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Der 18. Januar – ein preußischer Schicksalstag

18. Januar 2018, veröffentlicht von Elvira Kühn

Am 9. November 1918 endete die Monarchie in Deutschland und der Kaiser packte seine Koffer im Neuen Palais von Sanssouci. Dr. Alfred Hagemann erklärt, warum auch der 18. Januar seit der Selbstkrönung des Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg 1701 zum ersten König in Preußen ein Schicksalstag ist – in der Geschichte Preußens.

Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg. Mit der Ausrufung der Republik in Berlin am 9. November 1918 endete nicht nur das Deutsche Kaiserreich. Auch die Monarchen der deutschen Bundesstaaten von Bayern bis Oldenburg und von Baden bis Preußen dankten ab. Hatte das Kaiserreich nicht einmal 50 Jahre überdauert, blickte das preußische Königtum an seinem Ende auf eine über zweihundertjährige Tradition zurück.

Am 18. Januar 1701 hatte sich Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg aus dem Haus Hohenzollern in Königsberg selbst zum König in Preußen gekrönt. Seither wurde der 18. Januar am Berliner Hof als Krönungsfest feierlich begangen. Unter Friedrich II. wurde gleichzeitig auch immer der Geburtstag seines ältesten Bruders Prinz Heinrich, der am 18.1.1726 geboren worden war, gefeiert.

Zitat aus der Berlinischen Priviligirten Zeitung vom 20. Januar 1767:

„Ihro Majestät [Elisabeth Christine] gaben wegen der gedachten hohen Feste in Höchstderoselben herrlich erleuchteten Appartements [im Berliner Schloss], ein grosses Festin welches in einem grossen Soupee an verschiedenen prächtig servirten Tafeln, und einem Bal en Domino bestand.“

Ähnlich wie der 9. November für die Geschichte ganz Deutschlands, sollte sich der 18. Januar zu einem schicksalhaften Datum für Preußen entwickeln. Der durch die Königskrönung 1701 erhobene Anspruch der Hohenzollern, auf Augenhöhe mit den alten Monarchien Europas wahrgenommen zu werden, wurde erst durch die Gründung des deutschen Nationalstaates und den Aufstieg zur Kaiserwürde erfüllt. Insofern ist es sicher kein Zufall, dass die Ausrufung des Kaiserreiches auf den 18. Januar 1871 gelegt wurde, genau 170 Jahre nach dem Erwerb der Königskrone wurde ein Hohenzoller deutscher Kaiser.

Nach dem siegreichen Feldzug gegen Frankreich 1870 hatte die preußische Armee ihr Hauptquartier in Versailles bezogen. So stand für die Proklamation König Wilhelms I. von Preußen zum Deutschen Kaiser ein denkbar glanzvoller und symbolträchtiger Rahmen zur Verfügung: die Spiegelgalerie Ludwigs XIV.

Der eigens für die Kaiserproklamation in Versailles angefertigte Wappenadler. Foto: Daniel Lindner / SPSG

Aus dem 18. Januar wurde daher der Reichsgründungstag, der im Kaiserreich feierlich begangen wurde. Die symbolische Gleichsetzung von Preußen und dem Deutschen Reich, die hier zeigte, war ganz im Sinne der pro-preußischen Geschichtsschreibung, die die Berufung Preußens und der Hohenzollern zur Einigung Deutschlands propagierte.

Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg wurde die Symbolik des 18. Januar nochmals aufgegriffen. Die Verhandlungen zum Versailles Vertrag begannen am 18. Januar 1919 in Versailles. Der Vertrag wurde schließlich in der Spiegelgalerie unterzeichnet, in dem 1871 das Deutsche Kaiserreich ausgerufen worden war. So schloss sich am 18. Januar ein dramatischer Kreis von dem Aufstieg des Kurfürstentums Brandenburg zum Königreich Preußen, zum deutschen Kaiserreich und schließlich zum Ende der deutschen Monarchie und der Herrschaft der Hohenzollern.

 

Im Schloss Charlottenburg präsentiert eine neue Dauerausstellung verschiedene Aspekte der jahrhundertelangen Herrschaft der Hohenzollerndynastie.

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