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Wiedereröffnung des restaurierten Gästeappartements im Schloss Cecilienhof

22. September 2017, veröffentlicht von Elvira Kühn

Im Schloss Cecilienhof in Potsdam ist das Gästeappartement des Kronprinzenpaares Cecilie und Wilhelm nach vielen Jahrzehnten erstmals wieder zu sehen. BesucherInnen erhalten damit 100 Jahre nach der Einweihung des letzten Schlossbaus der Hohenzollern neue intime Einblicke in den Alltag in einem Schloss, das kronprinzlicher Wohnsitz war und 1945 als Schauplatz der Potsdamer Konferenz weltweite Aufmerksamkeit fand.

Schloss Cecilienhof wurde mit der Taufe der jüngsten Tochter des Kronprinzenpaares eingeweiht. Das Mädchen war am 5. September 1917 im Schloss Cecilienhof geboren worden, nur 14 Tage nachdem die Kronprinzessin ihren neuen Wohnsitz bezogen hatte. Bei der Taufe, die in der großen Halle des Schlosses stattfand, erhielt sie die Namen Cecilie Victoria Anastasia Zita Thyra.

Im letzten Jahr des Ersten Weltkrieges fand am 9. November 1917 die Einweihung des Schlosses Cecilienhof durch Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) „dem Ernst der Zeit entsprechend (…) im engsten Familienkreise“ (Potsdamer Zeitung, 10.11.1917) statt. Am selben Tag wurde in der großen Wohnhalle durch Oberhofprediger Dryander die jüngste Tochter des Kronprinzen Wilhelm (1882-1951) und seiner Gemahlin Cecilie (1886-1954) von Preußen getauft. Die Prinzessin erhielt den Namen Cecilie (1917-1975). Auf den Tag genau ein Jahr später verkündete Reichskanzler Max von Baden die Abdankung Wilhelms II. Die Monarchie war beendet. Das neue Schloss Cecilienhof wurde konfisziert, die Familie behielt hier nur ein Wohnrecht.

Der letzte Schlossbau der Hohenzollern wurde von 1913 bis 1917 als Wohnsitz für Kronprinz Wilhelm, den ältesten Sohn Kaiser Wilhelms II., errichtet. Unter der Leitung des Architekten Paul Schultze-Naumburg (1869-1949) erbauten die Saalecker Werkstätten im Neuen Garten eine Residenz im Stile eines englischen Landhauses, die bis 1945 als Domizil für das Kronprinzenpaar und dessen Familie, zu der vier Söhne und zwei Töchter gehörten, diente.

Kronprinzessin Cecilie entwickelte das Schloss zu einem Treffpunkt von Künstlern. Schauspieler wie Max Reinhardt, Curt Goetz, Otto Gebühr und Heinz Rühmann, Musiker wie Elly Ney, Wilhelm Furtwängler, Wilhelm Kempff oder der junge Herbert von Karajan gehörten zu ihren Gästen.
Politiker der Weimarer Republik wie Gustav Stresemann und Heinrich Brüning sowie die Botschafter von England, Frankreich, Amerika, Polen und Italien waren regelmäßig in Cecilienhof zu Gast. Vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden Adolf Hitler, Hermann Göring, Joseph Goebbels und Benito Mussolini vom Kronprinzenpaar empfangen.

Das wieder eröffnete Gästeappartemenet

Das Gästeappartement liegt im ersten Stockwerk, direkt über dem Haupteingang des Schlosses. Da sich die Suite in unmittelbarer Nähe der Schlaf- und Ankleidezimmer des Kronprinzenpaares befindet, logierten hier nur Gäste, die mit der Familie verwandt waren. Dazu gehört die Schwester der Kronprinzessin, Königin Alexandrine von Dänemark (1879-1952). Die Großmutter der heutigen dänischen Königin Margrethe weilte 1927 zur Konfirmation der Prinzen Hubertus und Friedrich, 1934 zur Konfirmation der Prinzessinnen Alexandrine und Cecilie, 1936 während der Olympischen Spiele in Berlin und 1938 zur Vermählung von Prinz Louis Ferdinand und Großfürstin Kira von Russland im Schloss Cecilienhof.

Alexandrine und Cecilie waren Liebhaber der Musik von Richard Wagner. 1932 und 1937 machte Königin Alexandrine auf der Durchreise nach Bayreuth Station in Potsdam, um gemeinsam mit Kronprinzessin Cecilie die Wagner-Festspiele zu besuchen.

Es ist anzunehmen, dass die Suite bei Abwesenheit von Gästen auch von Cecilie, der jüngsten kronprinzlichen Tochter, genutzt wurde. Eine Fotografie zeigt die Prinzessin am Kamin des Wohnzimmers stehend. Hierbei handelt es sich um die einzig bekannte Innenaufnahme des Gästeappartements (mit freundlicher Genehmigung des Hauses Hohenzollern). Gleichzeitig erwies sich das Foto als wichtige Quelle für die Wiedergewinnung der historischen Innenraumgestaltung.

Die Restaurierung des Gästeappartements

Das Gästeappartement ist ein Ensemble von vier Räumen und besteht aus Wohn-, Schlaf- und Badezimmer sowie einem Adjutantenzimmer. Alle Entwürfe für die Ausstattung stammen von dem Architekten Paul Ludwig Troost (1878-1934). Vom originalen Mobiliar sind nur wenige Stücke erhalten, wozu neben einem wandfesten Garderobenschrank und einem Frisiertisch zwei Stühle und ein kleiner Tisch im Schlafzimmer gehören.

Von herausragender Bedeutung ist die ursprüngliche textile Ausstattung der beiden Haupträume, die seit 1974 deponiert war. Mit erheblichen Aufwand wurden die originalen textilen Wandbespannungen und Fensterdekorationen gereinigt, besonders fragile Stoffe mit passend eingefärbtem Stützgewebe unterlegt, nähtechnisch gesichert und anschließend ihren Funktionen entsprechend in den Räumen montiert. Die Teppichbodenbeläge wurden mit der überlieferten Technik verlegt, wodurch die Räume nun wieder einen authentischen Eindruck von der Wohnkultur und Innenarchitektur des frühen 20. Jahrhunderts vermitteln. Künftig können die Besucher im Rahmen von Führungen das Schlafzimmer betreten und in die anderen Räume hineinsehen.

Das Badezimmer wurde behutsam gereinigt, fehlende Sanitärobjekte und Armaturen wurden im Antikhandel erworben bzw. anhand historischer Vorbilder nachgefertigt. Die Livree im Adjutantenzimmer ist ein Beispiel für die Dienstkleidung von Lakaien am kaiserlichen Hof. Sie veranschaulicht im Zusammenspiel mit einem Foto von der Prinzenhochzeit am 2. Mai 1938 die kronprinzliche Hofetikette. Auf einer Tafel und auf Aufstellern sind Fotografien aus den 1930er Jahren sowie Zeichnungen und Entwürfe aus dem Nachlass von Paul Ludwig Troost zu sehen.

Möglich wurden die Restaurierungs- und Sanierungsmaßnahmen im Schloss Cecilienhof durch das Sonderinvestitionsprogramm für die preußischen Schlösser und Gärten. Mit diesem Programm (Masterplan) retten der Bund sowie die Länder Berlin und Brandenburg bedeutende Denkmäler der Berliner und Potsdamer Schlösserlandschaft vor dem Verfall. Das Abkommen sieht vor, dass die SPSG bis einschließlich 2017 insgesamt 155,03 Millionen Euro in die Wiederherstellung nationaler Kulturgüter zusätzlich investieren kann. Der Bund trägt 77,5 Millionen Euro (50 Prozent) bei, das Land Brandenburg 53 Millionen Euro (2/3 von 50 Prozent) und das Land Berlin 24,53 Millionen Euro (1/3 von 50 Prozent).

Die Besichtigung ist vom 11. November 2017 an im Rahmen von stündlich stattfindenden Führungen in der Zeit von 10.00-17.00 Uhr täglich außer montags möglich (Tickets: 6 Euro, ermäßigt 5 Euro).

Fotos: Elvira Kühn

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