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Zum Geburtstag von Königin Luise von Preußen am 10. März 1776

09. März 2018, veröffentlicht von Elvira Kühn

Fashion Queen, It-Girl, Working Mom, Königin der Herzen? Vielleicht war Königin Luise, die am 10. März 1776 geboren wurde, von all dem etwas. Thomas Weiberg, Assistent im Schloss Charlottenburg, nähert sich dem preußischen Mythos Luise anlässlich ihres Geburtstages vor 242 Jahren.

Doch wo liegen Wurzeln der späteren Königin?

Herzog Karl zu Mecklenburg [-Strelitz], Luises Vater, war ein Schwager des britischen Königs Georg III. Der nachgeborene Prinz, der aus der Mirower Seitenlinie der Strelitzer Herzöge stammte (Friedrich der Große nannte diesen Familienzweig spöttisch »die Mirokesen«), diente in der hannoverschen Armee und wurde von seinem Schwager 1776 zum Gouverneur von Hannover ernannt. Dort also, im sogenannten »Alten Palais«, wurde Luise als sechstes von zehn Kindern geboren.

Ihre Mutter Friederike war eine Prinzessin von Hessen-Darmstadt. Nach dem frühen Tod der Mutter und auch ihrer Stiefmutter (Herzog Karl hatte eine Schwester seiner verstorbenen Frau geheiratet) wuchs Luise seit 1785 bei ihrer Großmutter in Darmstadt auf. Die zumeist nur »Prinzessin George« genannte Prinzessin Marie Luise prägte mit ihrer warmherzigen, stets fröhlichen Art, der Volkstümlichkeit und ihrem Familiensinn ihre Enkelin Luise nachhaltig.

Mit Fürst von Metternich eröffnete sie den Ball in Frankfurt

1790 machte Luise mit einigen Geschwistern anlässlich der Kaiserkrönung Leopolds II. in Frankfurt die Bekanntschaft von Goethes Mutter, die sich lebenslang gerne an die Prinzessin erinnerte. Auch die nächste Kaiserkrönung 1792 (es sollte die letzte sein) erlebte Luise mit ihrer Großmutter in Frankfurt. Anlässlich des Balls in der Residenz des österreichischen Krönungsgesandten eröffnete die 16 Jahre alte Prinzessin den Tanz mit dem später berühmt-berüchtigten Fürsten von Metternich, der mit 19 Jahren bereits der Zeremonienmeister der Feierlichkeiten war. In Briefen und auch in seiner Autobiographie erinnerte sich der Staatskanzler noch Jahrzehnte später an diesen Ball mit der »jungen Prinzessin von Mecklenburg«, die so gerne tanzte.

Ihren 17. Geburtstag beging Luise 1793 im Kreis ihrer großen Verwandtschaft bei ihrer Schwester Charlotte, der Herzogin von Sachsen Hildburghausen. Dorthin, in die beschauliche Residenz in Thüringen, war die Prinzessin George mit einem Teil ihrer Familie vor den heranrückenden französischen Truppen geflohen. Doch wenig später schien die Gefahr gebannt, Prinzessin George konnte mit ihren Enkelinnen Luise und Friederike nach Hessen zurückkehren. 

„… ein Kuß besiegelte diesen feierlichen Augenblick!“

Die Reisegesellschaft machte auf dem Weg nach Darmstadt in Frankfurt Station und traf dort auf König Friedrich Wilhelm II. von Preußen sowie seine Söhne Friedrich Wilhelm und Ludwig, die sich wegen des Krieges mit Frankreich in der Nähe der kämpfenden Truppen aufhielten. Im »Comoedienhaus« begegnete der König erstmals den beiden anmutigen Prinzessinnen Luise und Friederike — und war hingerissen: »Wie ich die beiden Engel das erste Mal sah, war ich so frappiert von ihrer Schönheit, […], ich wünsche sehr, daß meine Söhne sich in sie verlieben!« Die gehorsamen Söhne hatten verstanden und suchten die Bekanntschaft der Schwestern …

Der schüchterne Kronprinz Friedrich Wilhelm schwankte kurz, für welche der beiden Prinzessinnen er sich entscheiden sollte — für die ältere, ihm ernster erscheinende Luise oder für ihre etwas jüngere, hübsche Schwester Friederike. Am 19. März schließlich sprach er im Hotel »Zum weißen Schwan« mit Luise. In seinen Erinnerungen schrieb der König später wehmütig: »Mit jungfräulicher Bescheidenheit, aber mit herzlichem Ausdruck willigte sie ein! Ich frug, ob ich dürfe – ein Kuß besiegelte diesen feierlichen Augenblick!« 

In Darmstadt und Berlin rüstete man nun zu der bevorstehenden Hochzeit. Über Aschaffenburg, Würzburg, Leipzig und Dessau begab sich der Brautzug nach Berlin – wobei diese Reise in so bewegter politischer Zeit, glaubt man den Aussagen der Zeitgenossen, mehr und mehr einem begeisterten Triumphzug glich.

„Es ist eine schreckliche Sache, das Heiraten.“

Im Weißen Saal des Berliner Schlosses fand dann am 24. Dezember 1793 die Trauung statt. Luise sah ihrem neuen Leben etwas beklommen entgegen. An ihre Schwester, Fürstin Therese von Thurn und Taxis, schrieb sie: »… ade Jugenzeit, […] ade Fröhlichkeit. Es ist eine schreckliche Sache, das Heiraten.« Doch »janz Berlin« war begeistert von den beiden Prinzessinnen. Luise war nicht alleine gekommen, ihre Schwester Friederike heiratete zwei Tage später Prinz Ludwig von Preußen. 

Viel ist in den vergangenen 200 Jahren über Königin Luise geschrieben worden, ihr Leben wurde mehrmals verfilmt. Dabei geriet der Mensch Luise häufig aus dem Blickfeld, die Königin wurde dem jeweils herrschenden Zeitgeist entsprechend dargestellt. Die »echte« Luise empfand immer wieder, dass sie in ihrer Jugend zu wenig Bildung erfahren hatte und war lebenslang bestrebt, diese Defizite auszugleichen. Sie las gerne und viel ­– und trank morgens gerne im Bett eine Tasse Schokolade, um dann mit ihren Kindern ausgelassen zu toben. Getanzt hat Luise auch als Königin noch gerne auch volkstümlich blieb sie und wusste die Menschen durch die ihr eigene Mischung aus Würde und Offenheit für sich zu gewinnen.

Legendär wurde ihr Treffen mit „Nöppel“

Gleichzeitig versuchte Luise ihrem Mann in schwierigen Zeiten eine Stütze zu sein und ihn immer wieder zu stärken. Luise, eine politische Königin? Die Meinungen darüber gehen auseinander. Legendär ist ihr Treffen mit dem inzwischen zum Kaiser der Franzosen avancierten »Nöppel« Napoleon I. Der Kaiser sah in der Königin lediglich die charmante Frau aber politischeVerhandlungen wollte er mit ihr genau deswegen nicht führen. Auf Luise hatte Napoleons Persönlichkeit einen gewissen Eindruck gemacht, tief enttäuscht zog sie sich nach diesem Treffen zurück. In ihr Tagebuch schrieb sie im Juli 1807: »Denn wenn ich gleich den Mann nicht hasse, so sehe ich ihn doch als den an, der den König und sein Land unglücklich gemacht. Seine Talente bewundere ich; aber seinen Charakter, der offenbar hinterlistig und falsch ist, kann ich nicht lieben. «

»Du bist der Stern, der voller Pracht erst flimmert,

Wenn er durch finstre Wetterwolken bricht!«

So schrieb Heinrich von Kleist in seinem Gedicht, das er der Königin von Preußen zu ihrem Geburtstag 1810 widmete. Wenige Monate später war Königin Luise tot, tief betrauert vom König und seinen Kindern. Nicht erst ihr früher Tod stieß bei den deutschen Dichtern ihrer Zeit und vielen anderen auf großen Widerhall. Ihre Anmut bezauberte schon zu ihren Lebzeiten nicht nur den Kaiser Napoleon, den sie verächtlich »Nöppel« nannte. August Wilhelm Schlegel dichtete 1798:  

»Louisens Lächeln heißt den Kummer scherzen,

  Vor Ihrem Blick ist jedes Leid entflohn.

  Sie wär' in Hütten Königin der Herzen,

  Sie ist der Anmuth Göttin auf dem Thron…«

Nach aufreibenden Jahren, einer anstrengenden Flucht bis in den äußersten Nordosten der Monarchie und persönlichen Schicksalsschlägen schien mit der Rückkehr der königlichen Familie nach Berlin im Dezember 1809 das Leben Luises in ruhigere Bahnen zu gleiten.

Sie hielt sich wieder im Schloss Charlottenburg auf, besuchte das ländlich-heitere Paretz und brach dann zu einer Visite bei ihrem Vater, der seit 1794 das Herzogtum Mecklenburg-Strelitz regierte, auf. Es war das erste Mal, dass Luise das Land, dem ihre Familie entstammte, besuchte.
Nach einem kurzen Aufenthalt in Neustrelitz reiste die Königin nach Hohenzieritz, dem Sommersitz ihres Vaters. Im dortigen Schloss ist Luise an den Folgen einer Lungenentzündung am 19. Juli 1810 gestorben.

In beiden oben angeführten Gedichten, mehr noch einem langen Epos von Max von Schenkendorf auf den Tod der Königin, ist bereits der Keim für die rasch einsetzende Verklärung der verstorbenen Königin gelegt. Luise wurde zu einem preußischen Mythos …

Preußens literarischer Chronist Theodor Fontane merkte 1892 dazu kritisch an: »Mehr als von der Verleumdung ihrer Feinde hat sie von der Phrasenhaftigkeit ihrer Verherrlicher zu leiden gehabt.«

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