Blog der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

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Mädchen am Amboss – Jungs in der Buchhaltung

29. April 2022, veröffentlicht von SPSG

Zum ersten Mal hat sich die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg am diesjährigen bundesweiten Zukunftstag beteiligt. 22 Mädchen und zehn Jungs zwischen elf und 15 Jahren konnten am 28. April 2022 einen Tag lang in zahlreiche Arbeitsbereiche der SPSG reinschnuppern. Ganz gezielt sind Mädchen und Jungs an dem Aktionstag eingeladen, jeweils die für sie etwas „untypischeren“ Berufe kennenzulernen.

von Svenja Pelzel, Fotos von Nicole Koppe

Los ging es um neun Uhr auf dem Hof der SPSG-Handwerker, dem sogenannten Schirrhof in Potsdam. „Wir hoffen, dass ihr heute bei uns Anregungen bekommt, was ihr nach der Schule machen wollt“, begrüßte Kerstin Schilling, Direktorin des Schlossmanagements, die Jugendlichen. Sie hätte sich so einen Tag schon zu ihrer Zeit gewünscht, erzählte Schilling weiter und dass es in der Stiftung nur drei Direktorinnen und doppelt so viele Direktoren gebe. Als sie vor zehn Jahren angefangen habe, waren es sogar noch weniger Frauen, so Schilling, „da können wir noch besser werden“.
 

Die kommende halbe Stunde sitzen die Mädchen und Jungs mucksmäuschen still auf ihren Stühlen. Hochkonzentiert hören alle zu, was Kerstin Schilling und Frankziska Waltemate, Leiterin des Organisationsreferates, über die verschiedenen Abteilungen und Aufgabenbereiche der Stiftung erzählten. Den ersten Lacher erntet Waltemate, als sie auf der Leinwand das beeindruckend große Organigramm der SPSG einblendet und mit den Worten: „nicht erschrecken!“ kommentiert. Anschließend erklärt sie den Mädchen und Jungs, welche Berufsgruppen in der Stiftung wo arbeiten.

Elke Herrmann, im Personalraferat zuständig für Azubis, nutzt die Gelegenheit, um für eine Ausbildung bei der SPSG zu werben. Aktuell hat die Stiftung 18 Azubis aus den Bereichen Garten, Tiefbau, Metallbau, Elektrotechnik, Tischlerei, Maurer oder Büromanagement. Azubis bei der SPSG erhalten nicht nur eine Vergütung nach Tarifvertrag und Jahressonderzahlungen sondern auch kostenlose Arbeitskleidung, Erstattung der Kosten für den Führerschein Klasse L, die Chance auf eine mindestens einjährige Übernahme in ein Beschäftigungsverhältnis und die Möglichkeit, ein Praktikum im Ausland zu machen. „Es waren schon Gärtner:innen in England, ein Azubi Metallbau in Malta, und einen Tischler-Azubi haben wir mal nach Spanien geschickt“, freut sich Elke Herrmann „Im Herbst kommt ein Azubi aus Finnland zu uns in den Park Sanssouci“.

Wie gut die Kids zugehört haben, beweisen sie anschließend bei einer SPSG-Sonderausgabe von „Wer wird Millionär“. Bei den Fragen, welches Tier auf dem Stiftungswappen zu sehen ist, wann die SPSG gegründet wurde und in welchen Bundesländern die Schlösser und Parkanlagen liegen, schießen alle Hände sofort in die Höhe. Nach dem Quiz verteilen sich jeweils fünf Mädchen auf die Teams Handwerk, Garten, IT und Architektur. Je fünf Jungs sind für Verwaltung und Marketing eingeteilt.

Die Idee, am Zukunftstag mitzumachen, hatte Katja Berger, Gleichstellungsbeauftragte der SPSG. „Mir ist es wichtig, dass Mädchen einmal Handwerksberufe oder IT kennenlernen und Jungs bei kultureller Bildung reinschnuppern“, erklärt Berger ihren Impuls. „Außerdem suchen wir als Stiftung immer Azubis und freuen uns, wenn sich junge Leute für unsere Arbeit interessieren“. Gerade dieser Perspektivwechsel ist das Ziel des bundesweiten Zukunftstages, der in zahlreichen Bundesländern deshalb auch „Girls' Day und Boys' Day“ heißt.
 

„Ich will auf jeden Fall mal gucken, wie das so ist, aber ich habe auch ein bisschen Angst, weil ich habe das noch nie so nah gesehen“, sagt Marlene. Die 13jährige kommt aus Potsdam und steht an diesem Vormittag zusammen mit vier anderen Mädchen am heißen Schmiedeofen vor einem Amboss. Metallmeister Martin Richert hat gerade gezeigt, wie man von Hand ein kleines Blatt aus Eisen schmiedet, jetzt sind die Mädchen dran. Zögerlich ergreift Juliette den schweren Schmiedehammer und schlägt auf das glühende Eisen ein, skeptisch beobachtet von den vier anderen. Nach und nach trauen sich die Mädchen, gehen näher ran und machen mit. „Schlag fester zu“, fordert Richard Juliette auf, die daraufhin mehr Power gibt. Für beide ist das eine neue Erfahrung, denn im Moment arbeiten nur Männer in der Metallwerkstatt, auch der einzige Azubi ist ein junger Mann.
 

Ganz anders sieht das Geschlechterverhältnis in der Buchhaltung aus. Dort sind von zwölf Mitarbeitenden lediglich zwei Männer, verrät Florian Rösner den Jungs, die an diesem Vormittag vor ihm sitzen. Die Fünf haben bereits eine Spendenbox am Grünen Gitter im Park Sanssouci geleert und die Beträge in die Buchhaltungssoftware eingegeben. Jetzt sollen sie einige Münzen in fremder Währung zählen und mit ihrem Smartphone in Euro umrechnen. „Er hat mich gezwungen, hier mitzumachen“, witzelt der zwölfjährige Florian in Richtung seines Kumpels Phillip, 13. Die beiden kommen aus Potsdam und haben sichtlich Spaß zusammen. Bennet, ist aus Brandenburg angereist, bereits 16 und weiß noch nicht genau, was er machen will. „Der Tag heute hilft mir aber bei der Ausschließung“, kommentiert er lapidar.
 

Dem 14-jährigen Cornelius nutzt der Zukunftstag eher zur Berufsfindung. Er ist im Team Bildung und Marketing und zusammen mit vier anderen Jungs im Park Sanssouci auf digitaler Schnitzeljagd mit Actionbound. Mit dieser App erfahren Besucher:innen spielerisch jede Menge Wissenswertes über den Welterbe-Park – nur eines von vielen digitalen Bildungsangeboten der SPSG. „Weil ich mich für Kultur und Geschichte interessiere, dachte ich, das ist etwas für mich“, erklärt Cornelius, warum er an diesem Tag dabei ist. Jetzt kann er sich tatsächlich vorstellen, einmal hier zu arbeiten, vielleicht „als Restaurator oder Forscher“.

Nach einer Mittagspause, bei der sich die Mädchen und Jungs wieder auf dem Schirrhof versammeln, bekommen alle noch eine exklusive Führung durch die Neuen Kammern von Schloss Sanssouci. Gegen 14 Uhr endet der erste Zukunftstag der SPSG. „Ich bin total zufrieden mit dem heutigen Tag“, sagt Gleichstellungsbeauftragte Katja Berger und lächelt. „2023 sind wir sicherlich wieder mit dabei!“

 

 

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