Der Wagen der Macht

Schlossremise Paretz

Das Glanzstück der Sammlung in der Schlossremise Paretz ist der prächtige Staatswagen, den König Friedrich Wilhelm II. bei der Wagenbaufirma Ginzrot in Auftrag gab. Die aus Thüringen stammenden Wagenbauer August Christian Ginzrot und sein Sohn Johann Christian Ginzrot galten mit ihrem großen Betrieb als führend ihrer Zeit; ihre Arbeiten zählen bis heute zu den bedeutendsten Zeugnissen des frühklassizistischen Wagenbaus. Der reich verzierte Wagen vereint englische und französische Stilelemente, etwa in den ovalen Türfenstern. Gefertigt aus geschnitztem und vergoldetem Holz, ist er rund 3,50 Meter hoch und für vier Personen ausgelegt. Seine Ausstattung ist geprägt von symbolträchtigen Details, die Friedrich Wilhelm II. ausdrücklich wünschte: Ein Helm mit Trophäen als Zeichen der Stärke bekrönt das Dach, unter dem Kutschbock befindet sich ein Adler, und Kronen schmücken die Dachgalerie. Ein Lorbeerkranz ziert die ovalen Fenster, während an den Türen das königlich-preußische Wappen angebracht ist.

Berühmt wurde der Wagen 1793 beim Einzug der späteren Königin Luise in Berlin und er ging als Brautwagen preußischer Königinnen in die Geschichte ein. Später diente er auch als Krönungswagen und blieb bis zum Ende der Monarchie der wichtigste Galawagen des preußischen Marstalls. Zudem wurde er bei bedeutenden Ereignissen wie Trauerfeierlichkeiten eingesetzt. Am Ende des Zweiten Weltkriegs erlitt der Wagen im Marstall Babelsberg schwere Schäden durch Zerstörung und Plünderung, wobei die Innenausstattung verloren ging. Dennoch sind zentrale Teile erhalten geblieben und vermitteln bis heute einen Eindruck von seiner einstigen Pracht.