Montags bleibt Schloss Sanssouci, wie auch der größte Teil aller anderen Häuser der SPSG, für Besucher:innen geschlossen. Hinter den Türen beginnt dann eine Arbeit, deren Ergebnis möglichst unsichtbar bleiben soll: Restaurator:innen entfernen Staub von empfindlichen Oberflächen, prüfen deren Zustand und bewahren so die historischen Räume.
In der Kleinen Galerie von Schloss Sanssouci reinigen Restaurator:innen Gemälderahmen, ohne sie überhaupt zu berühren. Mit gewöhnlichem Staubwischen hat diese Arbeit kaum etwas gemein. Einige der friderizianischen Rahmen tragen noch die originale Vergoldung des 18. Jahrhunderts. Die ohnehin hauchdünne Goldschicht ist heute stellenweise so stark reduziert, dass jede Berührung wohlüberlegt sein muss. „Wir kämpfen fast wörtlich um jedes Goldatom“, sagt Restauratorin Maxi Herborn. Deshalb kommen kleine Blasebälge zum Einsatz, wie sie auch zur Reinigung von Kameraobjektiven verwendet werden. Ein behutsamer Luftstoß löst den Staub von der Oberfläche, ein Spezialstaubsauger nimmt ihn unmittelbar auf. Die Reinigung aller Gemälderahmen in der Kleinen Galerie dauert fast einen ganzen Tag.
Hinter verschlossenen Türen
Wenn das Schloss montags geschlossen bleibt, ruht der Betrieb also keineswegs. Der Montag ist der einzige reguläre Schließtag von Schloss Sanssouci und damit das wichtigste Zeitfenster für die gründliche Arbeit in mehreren Räumen. Meist sind zwei oder drei Restaurator:innen gleichzeitig vor Ort. Sie bringen Pinsel, Spezialstaubsauger, Handschuhe und Atemschutz mit und folgen einem über Jahre entwickelten Turnus durch das Haus. Sie nehmen den Staub von historischen Möbeln, Skulpturen, Polstern, Gemälderahmen, Wandoberflächen, Spiegeln und Kronleuchtern ab – bis zu einer Höhe von etwa 1,80 Metern, der sogenannten Augenhöhe. Es geht dabei nicht nur um ein gepflegtes Erscheinungsbild. Die regelmäßige Staubreduktion ist ein grundlegender Teil der konservatorischen Sammlungspflege und schützt zugleich die Menschen, die täglich in den Räumen arbeiten.
„Staub ist überall“, sagt Herborn. In einem viel besuchten Schloss lagert er sich jedoch anders ab als in einer gewöhnlichen Wohnung. Selbst bei regelmäßiger Pflege gelangt ständig neuer Staub in die Räume: aus der sandigen Potsdamer Umgebung, durch trockene Witterung, Garten- oder Bauarbeiten sowie durch Fenster, die in historischen Gebäuden nicht immer vollständig dicht schließen. Vor allem aber bringen ihn viele Gäste mit.
Die Restaurator:innen prüfen jedes Material und jede Schadstelle einzeln und wählen entsprechende Hilfsmittel. Ein normales Tuch könnte empfindliche Farbschichten oder Vergoldungen abreiben, handelsübliche Reinigungsmittel wären für viele Oberflächen erst recht zu aggressiv. Auch die verwendeten Staubsauger sind keine Haushaltsgeräte: Sie besitzen besonders leistungsfähige Filter und ein geprüft dichtes Gehäuse, damit feiner Staub nicht mit der Abluft wieder in den Raum gelangt. Gereinigt wird fast ausschließlich trocken. Nur bei Porzellan, Spiegeln und Kronleuchtern kommen abgestimmte Mischungen aus Wasser und Isopropanol sowie restauratorisch unbedenkliche Tenside zum Einsatz.
Sieben Meter über dem Parkett
Oberhalb der Augenhöhe beginnt eine andere Größenordnung. In der besuchsärmeren Zeit können Räume vom Boden bis zur Decke gereinigt werden. Dann arbeiten die Restaurator:innen mit ihrem gesamten Equipment auf einem fahrbaren Gerüst – gewöhnlich in etwa fünf Metern, gelegentlich in fast acht Metern Höhe. Hier säubern sie Schnitzereien, Vergoldungen und Stuckdecken ebenso wie textile Wandbespannungen und raumhohe Spiegelflächen.
Ein Einsatz ist Herborn besonders in Erinnerung geblieben: die große Reinigungskampagne im Orangerieschloss im Jahr 2016. Einen ganzen Winter lang arbeitete das Team Raum für Raum in 7,50 Metern Höhe – zusätzlich zu den laufenden Aufgaben in den ganzjährig geöffneten Häusern. Das Gerüst musste immer wieder versetzt und bei jedem Raumwechsel ab- und neu aufgebaut werden. Die körperlich anstrengende Arbeit hat zugleich ihren eigenen Reiz: Aus nächster Nähe entdeckt Herborn mitunter Inschriften oder Signaturen von Arbeitern früherer Bauphasen. Was vom Boden aus wie ein ornamentales Ganzes erscheint, erzählt auf dem Gerüst plötzlich von den Menschen, die daran gearbeitet haben.
Nähe macht den Unterschied
Handschuhe und Atemschutz gehören bei der Kunstgutreinigung zur Ausrüstung. Die Masken schützen die Mitarbeiter:innen vor dem Staub, dem sie im Laufe ihres Berufslebens immer wieder ausgesetzt sind. Sie entstauben Möbel und andere Objekte stundenlang aus nächster Nähe, teilweise mit dem Pinsel auf Kopfhöhe. Mit geschultem Blick bemerken sie Veränderungen oft früher als andere. Die Reinigung ist deshalb immer auch eine Kontrolle des Erhaltungszustands. Dabei achten sie etwa auf lose Teile sowie auf Spuren von Insekten oder Feuchtigkeit. Was ihnen auffällt, halten sie fotografisch fest und geben es an die zuständigen Fachrestaurator:innen und die Verantwortlichen des jeweiligen Schlossbereichs weiter.
„Wenn die Reinigung gut gemacht ist, fällt sie nicht auf; erst ihr Fehlen lenkt die Aufmerksamkeit darauf“, sagt Herborn. Ist ein Schloss gut erhalten und sauber, erscheint das schnell selbstverständlich. Die vielen Entscheidungen, Handgriffe und Arbeitsstunden dahinter bleiben unsichtbar. Vielleicht lohnt es sich deshalb, beim nächsten Rundgang durch Schloss Sanssouci einen Moment länger vor den Gemälderahmen der Kleinen Galerie stehen zu bleiben. Wer um die Arbeit der Restaurator:innen weiß, erkennt in ihrer Vergoldung nicht nur ein Zeugnis des 18. Jahrhunderts, sondern auch die Sorgfalt der Gegenwart: einen Luftstoß statt einer Berührung, fast einen ganzen Arbeitstag für die Rahmen eines einzigen Raumes und die stille Anstrengung, jedes Goldatom zu bewahren.
Svetlana Greidina ist Journalistin und hat im Rahmen des Förderprogramms „Vielfalt Stiften“ der Deutschlandstiftung Integration im Bereich Öffentlichkeitsarbeit der SPSG hospitiert.
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