Was hat diese 1853 aufgestellte monumentale Bronzeplastik des Heiligen Michael, ein Kunstwerk nach dem Modell des Bildhauers August Kiss (1802–1865), mit Politik zu tun? Die biblische Szene enthält eine deutliche Botschaft: Sie stellt einen als gerecht propagierten Kampf gegen die Kräfte dar, die sich während der Bürgerlichen Revolution in Deutschland gegen die gottgewollte königliche Herrschaft auflehnten.
Den historischen Hintergrund bilden die Vorgänge im Herzogtum Baden: Dort gab es 1849 für kurze Zeit eine Republik! Großherzog Leopold (1790–1852) hatte um militärische Hilfe durch die preußische Regierung gebeten und war aus seinem Land geflohen. Unter dem Oberbefehl des Prinzen Wilhelm von Preußen, des späteren Königs und Kaisers Wilhelm I. (1797–1888), besiegten die zahlenmäßig und von der Ausrüstung her überlegenen preußischen Truppen die Aufständischen. Am 23. Juli 1852 wurde auf Betreiben des preußischen Königs auf dem heutigen Alten Friedhof in Karlsruhe das Michaelsdenkmal eingeweiht. Es sollte nicht nur an die während der Niederschlagung des Aufstandes getöteten preußischen Soldaten erinnern, sondern vor allem den preußisch-monarchistischen Machtanspruch darstellen.
Friedrich Wilhelm IV. (1795–1861) schenkte seinem Bruder zum Dank die Replik des Heiligen Michael, zu dessen Füßen der besiegte Drache liegt. Der König sah in Wilhelm den „siegreichen Schlangentreter“. Der „Drache der Revolution“ wurde symbolisch von himmlischen Mächten abgewehrt.