Hofdame auf Abwegen

Schloss Schönhausen

Im Gartensaal haben sie 2009 wieder zusammengefunden: acht Porträts junger Hofdamen der preußischen Königin Elisabeth Christine (1715–1797), geschaffen vom Hofmaler Antoine Pesne (1683–1757). Selbstverständlich war das nicht. Das Gemälde der Juliane von Wallmoden (1714–1767) bleib seit seiner Auslagerung nach Rheinsberg 1942 verschollen. Erst 2007 wurde es in einer Neuruppiner Antikhandlung wiederentdeckt. Gezeichnet von den letzten Jahrzehnten wurde es wenig später an die SPSG zurückgegeben. Recherchen zur Provenienz ergaben den wenig geradlinigen Weg, den das Gemälde bis hierhin genommen hatte. Nach dem Ende des Kaiserreichs zunächst im Besitz der Hohenzollern, erwarb es die Schlösserverwaltung 1935 wahrscheinlich vom Kunsthändler Johannes Hinrichsen (1884–1971), der es aber selbst nicht direkt von den Hohenzollern gekauft hatte. Eine Annonce in einer Kunstzeitschrift vom November 1935, die die Versteigerung des Inventars einer Berliner Villa ankündigte, enthielt eine Abbildung des besagten Gemäldes. Besitzer war der Geschäftsmann Marcell Holzer, der als Jude der Verfolgung der Nationalsozialisten durch die Emigration in die USA entgehen konnte. Seine Tochter Elisabeth Pschorr organsierte die unfreiwillige Haushaltsauflösung.

Dieser Verkauf ist klar als NS-verfolgungsbedingter Vermögensverlust zu werten. Mit den Erben konnte eine Einigung über eine Entschädigung und den Verbleib des Gemäldes in Schönhausen erzielt werden. So können die Hofdamen auch zukünftig gemeinsam bewundert werden.