Blog der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

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Historische Rosenblüte in den Parks und Gärten

15. Juni 2021, veröffentlicht von SPSG

Sie blühen wieder – die (historischen) Rosensorten. Birgit Morgenroth unternimmt einen Streifzug durch die Rosengärten im Charlottenhof und auf der Pfaueninsel.

 

Die Blüten der Cardinal de Richelieu fächern sich samtig purpurrot, Ipsilantés Knospen enthüllen eine zart-lilarosa Pracht. Die Rosen erwachen im Juni in den historischen Rosengärten im Charlottenhof und auf der Pfaueninsel. Die Blüten dieser alten Sorten sind eine schnell vergängliche Pracht. Maximal drei Wochen sind ihnen gegeben. Und während die eine Knospe aufspringt, vergeht die andere. Es sind Kostbarkeiten, die schon lange untergegangen wären in den modernen Gärten mit ihren üppigen und ewig blühenden Rosen bis in den Winter. In der Stiftung betreuen sechs Gärtner*innen die zwei Rosengärten, deren Tradition 200 Jahre zurückgeht.
 

Die rote Farbpalette von zartem Rosa bis fast schwarz und ihr betörender Duft führten in der Romantik zum besonderen Ruf der Rosen: sie galten als „Blume der verwirrenden Liebe“. Ob König Friedrich Wilhelm III. deshalb diese Prachtpflanzen unbedingt für seine königlichen Gärten wollte? 1821 hatte Peter Joseph Lenné, der königliche Gartenmeister, bereits angeraten, mehr von den Rosen „welche unstreitig zum Schmuck eines Gartens ein wesentliches Bedürfnis sind” anzuschaffen. Die Gelegenheit ergab sich schnell. Friedrich Wilhelm III. bewunderte die Rosensammlung eines Herrn Dr. Böhm, der den schönen Blumen verfallen war und sein gesamtes Geld für den Erwerb neuer duftender Pflanzen ausgab. Schließlich musste der Berliner Arzt die Sammlung verpfänden. Der König erwarb die 2100 Hochstammrosen und 9000 Strauchrosen. Lenné wollte übrigens nur die Hochstammrosen für Sanssouci, der König wollte alle und verfügte, dass auf der Pfaueninsel ein geeigneter Platz gefunden werden soll. Lenné erfüllte den Wunsch seines Auftraggebers und so entstand der erste preußische Rosengarten. Er besticht nicht nur durch seine bezaubernden Gewächse. Der 90 m lange und maximal 28 m breite landschaftlich angelegte Garten fließt dahin in der Bewegungsrichtung der Insel, ein in sich geschlossenes System der Schönheit der Wegeführung und Pflanzung.
 

Einige Jahre später, 1835, schuf der Gartenkünstler Lenné für den Kronprinzen, den späteren König Friedrich Wilhelm IV., einen weiteren Rosengarten im Park Charlottenhof. Diese Rosenanlage folgt strengen geometrischen Prinzipien, als Gestaltungsachse am Terrassengarten von Schloss Charlottenhof. Die zierlichen Hochstämme und Buschrosen sind im Kern der Anlage in konzentrischen Kreisen angeordnet. Nördlich und südlich ist der Garten durch eine geschnittene Buchsbaumhecke eingefasst. Den landschaftlichen Rahmen zum Park hin bilden freiwachsende Fliederhecken. Die Einrahmung hebt die Schönheit der Rosen in der Blütezeit besonders hervor. Das gefiel auch dem Bayrischen Regenten Maximilian II., dem Schwager Friedrich Wilhelm IV. und er ließ auf der Insel Wörth im Starnberger See eine exakte Kopie des Gartens entstehen.
 

Rosen sind die Diven unter den Blumen. Sie sind empfindlich gegenüber Frost, mögen keine zu feuchten und zu trockene Böden und sind beliebt bei Schädlingen. Noch zu Lennés Lebzeiten fiel der Rosengarten auf der Pfaueninsel den Maikäfern zum Opfer. 1871 gab es eine kurze Phase der Wiederbelebung des Gartens, doch die Pfaueninsel schien die Rosen nicht zu wollen. Heute wissen wir, dass die „Bodenmüdigkeit“ von den Pflanzen selbst kommt. Sie geben Substanzen in den Boden ab, die dazu führen, dass neue Pflanzen dort nicht mehr gedeihen. Rosen-Monokultur entspricht nicht der Natur der Schönheit. Sie brauchen die Begleitung eher unscheinbarer Gewächse, wen wundert es? Der Rosengarten im Park Charlottenhof überlebte bis in das Jahr 1880 dann wurde er zum Blumen- und Staudengarten.
 

Erst vor wenigen Jahrzehnten wurden die beiden historischen Anlagen in der Stiftung zu neuem Leben erweckt. Zu Lennés 200. Geburtstag 1989 schufen die Gärtner*innen der Pfaueninsel die neue Pracht auf altem Grund. Charlottenhof folgte 1995. Mit Liebe und Akribie werden nur Sorten, die vor 1870 – für die Pfaueninsel – und vor 1885 – für Charlottenhof – vorhanden waren, nachgezüchtet und in besonderen Rosengärtnereien angefordert. Mehr als 1000 historische Rosen in etwa 400 Sorten sind bislang in der Stiftung zu finden. Die Gärtner*innen benötigen neben dem handwerklichen Geschick auch eine detektivische Spürnase. Eine Hürde: Die historischen Rosenhochstämme sind 1,10 Meter hoch, während die neuzeitlichen Stämme auf 90 cm Höhe gezüchtet werden.
 

Wühlmäuse sind auch Rosenfans, daher ist ein besonderer Schutz für das Wurzelwerk mit einem Drahtkorb notwendig. Es ist unklar, welche Pflanzen am Fuße der Hochstämme blühten, da es keine Überlieferung historischer Pläne für die Unterpflanzung gibt. Die Gärtner*innen haben daher eine gewisse Freiheit bei der Erststellung der Pläne für die Frühjahrs- und Sommerbepflanzung. In den letzten Jahren dominierte der blau blühende Lavendel als Farbkontrast.
 

Die kurze Pracht ist in einer beeindruckenden Vielfalt zu sehen. Doch für Besucher*innen ist eine Zuordnung von Namen und Klassen schier unmöglich. Die Sorten der Hochstämme erkennt man an den eingravierten Nummern auf den daran angebrachten ovalen Rosenschildern. Mit der Standortliste (nach Rosennamen sortiert) und mit Hilfe des Kennzahlverzeichnisses (nach Kennzahl sortiert) können Besucher*innen die historischen Sorten aufspüren und das genaue Züchtungsjahr erfahren.
 

Standortliste und Kennzahlverzeichnis (PDF)

Weitere Informationen zum Schloss Charlottenhof
Weitere Informationen zur Pfaueninsel

 

Haben Sie die Instagram-Live-Führung verpasst? Hier ist das Video in voller Länge.

 

 

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