Blog der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

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Das Gebäude des ehemaligen Staatsrats am Schlossplatz in Berlin-Mitte

13. April 2016, veröffentlicht von Gesa Pölert

Im Rahmen unserer aktuellen Ausstellung „Schlösser für den Staatsgast. Staatsbesuche im geteilten Deutschland“ im Schloss Schönhausen haben wir am 17. April 2016 den Architekten und Verleger Dr.-Ing. Philipp Meuser zu Gast – er wird in einem Vortrag das Gebäude des ehemaligen Staatsrats am Schlossplatz in Berlin-Mitte vorstellen. Es gilt als Meisterwerk der Berliner Nachkriegsarchitektur. Wir haben Herrn Dr.-Ing. Meuser gebeten, Ihnen hier bei uns im Blog schon einmal eine kleine Einführung in das Thema zu geben.

Blick auf das ehemalige Staatsratsgebäude von Osten: Das Haus steht im Stadtraum wie ein edler Schmuckkasten, dem das Schlossportal wie ein Brosche aufgesetzt ist. Die Aufnahme entstand im Jahr 1999.

Meisterwerk der Ostmoderne

Das Staatsratsgebäude am Berliner Schlossplatz

Das Gebäude des ehemaligen Staatsrats gilt heute als Meisterwerk der Berliner Nachkriegsarchitektur. Es markiert den Übergang vom stalinistischen Zuckerbäckerstil zur Sachlichkeit der Sechzigerjahre. Mit dem Entwurf des Kollektivs Roland Korn legte die DDR im Jahr 1962 – unmittelbar nach der Entstalinisierung – den Grundstein für die Ostmoderne, deren denkmalpflegerischer Wert heute auf breiter Ebene anerkannt ist.

Neue Straßenführung vor dem Staatsratsgebäude, aufgenommen 2014.

Blick ins Foyer des ersten Obergeschosses mit einem Gemälde des Berliner Künstlers Christopher Lehmpfuhl.

Blick in den Festsaal vor dem Einzug der European School of Management and Technology. Der Repräsentationssaal wurde für offizielle Feierlichkeiten genutzt. Die aufwendig gestaltete Decke im Festsaal korrespondiert mit dem Mosaik des DDR-Staatsemblems.

Als Vorsitzende des Staatsrats arbeiteten in dem Gebäude: Walter Ulbricht bis zu seinem Tod 1973, Willi Stoph von 1973 bis 1976, Erich Honecker von 1976 bis 1989, Egon Krenz vom 24. Oktober 1989 bis zum 6. Dezember 1989, Manfred Gerlach amtierend vom 6. Dezember 1989 bis zum 5. April 1990.

Blick in den Kinosaal im zweiten Obergeschoss vor dem Umbau. Hier wurden Filme vor ihrer öffentlichen Freigabe auf ihre »politische Korrektheit« hin überprüft.

Innenarchitektonischer Oberflächenkult: Die Tür zum Diplomatensaal und die Akustikwand des Kinosaals wirken wie abstrakte Grafiken, die in die dritte Dimension erweitert worden sind.

Da das Staatsratsgebäude als sensibler Sicherheitsbereich eingestuft war, war er jahrelang verschlossen. Erst 1990 kam es zu einer Öffnung des Gebäudes für die Öffentlichkeit. Zwischenzeitlich sogar auf einer Abrissliste diente der Repräsentationsbau zunächst als Informationszentrum zur Hauptstadtplanung und entwickelte sich zu einem Zentrum des öffentlichen Diskurses über die Zukunft der Stadt. Als sich die Fertigstellung der Parlaments- und Regierungsgebäude im Spreebogen verzögerte, wurde das Staatsratsgebäude von 1999 bis 2001 als Interimssitz des Bundeskanzlers genutzt. Nach einem vorbildlichen Umbau durch den Stuttgarter Architekten HG Merz nutzt die European School of Management and Technology das Gebäude seit genau zehn Jahren als Campus.

Blick auf die Decke im Bankettsaal: Die haustechnischen Anforderungen an Lüftung, Akustik und Licht werden selten in einer gestalterisch so hochwertigen Art und Weise umgesetzt. Derartigen Beispielen merkt man an, dass die Architekten regelrecht Spaß am Gestalten gehabt haben müssen.

Das farbige Glasbild im Treppenhaus stammt von dem Künstler Walter Womacka und stellt die Geschichte der deutschen Arbeiter­bewegung dar. Kurz nach der Wende wurde es durch einen Vorhang abgedeckt, was zu erheblicher Kritik in der Fachöffentlichkeit führte.


Unser Autor:

Dr.-Ing. Philipp Meuser, Jg. 1969, ist Architekt und Verleger. In den Neunzigerjahren koordinierte er im Staatsratsgebäude das Berliner Stadtforum und veröffentlichte 1999 die erste Bau-Monographie über das jahrelang verschlossene DDR-Gebäude. Meuser veröffentlichte zahlreiche Publikationen zu Theorie und Geschichte der sozialistischen Architektur, zuletzt: Die Ästhetik der Platte. Sowjetischer Wohnungsbau zwischen Stalin und Glasnost. Berlin: DOM publishers 2015.

Alle Bilder: © Philipp Meuser


Veranstaltungshinweis:

So., 17.4. / 11 Uhr / Berlin, Schloss Schönhausen, Festsaal
Das Staatsratsgebäude: Ein Meisterwerk der Ostmoderne

Vortrag mit Dr. Philipp Meuser, Architekt und Verleger
8 Euro /ermäßigt 6 Euro
Anmeldung: 030.40 39 49 26 25 oder schloss-schoenhausen(at)spsg.de
Treffpunkt: Schlosskasse
barrierefrei

SCHLÖSSER FÜR DEN STAATSGAST – SCHÖNHAUSEN UND AUGUSTUSBURG
Staatsbesuche im geteilten Deutschland
Berlin / Schloss Schönhausen
Ausstellung vom 1. April bis 3. Juli 2016
Di – So / 10–18 Uhr (letzter Einlass 17 Uhr)
6 Euro / ermäßigt 5 Euro
www.spsg.de/ausstellung-staatsgaeste
barrierefrei


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