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„Symbol der verhassten Demokratie“

12. Juni 2026 Von Michael Wolf

Fünf Fragen an Provenienzforscherin Dr. Meike Hoffmann

Frau Hoffmann, was bezeichnet der Begriff „Entartete Kunst“?

Mit diesem Begriff wurden Kunstwerke bezeichnet, die vom NS-Regime aus öffentlichen Museen beschlagnahmt wurden. Ziel war es, sie aus dem Blick der Öffentlichkeit zu entfernen und später zu „verwerten“, etwa durch Verkauf ins Ausland. Der Begriff „entartet“ war der Rassenideologie der Nationalsozialisten angepasst: Moderne Kunst galt ihnen als Ausdruck kulturellen Verfalls und als nicht der „Art des Deutschen“ entsprechend.

Nach welchen Kriterien entschieden die Nazis, welche Kunst als „entartet“ galt?

Die Auswahl richtete sich gegen moderne Stilrichtungen wie Expressionismus, Dadaismus oder abstrakte Kunst. Häufig spielten aber auch politische und rassistische Kriterien eine Rolle. Werke von jüdischen Künstlern oder von Künstlern, die als politisch unerwünscht galten, wurden ebenso beschlagnahmt.

Welche Rolle spielte in diesem Zusammenhang die Ausstellung „Entartete Kunst“ von 1937?

Das war eine gezielte Propagandaausstellung. Die Werke wurden mit Schmähtexten und Parolen versehen, um sie lächerlich zu machen. Gleichzeitig sollte sie die parallel eröffnete „Große Deutsche Kunstausstellung“ im Münchner Haus der Deutschen Kunst aufwerten, indem sie eine negative Folie zu der Kunst schuf, die die Nationalsozialisten favorisierten.

Was hatte das Regime eigentlich gegen moderne Kunst?

Moderne und avantgardistische Kunst war eng mit der kulturellen Freiheit der Weimarer Republik verbunden. Die Nationalsozialisten sahen darin ein Symbol der ihnen verhassten Demokratie. Zudem widersprach die Vielfalt moderner Stilrichtungen ihrem Ideal einer ideologisch kontrollierten, „völkischen“ Kunst.

Durften betroffene Künstler weiterarbeiten?

Ein generelles Malverbot gab es nicht. Entscheidend war die Mitgliedschaft in der Reichskammer der bildenden Künste. Wer ausgeschlossen wurde, durfte nicht mehr öffentlich ausstellen, konnte aber oft weiterhin privat arbeiten oder verkaufen.

Dr. Meike Hoffmann ist Provenienzforscherin und Leiterin der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ an der Freien Universität Berlin. Am 9. Juli wird sie in Schloss Schönhausen einen Vortrag über Hildebrand Gurlitt halten, der zu NS-Zeiten mit zahlreichen Werken „Entarteter Kunst“ handelte.
Weitere Informationen


Interview: Michael Wolf


Der Beitrag ist zuerst erschienen im SPSG-Magazin SANS,SOUCI. 01.2026.

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