasmus und dem Heiligen Kreuz geweiht wurde, ließ er zur Stifts- und Hofkirche umgestalten und bestimmte sie zur neuen Grablege der Hohenzollern.

Für die Ausstattung der Neugründung erteilte der Kurfürst Lucas Cranach d. Ä. einen Auftrag für einen Passionszyklus ähnlich dem in Halle, den die Werkstatt in den Jahren 1537/38 ausführte.  Allein die Wittenberger Werkstatt war in dieser Zeit in der Lage, derartig umfangreiche Aufträge in kurzer Zeit umzusetzen.

Joachim II. reformierte Brandenburg in Spandau

Nachdem Joachim II. 1539 das Abendmahl nach evangelischen Ritus in der St. Nikolai Kirche in Spandau empfangen hatte, wurde die Reformation auch in der Mark Brandenburg eingeführt. Öffentlich bekannte sich der Kurfürst erst 1563 zum Protestantismus. Seine Gemahlin Hedwig blieb bis zum Ende ihres Lebens katholisch.

Nach der Umwandlung der Domkirche in eine reformierte Kirche verblieben die Altartafeln nach dem Bildersturm von 1615 in der Erasmuskapelle. Anders als ihr Mann, Kurfürst Johann Sigismund, hatte Anna von Preußen den Glaubenswechsel nicht vollzogen. Sie wurde zur Fürsprecherin der lutherischen Bevölkerung in Brandenburg und verhinderte durch ihr energisches Auftreten einen Verkauf der Altartafeln.

Neun von zehn erhaltenen Tafeln sind im Grunewald zu sehen

Von den Wandelaltären sind heute noch zehn Mitteltafeln erhalten. Sechs gehören zum Bestand der SPSG, drei weitere zum Bestand der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Eine Tafel befindet sich im Kunsthistorischen Museum Wien.

Im Jagdschloss Grunewald werden die neun in Berlin befindlichen Gemälde gezeigt. Sie machen deutlich, dass die Cranach-Werkstatt in den 1530er Jahren noch für Auftraggeber aus beiden konfessionellen Lagern arbeiten konnte. Insbesondere die Darstellung Christi in der Vorhölle verweist auf katholische Vorstellungen. Dabei ist die Vorhölle nicht mit dem Fegefeuer zu verwechseln. Sie war für Seelen reserviert, die ohne eigenes Verschulden vom Paradies ausgeschlossen waren.

Fußwaschung Christi

Der erhaltene Zyklus beginnt mit der Fußwaschung Christi. Während des letzten Abendmahls wusch Jesus seinen Jüngern die Füße.Cranach stellt hier den Moment dar, als Petrus nach anfänglichem Sträuben einwilligt. Jesus hatte zuvor zu ihm gesagt: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du keinen Anteil an mir. In der katholischen Kirche gehört die Fußwaschung bis heute zur Liturgie des Gründonnerstags.

Geißelung

Zur Hinrichtungsmethode der Kreuzigung gehörte die Entkleidung und öffentliche Geißelung. Diese erfolgte mit dem Flagrum, einer Art Peitsche mit zwei oder drei Lederriemen, die am unteren Ende mit Blei beschwert und zusätzlich mit Kugeln, Widerhaken und Ähnlichem bestückt sein konnten. Neben der Erniedrigung des Verurteilten wurde sein Organismus durch den Schmerz und den Blutverlust geschwächt, so dass bereits die Geißelung tödlich enden konnte.

Auf der Tafel sehen wir fünf Soldaten. Drei sind damit beschäftigt, Jesus zu schlagen. Der rechte Soldat hat das beschriebene Flagrum in Händen, während die anderen beiden Ruten verwenden. Zu Füßen des Verurteilten flicht ein Soldat die Dornenkrone. Im Hintergrund sind in orientalischer Kleidung der römische Statthalter Pontius Pilatus und in rotem Kleid mit weißer Kopfbedeckung der Hohepriester Kaiphas zu erkennen.

Dornenkrönung

Drei der vier Evangelien berichten, dass die Soldaten ihn mit den „königlichen“ Insignien, einem purpurfarbenen Mantel, einem Schilfrohr als Zepter und einer Dornenkrone ausstatteten, während sie ihn weiter schlugen und verspotteten

Jesus umstehen vier Personen. Zwei sind damit befasst, ihm die Dornenkrone aufs Haupt zu drücken, während ein dritter ihm mit höhnischer Geste das Schilfrohr reicht. Links neben den Soldaten steht ein feister Mann, der im Habitus an einen Priester erinnert. Pontius Pilatus schaut der Szene mit weiteren Bewaffneten von einem Balkon aus zu.

Ecce Homo

Nach seiner Gefangennahme wurde Jesus vom Hohepriester und dem Hohen Rat verhört, der Gotteslästerung für schuldig befunden und an den römischen Statthalter Pontius Pilatus übergeben.  Während der Befragung durch Pontius Pilatus schwieg er. Jener gab nach den Evangelien den Zeloten Barrabas auf Verlangen der Volksmenge frei und verurteilte Jesus zum Tod am Kreuz.

Cranach hat hier eine ungewöhnliche Form der Darstellung gewählt. Die beiden Schächer werden unten rechts aus dem Kerker geführt, während Jesus auf einem Balkon darüber vom Statthalter der Menge präsentiert wird. Eine Person reagiert mit einer obszönen Geste.

Kreuztragung

Die römischen Soldaten entkleideten Jesus, zogen ihm ein Purpurgewand an und setzten ihm eine Dornenkrone auf. Die Geißelung war Bestandteil der Hinrichtungsmethode und wurde oft so brutal ausgeführt, dass die Verurteilten bereits zu diesem Zeitpunkt starben. Den Querbalken mussten sie selbst zur Richtstätte tragen.

Auf dem Gemälde ist der Moment dargestellt, als Simon von Kyrene Jesus hilft, das Kreuz zu tragen. Die römischen Soldaten im Vordergrund sind nach der Mode der Landsknechte gekleidet. Die mit einem Spieß ausgerüsteten Soldaten schnitten ihr Beinkleid gelegentlich über einem Knie ab, um bessere Bewegungsfreiheit zu haben und gleichzeitig mit Stolz auf ihren Stand hinzuweisen. Der Landsknecht auf dem Bild rechts führt eine sogenannte Mordaxt, eine Stangenwaffe wie Spieß oder Hellebarde. Der römische Statthalter, orientalisch gewandet, reitet mit dem Hohepriester im Hintergrund aus dem Tor.

Christus in der Vorhölle

„Hinabgestiegen in das Reich des Todes“ heißt es im Glaubensbekenntnis der katholischen und evangelischen Kirchen. In den Evangelien wird der Abstieg Christi in die Unterwelt nicht erwähnt. In der christlichen Vorstellung ist Jesus Christus nach seiner Kreuzigung in die Unterwelt hinabgestiegen und hat dort die Seelen der Gerechten seit Adam befreit.

Nach katholischer Vorstellung können die Gerechten des Alten Bundes (Altes Testament/jüdische Bibel) sowie alle Kinder, die ungetauft verstorben sind, auf Grund der Lehre von der Erbsünde, der Taufe und der Erlösung durch Jesus Christus nicht in das Paradies gelangen.Ungetauften Kindern wurde deshalb ein würdiges christliches Begräbnis verwehrt, eine Tatsache, gegen die sich die Reformation wandte.

Oben links sind die durch das geöffnete Tor flatternden Höllenwesen zu erkennen, während Christus mit der Rechten Eva heraufführt, in der Linken hält er die Kreuzesfahne. Ein alter Mann ergreift den im Höllenwind aufgebauschten Mantel.

Auferstehung Christi

Am dritten Tag nach der Kreuzigung gingen Maria Magdalena und die „andere Maria“ zum Grab und fanden es leer. Der Grabstein war weggewälzt worden. Innerhalb der auf Ostern folgenden 40 Tage erschien Christus den beiden Marien und seinen Jüngern mehrmals, bevor er zum Himmel auffuhr.

Die Auferstehung Jesu Christi ist für Christen die zentrale Glaubensbotschaft. Die frühe lutherische Kirche feierte die Osternacht noch häufiger als heute. Einige Elemente wurden ausgeschieden, so zum Beispiel die Kerzenweihe und die Anrufung der Heiligen. Das Osterevangelium, das bis zum 5. Jahrhundert zentraler Bestandteil der Feier war, wurde wieder vollständig gelesen.

Auf dem Gemälde sehen wir das offene Grab, davor die schlafenden Wächter. Einige von ihnen schauen schlaftrunken und ungläubig auf den auferstandenen Christus mit der Kreuzesfahne.

 

Alle Informationen zum Jagdschloss Grunewald finden Sie hier.

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