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Der Alchemist auf der Pfaueninsel – Teil I

01. Juni 2016, veröffentlicht von Author unavailable

Inmitten der Havellandschaft zwischen Potsdam und Berlin, auf der Pfaueninsel, wirkte vor 330 Jahren einer der wichtigsten Alchemisten, Chemiker und Glasmacher des 17. Jahrhunderts: Johann Kunckel. In der Meierei auf der Pfaueninsel wird sein Wirken jetzt der Öffentlichkeit präsentiert. Die Kustodinnen Dr. Susanne Evers und Dr. Käthe Klappenbach berichten hier über ein faszinierendes Stück Inselgeschichte.

Gold, Rubin, Glas – Johann Kunckels geheime Experimente auf der Pfaueninsel
Ein Beitrag von Susanne Evers und Käthe Klappenbach

Noch bevor Friedrich Wilhelm II. von Preußen, Königin Luise, die Gärtner Fintelmann und Lenné auf der Pfaueninsel ihre Spuren hinterließen, betrieb der Glasmacher und Alchemist Johann Kunckel (ca. 1635–1703) von 1686 bis 1688 auf der Insel ein geheimes Laboratorium. Damit begann vor 330 Jahren das früheste Kapitel der Inselgeschichte – das ab 5. Juni 2016 nun auch in der erweiterten Dauerausstellung in der Pfaueninsel-Meierei aufgeblättert wird.

Alchemisten waren begehrt an europäischen Fürstenhöfen, da man sich von ihnen die Umwandlung von unedlen Metallen zu Gold erhoffte – eine Unmöglichkeit, wie der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm wusste. Gleichwohl holte er 1678 Johann Kunckel von Sachsen nach Brandenburg.

Alchemist und Glasmacher: Johann Kunckel. Titelblatt 1679 (Detail) seines Buches „Ars vitraria experimentalis, oder vollkommene Glasmacherkunst“. © SPSG

Der Sohn eines Glasmachers sollte die Glasproduktion im Land aufbauen und voranbringen. So konnten die Ressourcen des Landes, das sich nach den Verwüstungen des 30-jährigen Krieges im Aufbau befand, optimal genutzt werden. Denn die Grundstoffe, die man für die Glasherstellung und Veredelung benötigte, waren in Brandenburg im Übermaß vorhanden: Sand, Holz und Wasser.

Nach Erfolgen bei der Herstellung von Kristallglas in den Glashütten Potsdam und Drewitz schenkte der Kurfürst seinem „Chymicus“ die damals Pfauenwerder genannte Insel, damit dieser dort ungestört arbeiten könne.

Situationsplan der Pfaueninsel von L. Humbert (Stich: Ludwig Schmidt), 1798. Die „Grundmauern von Kunkels Schmelzofen“ sind mit dem Buchstaben h bezeichnet (roter Kreis). © SPSG

Während seiner Experimente gelang es Kunckel, die Technologie der Goldrubinglasherstellung wiederzubeleben und zu vervollkommnen. Bis heute ist sein Name mit dem roten Rubinglas verbunden. Erfolgreiche Versuche mit Metalloxiden führten zur Produktion weiterer farbiger Zier- und Gebrauchsgläser. Es gelang ihm aber auch, eine verbesserte klare Glasmasse herzustellen, die leicht zu bearbeiten war und der Qualität böhmischer Erzeugnisse nicht nachstand. Märkisches Glas errang in der Folge einen überregional guten Ruf, die Exporte stiegen deutlich an.

Statt Gold funkelt Rubin: Teeschalen (Koppchen) aus Rubinglas im Schloss Pfaueninsel, Teile eines Tee-Service, vermutlich Potsdam, um 1700. © SPSG

Kunckels dem Kurfürsten gewidmetes Buch „Ars Vitraria oder die Vollkommene Glasmacherkunst“ gilt als erstes Standardwerk der Glastechnologie der Neuzeit und steht am Übergang von Alchemie zur Naturwissenschaft. Es brachte ihm die ehrenvolle Aufnahme in die Akademie der Naturforscher „Leopoldina“ ein.

Nach dem Tod des Großen Kurfürsten 1688 hatte Kunckel seinen Gönner verloren. Intrigen wurden gegen ihn gesponnen und sein Laboratorium auf der Insel wohl aus Missgunst in Brand gesteckt.

Bei Ausgrabungen in den 1970er Jahren wurden große Mengen Glasscherben, Glasabfälle, Scherben von Tiegeln und Laborgeräten sowie Spuren des Alltags aus der Kunckel-Zeit ans Licht gebracht. Zusammen mit Material zur Glasherstellung und zur Zusammensetzung des roten Goldrubinglases dokumentieren diese Bodenfunde das Wirken Johann Kunckels auf der Pfaueninsel. Sie werden nun als Erweiterung der Dauerausstellung in der Meierei in der ehemaligen Futterkammer gezeigt.

Der Alchemist auf der Pfaueninsel. Illustration: Conni Robe

Zur Eröffnung des neuen Kunckel-Kabinetts am 5. Juni 2016 lädt die Stiftung rund um die Meierei zum „Kunckel-Fest“ für die ganze Familie ein.

Dabei können sich die Besucher über die Glasperlenherstellung und andere Glastechniken informieren, selbst Kräutersalben mischen oder Postkarten drucken. Kinder können zudem mit dem EXTAVIUM, dem wissenschaftlichen Mitmachmuseum Potsdam, wie in einer Alchemistenküche experimentieren – oder sich spielerisch auf die Suche nach dem Stein der Weisen machen, den einst auch die Alchemisten suchten. An Ständen präsentieren sich unter anderem das Museum Baruther Glashütte und die Glashütte Annenwalde.

Extra-Tipp:
Hörstation am Kunckelstein auf der Pfaueninsel –
abrufbar per Telefon unter der Nummer 089.210 833 777 104
(Hördauer 2:42 Minuten)


Dr. Susanne Evers ist Kustodin für Textil und Glas, Dr. Käthe Klappenbach Kustodin für Leuchter und Beleuchtungskörper und verantwortlich für die Pfaueninsel.

Dieser Text erschien in leicht abgeänderter Form zuerst im SPSG-Besuchermagazin sans,souci., Ausgabe 1/2016.

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2 Kommentare

11.07.2016 - 22:42 Agnes Naber

Sehr verehrtes Team auf der Pfaueninsel,

auf dieser seite im ersten Kapitel fehlt im 2. Satz das Verb, bleibt die Frage : was taten die Kustodinnen?

Am WE 23./24.7.16 werden wir die Insel besuchen.

Wir freuen uns in die Meierei gehen zu können.

Sollten wir schon vor 9.00 Uhr zur Fähre gehen wegen des Anlegeumbaues?

Mit freundlichen norddeutschen Grüßen

Agnes Naber

 

12.07.2016 - 16:50 Elvira Kühn

Liebe Agnes Naber,

 

herzlichen Dank für das aufmerksame Lesen: Der zweite Satz war wirklich missverständlich, weshalb wir ihn sogleich korrigiert haben!

 

Und zur Fähre: Die fährt am Wochenende ganz normal, und vor 10 Uhr ist es noch recht ruhig auf der Insel.

 

Ganz viel Freude und neue Entdeckungen auf der Pfaueninsel und in der Meierei

wünscht die SPSG


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