Blog der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

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Einzigartig in Europa

11. April 2016, veröffentlicht von Elvira Kühn

Der Marmorsaal Friedrichs des Großen im Neuen Palais ist restauriert und poliert – und wieder geöffnet

Nach der Wiedereröffnung des Grottensaals im Neuen Palais ist ab dem 13. April 2016 auch der prachtvolle Marmorsaal wieder für die Öffentlichkeit zugänglich – womit die wichtigsten Sanierungsarbeiten in den beiden zentralen Festsälen Friedrichs des Großen glücklich abgeschlossen sind! Die Gesamtsanierung des größten Schlossbaus in Potsdam dauert noch an.

Friedrichs beeindruckendes Neues Palais, zwischen 1763 und 1769 in der Rekordbauzeit von nur sieben Jahren errichtet, zählt zwar Dank seiner raffinierten und kostbaren – und vor allem: zu großen Teilen originalen – Ausstattung zu den bedeutendsten Schlossbauten Europas. Es ist aber auch eines der großen Sorgenkinder, die derzeit im Rahmen des Sonderinvestitionsprogramms für die preußischen Schlösser und Gärten auf dem Sanierungsplan der SPSG stehen.

Hatte sich Friedrich mit Familie und Freunden in den Sommermonaten gerade ein wenig ‚eingewohnt’, musste er schon 1774 die gesamte Decke zwischen den beiden großen zentralen Sälen wieder aufnehmen lassen: Im oberen Marmorsaal hatte sich der Boden bedenklich gesenkt, da der Marmor zu schwer und das eingebaute Holz aufgrund des Termindrucks nicht genügend ausgetrocknet war. Hinzu  kam, dass durch das Schleifen des Marmorbodens weitere Feuchtigkeit in die Konstruktion drang und diese schädigte.

Das Problem war, dass beim Bau der Decke zwischen Grotten- und Marmorsaal die beachtliche Spannweite von 18,40 m überbrückt werden musste. Zwar hatten die Baumeister Friedrich empfohlen, die Decke als Gewölbekonstruktion aus Mauerwerk herzustellen, doch lehnte Friedrich diese Lösung ab: Sie hätte u.a. im unteren Grottensaal eine engere Pfeilerstellung erforderlich gemacht. Es wurde dann eine extrem flache Sprengwerk-Konstruktion mit einer Schubverzahnung entwickelt, die die erforderliche Spannweite mit einer Bauhöhe von nur einem Meter überspannte.

Mit einer ergänzenden, später abermals sanierten Holzkonstruktion überstand die Decke die nächsten Jahrhunderte. Weitere hätte sie allerdings nicht mehr geschafft: Bei Untersuchungen entdeckten Fachleute 2007/8, dass Holzbauteile und Mauerwerksbereiche stark geschädigt waren. Und dann begann die intensive Suche nach einer Lösung für ein Problem, das zunächst unlösbar erschien.

Wie sollte eine Holzbalkendecke saniert werden, die nach unten eine filigrane Schicht aus Mineralien, Edelsteinen, Muscheln und Fossilien trägt und nach oben geschmückt ist von 600 qm schönstem und sehr einzigartigem friderizianischen Rokoko – ein künstlerisches und handwerkliches Meisterwerk, das europaweit seinesgleichen sucht? Ein vom damals verantwortlichen Natursteinrestaurator Stefan Klappenbach gedrehter und 2009 veröffentlichter Film beschreibt die Überlegungen sehr schön:

Nach den Untersuchungen begannen im Mai 2013 die Sanierungsarbeiten, die den Beteiligten vor Ort mitunter körperliche Höchstleistungen abverlangten. Über ca. 70 Zentimeter schmale Revisionsstreifen an den Saalwänden wurden die weit ins Mauerwerk ragenden Balkenköpfe freigelegt und das Mauerwerk oberhalb der Arbeitsbereiche abgefangen. Die besonders stark geschädigten Balkenköpfe erhielten eine Art Prothese aus neuem Holz mit eingeklebten Stahlstäben.

Parallel zu den Zimmerleuten und Maurern, die die Balkenkonstruktion sanierten, arbeiteten zeitgleich mehrere Restauratorenteams an der Restaurierung des Marmorfußbodens und der Grottensaaldecke.

Bei der Restaurierung des Marmorbodens wurden Stück für Stück in enger Absprache zwischen den Restauratoren der SPSG und den ausführenden Restauratoren Methoden und Techniken festgelegt, jeweils entsprechend der vorgefundenen Substanz – original, Ergänzungen, Reparaturmaterial u.a. Historischen Technologien wie der Steinschneide- und Schmelzklebetechnik wurde dabei der Vorzug gegeben, dann folgte ein materialschonendes Polieren und der Auftrag des Schutzwachses.

Finanziert werden konnte die Rettung dieses ‚Herzstücks’ des Neuen Palais aus Mitteln des Sonderinvestitionsprogramms, aber es beteiligten sich auch viele Privatpersonen und Unternehmen im Rahmen der Spendenaktion „Ein Quart Geschichte“ an der Finanzierung der zweieinhalbjährigen Restaurierungsarbeiten. Wir möchten uns auch an dieser Stelle nochmals für das Engagement herzlich bedanken!

Besucher-Informationen zum Neuen Palais »

Fotos:
SPSG / Julius Burchard, Michael Lüder, Wolfgang Pfauder
Büro Petersen, Knud Petersen

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