Blog der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

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Restaurierung beendet

31. Mai 2024, veröffentlicht von Birgit Morgenroth

Die Golddecke des Malachitzimmers erstrahlt in neuem Glanz

Es handelt sich um eines der aktuell größten und teuersten Restaurierungsprojekte der SPSG: Die ornamentreiche, teils vergoldete Stuckdecke im Schlaf- und Toilettenzimmer von König Friedrich Wilhelm IV. im Orangerieschloss wurde aufwendig in Stand gesetzt. Die Höhe und die Größe der Decke hielt für das Restauratorinnen-Team einige Herausforderungen bereit.

Gartenkunst, Poesie, Musik und Astronomie – das sind die Eckpfeiler der idealen Harmonielehre, die sich personifiziert in den vier großen Medaillons an der teils vergoldeten, außergewöhnlich detailreichen und nun restaurierten Decke des Malachitzimmers zu erkennen geben. Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) bestimmte die Gestaltung seines Rückzugsraums selbst mit, wie königliche Entwürfe zeigen.

Seinen Namen trägt der mit mehr als 110 qm Fläche größte und aufwendig eingerichtete Wohnraum mit Alkoven, einem Wohnbereich mit Sitzmöbeln und einem kleinen Kabinett mit Schreibtisch und Chaiselongue, aufgrund des hier verwendeten Steinmaterials Malachit. Pfeiler, Vasen, Schreibtische und Tischplatten sind eingefasst oder bestehen im Ganzen aus dem wertvollen, leuchtend grünen Gestein. Im Zusammenspiel mit dem dunkelroten Damast an den Wänden und Möbeln, den vergoldeten Spiegelrahmen, Armlehnen und der Stuckornamentik an der Decke erzeugt dies eine eindrucksvolle Farbigkeit.
 

Durchhängende Decke

Doch von all dem war lange nichts zu sehen. Im Inneren des knapp sieben Meter hohen Raums verdeckte ein riesiges Gerüst die Sicht, die wertvollen Wandbespannungen waren bedeckt und die Objekte gut verpackt. Mehr als acht Monate arbeiteten die beiden Restauratorinnen Carina Ostendorf-Köpnick und Friederike Hänold im Auftrag der SPSG an der spätklassizistischen Decke. „Von unten war es nicht zu sehen, aber die Decke hängt in der Mitte 12 Zentimeter durch“, berichtet die SPSG-Restauratorin Dagmar Dammann, die das Projekt betreut. Sie kennt das Phänomen bereits von früheren Arbeiten in dieser Höhe: Große Decken hängen durch. „Beim Gerüstaufbau wird dies dann unbedingt berücksichtigt, damit die Restauratorinnen genügend Platz zum Arbeiten haben. An den Deckenrändern benutzen sie also einen Hocker, in der Mitte können sie stehen. […] Das meiste war Über-Kopf-Arbeit.“
 

Instandhaltung gegen die Schwerkraft

Wie genau sind die Restauratorinnen vorgegangen? Hauptaufgabe war die Aufarbeitung der vergoldeten Leisten mit den Schmuckelementen. Die ursprüngliche Goldfassung war an vielen Stellen aufgeplatzt und hing in Teilen Jahrzehnte lang herunter. Diese sogenannten Schollen mussten vorsichtig aufgeweicht und zurückgebogen werden. „Es brauchte mehrere Durchgänge und viel Geduld, um die Schollen in ihre ursprüngliche Position zurückzubringen. Immer wieder versuchten sie, sich auf ihre alte Position zu biegen. Es war auch ein Kampf gegen die Schwerkraft“, erinnert sich Friederike Hänold. Mit Stuckmaterial und Kreidekitt verputzten die Fachfrauen dann die Löcher und Risse. Nach diesen aufwändigen Vorarbeiten konnte mit dem Vergolden begonnen werden.

Weitere Goldfassungen am Gesims (oberer Wandabschluss mit Profil) und der Voute (als Rundung ausgeformter Übergangsbereich zwischen Wand und Decke) wurden ebenfalls konserviert und restauriert. Zu einem Teil besteht die Decke aus einer glatten weißen Fläche. Dort schlossen die Restauratorinnen vor allem Risse und entfernten Wasserflecken. Im Malachitzimmer misst die Deckenfläche inkl. Voute 130 Quadratmeter Fläche. Das umlaufende Gesims 42 Meter Länge und einen Meter Höhe, das heißt ganze 42 Quadratmeter Gesims-Oberfläche und waren in Stand zu setzen.
 

Viele Schichten in Bewegung

Die Decke ist jetzt fest, wir wissen aber nicht, was in 50 Jahren ist, so Carina Ostendorf-Köpnick. „Deshalb wurden nicht nur die Risse gekittet, sondern auch der Deckenputz an das Schilfrohrgeflecht geklebt. Die Decke ist kompliziert geschichtet.“ So bestehen die Deckenbalken und die darauf befestigten Dachlatten aus Holz, darauf befindet sich ein Putzträger aus Schilfrohrgeflecht, mit dem sich der Putz verzahnt. Es gibt also mehrere unterschiedliche Materialien, die arbeiten, und das unterhalb der vergoldeten Stuckleisten. Einige Stuckleisten sind zur besseren Fixierung über die Dachlatten mit Schrauben verbunden worden. Die Diplomrestauratorin mit Spezialisierung auf Wand- und Architekturfassung Dammann staunt: “Und was für eine unglaubliche Menge an Ornamenten! Die Gestaltung der Decke muss so viel Mühe gemacht haben, das ist von unten in diesen Einzelheiten gar nicht erkennbar.“
 

Gold und Gelatine

375 Blatt echtes, hauchdünnes Gold wurden auf Flächen von 1 cm² bis zu 20 cm² aufgebracht, um Fehlstellen zu ergänzen. Auch sogenannte Ölvergoldungen nahmen die Konservatorinnen Ostendorf-Köpnick und Hänold vor. Es ist eine preiswertere und schnellere Art der Vergoldung, die allerdings nicht ganz so hell glänzt wie die höherwertigere Polimentvergoldung.

Die größte Herausforderung war die Fassungsfestigung mit Gelatine. Dies geht nur bei Raumtemperaturen um die 12 Grad. Wenn die Temperatur zu hoch ist, funktioniert diese sogenannte Warmleimfestigung nicht. Im September 2023 betrug die Temperatur bis zu 25 Grad unter der Decke, weshalb eine fast zweiwöchige Pause eingelegt werden musste.  Normalerweise ist es im Schloss immer eher kühl, doch weil überall Schutzfolien hingen, fehlte der Luftaustausch.
 

Dringend erforderliche Arbeiten

Auf den ersten Blick wirkte der Zustand der Decke mit ihrer vergoldeten Stuckornamentik, den allegorischen Darstellungen, dem Gesims und den Wandkonsolen angegriffen, doch nicht bedroht. Die Dramatik zeigte sich im Detail, einige Teile drohten abzubrechen und herab zu fallen. Die Restaurierung war daher dringend erforderlich. Auch fürchteten die Restaurator:innen neue Schäden durch Erschütterungen, die bei den umfassenden Baumaßnahmen unweigerlich auftreten würden. . Die Kosten für die Restaurierung der Decke im Malachitzimmer betrugen 145.000 Euro und wurden durch die großzügige Spende der Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten möglich.

Die Restaurierungsarbeiten im Orangerieschloss gehen dank der Sponsoren weiter: Diverse Uhren und zwei Kronleuchter aus dem Boulle- und dem Malachitzimmer wurden zerlegt und liegen in Boxen im Raffaelsaal, sie werden derzeit restauriert. Die Bezüge der Möbel und auch das Parkett des Bodens im Malachitzimmer bedürfen ebenfalls der Restaurierung.
 

 

Weitere Informationen zum Orangerieschloss

Weitere Informationen zu den Freunden der PSG und zur Restaurierung Orangerieschloss in Sanssouci

 

 

 

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