Blog der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

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Q&A zur Instagram Live Führung in den Pflanzenhallen

11. Mai 2021, veröffentlicht von SPSG

Mit unserer Instagram Live Führung haben wir Ihnen die Pflanzenhallen des Orangerieschlosses nach Hause geholt. In den zwei jeweils rund 100 Meter langen und zehn Meter hohen Pflanzenhallen stehen riesige Palmen und zierliche Orangenbäumchen, in Form geschnittene Lorbeerbäume, Agaven, Myrten und Zypressen, die dort in den kühlen Monaten ihr Winterquartier haben.

Während und auch nach der Führung haben uns einige Fragen von Zuschauer*innen erreicht, die Ihnen Gartenmeister Tilo Seeger gerne beantwortet.

Wie alt ist die älteste Pflanze der Pflanzenhallen?

Da der Pflanzenbestand im Wesentlichen erst nach 1945 aufgebaut wurde, ist es schwer zu sagen, welche unsere älteste Pflanze ist. Viele Pflanzen wurden als Kriegsbeute per Eisenbahn in die damalige Sowjetunion gebracht. So blieb nur, was nicht repräsentativ war. Der Bestand wurde Stück für Stück wiederaufgebaut. Leider sind uns keine detaillierten Aufzeichnungen bekannt. Wir können aber davon ausgehen, dass die größte Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis) und die älteste Zwergpalme (Chamaerops humilis) bereits ein Alter von 200 Jahren haben.

Wann genau werden die Pflanzen aus den Pflanzenhallen in den Park rausgebracht? Ist das eine öffentliche Veranstaltung?

Das Ausfahren der Orangerie hat am 10. Mai begonnen. Dieses Jahr wird es keine öffentliche Veranstaltung geben. Sie können unsere Arbeit aber bei einem Parkspaziergang sehen und sich an den tropischen Pflanzen erfreuen.

Steht jede Pflanze jedes Jahr draußen im Park am gleichen Ort? Wie merken Sie sich das bei der Menge?

Die größten Pflanzen stehen jedes Jahr am gleichen Ort. Den Rest teilen wir in sog. Pflanzengruppen ein. Das sind Pflanzen von gleicher Gattung und Art, in gleicher Kübelgröße und gleichem Habitus. Ein paar Notizen machen das Merken leichter.  

Wir haben die Gärtner früher die Pflanzen ohne Gabelstapler bewegt?

Mit Brettern, Rollen und Hebeln wie die alten Ägypter. Wir sind heute sechs Personen, früher waren es 14, die mit dem Aus- und Einfahren der Orangerie beschäftigt waren.

Wie verhindern Sie Befall mit Schädlingen oder Krankheiten in der Orangerie?

Den Befall von Schädlingen und Krankheiten kann man nicht verhindern. Aber man kann vorbeugend etwas tun: Pflanzenhygiene ist wichtig, das heißt die Pflanzen mehrfach ausputzen, die Halle sauber halten und für gute Belüftung sorgen. Wenn die Pflanzen gut mit Wasser, Nährstoffen und Luft versorgt sind, sinkt auch die Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge.

Wie alt sind die größten Zitronenbäume? Wann tragen sie zum ersten Mal Blüten und Früchte?

Die ältesten Orangenbäume in der Orangerie sind etwa 100 Jahre alt. Nach etwa zehn Jahren ist mit den ersten Blüten und Früchten zu rechnen.

Wie behandeln SIe Schildläuse?

Schildläuse behandeln wir mit einem Ölpräparat, der Handel bietet verschiedene Varianten an. Das Prinzip ist aber immer das Gleiche: Durch den Ölfilm erstickt man die Läuse, nach sieben bis 14 Tagen muss dann eine weitere Behandlung erfolgen. Aber Vorsicht: Der Ölfilm kann auch die Spaltöffnungen der Pflanzen verkleben und es kann zu Verbrennungen kommen. Im privaten Bereich kann man die Schildläuse auch mit einer Bürste manuell entfernen. 

Dürfen die Mitarbeiter*innen einen Teil der Zitrus-Ernte für den eigenen Bedarf behalten?

Wir haben keine Ernte in dem Sinne. Die Früchte verbleiben bis zum Abfallen an den Pflanzen. Denn unser Ziel ist ja den Citrus-Baum mit seiner Symbolik des ewigen Lebens (immergrün) und der Fruchtbarkeit (Blüten und Früchte gleichzeitig) zu präsentieren.    

Hat die Hanfpalme Früchte? Und wenn ja, welche?

Die Hanfpalme ist zweihäusig d.h. es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Wenn die weiblichen Pflanzen entsprechend bestäubt werden, bilden sie an einer Traube blaue Beeren aus, die einer Weinrebe sehr ähnlich sind. Die Samen kann man auch sehr gut selber aussäen.   

Was muss ich beim Beschneiden von Zitrusbäumen beachten und wann beschneidet man sie am besten?

Den Citrus-Schnitt führen wir in der Orangerie im Februar – oder auch als Sommerschnitt im Juli durch. Wir möchten eine weitestgehend natürliche Kronenform also unten etwas breiter und nach oben schmaler werdend erzielen. Da der Holzkübel erst nach der natürlichen Zersetzung getauscht wird, stehen unsere Orangen etwa 10 Jahre in der gleichen Kübelgröße. Um das ästhetische Verhältnis zwischen Kübel und Krone zu wahren, kann es schon mal vorkommen, dass auch über daumenstarke Äste zurückgeschnitten werden müssen. Generell kann man sagen, dass die Krone gut durchlüftet sein sollte, d.h. alle Äste, die sich kreuzen oder aneinander reiben, werden rausgeschnitten.

Wie groß ist das Team der Gärtner*innen für den gesamten Parkbereich Sanssouci?

Etwa 60 Gärtner*innen betreuen den Parkbereich Sanssouci.

Wie alt sind die Lorbeerpflanzen?

Die Ältesten Lorbeerpflanzen sind 170-180 Jahre alt. Die Lorbeerkugeln sind etwa 80 Jahre und die Säulen 50-60 Jahre alt.

Was hat es mit den ganzen Vasen in den Pflanzenhallen auf sich?

Die Terrakotta-Vasen in der Halle sind vom Dach des Orangerie-Mittelbaus. Sie sind wegen Bauarbeiten temporär in die Halle eingezogen.  

Wie passen die Palmen durch die Tür? Gab es im 19. Jahrhundert keine großen Palmen in der Orangerie?

In den Giebelseiten der Pflanzenhallen zum Innenhof gibt es je eine hölzerne herausnehmbare Fensterfront, die bei Bedarf ein- bzw. ausgebaut werden kann. Somit entsteht eine über sieben Meter hohe und 5,60 Meter breite Durchfahrt. Um die Entstehungszeit der Orangerie änderte sich auch der Pflanzenbestand. Wurden im 18. Jahrhundert noch hauptsächlich Citrus, Lorbeer, Granatapfel und Oleander in den Orangerien kultiviert so kamen im 19. Jahrhundert Blattschmuckpflanzen dazu wie z.B. Kanarische Dattelpalmen, Zwergpalmen, Keulenlilien u.a. Es ist davon auszugehen, dass zur Entstehungszeit der Orangerie auch bereits große Palmen überwintert wurden.

Wie viel Prozent des Bestandes geht circa im Winter ein?

Es kommt schon mal vor, dass eine Pflanze oder auch zwei eingehen. Das sind dann Pflanzen deren Lebenszeit einfach um ist und man meistens über mehrere Jahre das Ableben beobachten konnte. Bei etwa 900 Pflanzen ist das aber sehr natürlich.
 

Wer nun neugierig ist, kann die Aufzeichnung der Live Führung in den Pflanzenhallen – und weitere Instagram-Führungen – bei unseren DIGITALEN ANGEBOTEN in voller Länge ansehen.

Weitere Informationen zum Orangerieschloss
 

 

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