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Zum Todestag des „Soldatenkönigs“

31. Mai 2017 Von Jürgen Luh

Friedrich Wilhelm I. von Preußen (1688-1740), von 1713 bis zu seinem Tod König in Preußen, war eines ganz sicher: ein sparsamer Monarch. Ansonsten versteht sein Wesen bis heute wohl niemand – bis auf den Theologen und Schriftsteller Jochen Klepper. Anlässlich des 277. Todestages des „Soldatenkönigs“ blickt SPSG-Historiker Dr. Jürgen Luh in den Roman „Der Vater“ und auf das Selbstbildnis des Königs.

Lange bevor Friedrich Wilhelm I. starb, war er ein kranker Mann. Gelenksentzündungen, Gicht, Wassersucht, Fettleibigkeit hatten ihn zu einem unzufriedenen und unbeweglichen Menschen gemacht; er konnte sich in seinen letzten Jahren im Grunde nur noch im Rollstuhl fortbewegen. Seiner Umwelt wurde er noch ungemütlicher als er es durch sein cholerisches Temperament bereits war, noch öfter schwankte seine Stimmung zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt.

Seine Tochter Wilhelmine und sein Sohn Friedrich litten darunter. In ihrem Briefwechsel aus diesen Jahren tauschten sie sich über die Probleme, die ihnen ihr Vater machte, die sie mit ihm und seiner Art hatten, immer wieder, meist wenig verständnisvoll, aus. Konnte der Vater krankheitsbedingt bettlägerig nichts tun, sie nicht im Auge behalten, nicht bevormunden, waren die beiden erleichtert. Friedrich Wilhelm tat ihnen, dachten sie an gute Tage, wohl leid, Verständnis für die Art ihres Vater aber hatten sie wenig.

Das gilt auch für fast alle, die sich historiographisch mit dem Leben Friedrich Wilhelms I. beschäftigt haben; sein Wesen mochte niemand. Nur Jochen Klepper versuchte, den König über das Politische, das stets gelobte Innenpolitische hinaus, „Preußens größter innerer König“ sei Friedrich Wilhelm gewesen, auch als Mensch zu fassen und vor allem zu verstehen; er hat sich in seinen Tagebuchaufzeichnungen mehrmals mit Friedrich Wilhelm verglichen, gar indentifiziert.

Über die vom König gemalten Bilder hat Klepper zuerst Zugang zum Wesen Friedrich Wilhelms gesucht – und für sich auch gefunden. In seinem Buch „In tormentis pinxit“, „Unter Qualen gemalt“, erklärte er erstmals – aus den Bildern heraus – Charakter, mehr noch aber die Seele des zweiten Königs in Preußen. In seinem berühmten Roman „Der Vater“ gab er ein, sein, Gesamtbild Friedrich Wilhelms, das unsere Sicht auf den König stark geprägt hat. Mit diesem Bild sich auseinanderzusetzen, lohnt sich selbst für die neue Forschung.

In dem Selbstbildnis von 1737 erblickte Klepper einen am Ende seines Lebens „müden Monarchen“ und „schmerzensreichen Vater“. Das von Antoine Pesne immer „so glatt und rund, so harmlos, so blühend, fast rosig gemalte Gesicht“, sei dem König, „nun er sich selbst im Spiegel malt, zerfurcht, zerklüftet, in höchster Anspannung fast schmerzhaft verzogen“. Dieses Gesicht entspreche dem der Totenmaske, dem Gesichtdes Menschen sollte dies bedeuten, viel mehr als die Porträts von Pesne.

Friedrich Wilhelm I. starb am 31. Mai 1740, sein Sohn Friedrich folgte ihm auf den Thron. Jochen Klepper wurde mit seiner jüdischen Frau und einer der beiden Töchter aus derenerster Ehe von den Nationalsozialisten in den Tod getrieben. Sie starben in der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 1942. Auf ihn folgte bislangnoch niemand, der ein neues Gesamtbild Friedrich Wilhelms zu entwerfen wagte.

Fotos: Roland Handrick

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