Blog der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

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#Schlossgenuss in Preußen

27. Mai 2018, veröffentlicht von Elvira Kühn

Eine beiläufige Betrachtung aus dem Paradies

#SchlossGenuss heißt die Blogparade, zu der der Verein Schlösser und Gärten in Deutschland im Europäischen Kulturerbejahr „Sharing Heritage“ eingeladen hat. Bis zum 5. Juni 2018 ist Jede und Jeder aufgerufen, von seinen Erlebnissen in den Schlössern, Gärten, Klöstern und mehr zu berichten. Aber: Geht #SchlossGenuss auch bei Preußens? Unbedingt, meint (nicht nur) SPSG-Marketingchef Dr. Heinz Buri. Sogar in grandioser Vielfalt, schön analog und in einer Zeit, in der gesellschaftlicher Konsens an den Rändern korrodiert.

Eiskeller in Form einer Pyramide vor dem frühklassizistischen Marmorpalais im Neuen Garten, Potsdam. Foto: Leo Seidel

Preußen und Genießen? Aber ja, und wie! Geradezu besessen von der Idee, Schönheit zu erschaffen und sich anschließend daran zu erlaben, waren sie, die preußischen Könige, Baumeister, Künstler und Gartenkünstler. Alles, was Menschen in der Welt an Schönem geschaffen hatten, das wollten sie um sich haben – und wurden so zu begnadeten Stilplagiatoren oder, wie es die Begründung des Welterbekomitees zur Würdigung der Schlösser und Gärten von Potsdam und Berlin als UNESCO-Welterbe eleganter formuliert: Stileklektizisten.

Das Chinesische Haus Friedrichs des Großen in Sanssouci. Foto: Hans Bach

Sie waren darin grandios: Sie erschufen aus Vorhandenem eine außergewöhnliche künstlerische Gesamtkomposition. Über 150 Jahre entstand so die Schlösser- und Parklandschaft von Potsdam und Berlin, indem immer wieder Neues hinzugefügt und dabei teilweise überkommene Stilrichtungen aus Italien, Frankreich, England und gar aus China, zumindest so, wie es sich aus zeitgenössischer Sicht darstellte, kreativ adaptiert und interpretiert wurden. Römische Antike, Französisches Rokoko, italienische Renaissance, englischer Tudor- und Landhausstil und immer wieder unterschiedliche Adaptionen der klassischen Antike, das sind die Zutaten, das Material des Gesamtkunstwerks: ein filigran komponiertes Menü, das von den genialsten Köchen ihrer Zeit zubereitet und erschaffen wurde, Garzeit: 150 Jahre. So die etwas freie Übersetzung der Argumentation des Welterbekomitees bei der UNESCO-Auszeichnung, die man mir an dieser Stelle nachsehen möge.

Die Römischen Bäder im Park Sanssouci. Foto: Hans Bach

Das besonders gelungene Wechselspiel von Gartenkunst und Baukunst – auch das ist vom Welterbekomitee hervorgehoben worden: Das Gartenkunstwerk als gleichwertiges Pendant zu den Schlössern und Bauten, es kommt in der Wahrnehmung unserer Anlagen notorisch zu kurz. In der Tat – was unsere Gärtner mit Leidenschaft, mit einer unglaublichen Akribie und historischem Fachwissen in unseren historischen Gartenanlagen leisten, wird leider viel zu wenig wahrgenommen.

Blick vom Park Babelsberg auf die Glienicker Brücke. Foto: Hans Bach

Und ihre Kunst ist eine vergängliche, verwachsende – ihre Arbeit die von Sisyphussen. Gerade heute sind es gewaltige Herausforderungen, die der Erhalt des Gartendenkmals in Zeiten des Klimawandels an uns stellt: In unseren historischen Gärten in Berlin und Brandenburg gingen durch Starkwetterlagen im letzten Jahr rund 1.200 teilweise über hundert Jahre alte Bäume verloren.

Immer aber dienten Gärten der Schönheit und dem Genuss: die durchkomponierte Dramaturgie des Lustwandels im historischen Garten auf der einen Seite, die Nutzung des Gartens auch für die königliche Kulinarik auf der anderen Seite, und folglich sind beide im Park von Sanssouci vertreten, Flora und Pomona. Sie verweisen auf die Verbindung von Zier- und Nutzgarten.

Dass Friedrich der Große ein Gourmet der ganz besonderen Art war, belegen nicht nur die neulich erforschten Schatullrechnungen. Und wenn der König schon im Dezember Lust auf Kirschen hatte, so mussten sich Gärtner auf „Treibereien zeitiger Früchte“ verlegen, und das war teuer. Immer wieder erwähnt er in Briefen Pfirsiche, Melonen, Bananen und Ananas, die er zum Beispiel seinen Geschwistern schickte oder die er selbst aus Sanssouci erhalten hatte.

Teppichbeet vor dem Ägyptischen Portal der Orangerie im Neuen Garten. Foto: Hans Bach

Parkanlagen sind immer auch als eine Art Paradies geschaffen worden, nicht als himmlisches, sondern als irdisches Paradies, von Menschen geschaffen. Gartenkunst als gestalteter Naturraum ist vielleicht der Typus kulturellen Erbes, der am unmittelbarsten Tempo aus unserer immer schnelleren Welt nimmt und gerade in einer Zeit das Innehalten ermöglicht, in der vieles zur Disposition steht und der gesellschaftliche Konsens an den Rändern korrodiert.

Friedenskirche im Park Sanssouci. Foto: Leo Seidel

Dazu gehört die Welt der Schlösser und Gärten – sie bilden mit ihrer Pracht den Teil des historischen Erbes, der sich ganz der Schönheit und damit dem Genuss widmet.
Wohlgemerkt neben dem Schatten, dem Abgrund und dem Grauen der Geschichte – ihrer dunklen Seite, die ebenso in der Erinnerung bleiben muss und ebenso wenig vergessen werden darf.

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