Die Bäume in den Parks und Gärten leiden unter den Folgen des Klimawandels. Doch die neue Baumschule am Fuße des Potsdamer Ruinenbergs weckt Hoffnungen. Ein Gespräch mit dem Baumschulisten Simon Bruchhold, der gerade 35.000 Eicheln ausgesät hat.
Das Interview führte Michael Wolf.
Herr Bruchhold, was macht eigentlich ein Baumschulist?
Der Baumschulist ist ein auf Gehölze spezialisierter Gärtner. Wir ziehen junge Bäume und Sträucher heran und pflegen sie über mehrere Jahre so, dass sie später gut verpflanzbar sind. Dafür werden die Pflanzen in regelmäßigen Abständen umgesetzt. So verzweigen sich die Wurzeln stärker und bleiben kompakt. Wenn der Baum später ausgepflanzt wird, hat er einen relativ kleinen, aber dichten Wurzelballen mit vielen Feinwurzeln – und genau diese sorgen dafür, dass er am neuen Standort gut mit Wasser und Nährstoffen versorgt wird.
Das heißt, eine Baumschule sorgt dafür, dass ein Baum transportabel wird – und damit auch verkauft werden kann?
Genau. Würde man einen Baum viele Jahre einfach an einem Ort wachsen lassen, würden sich seine wichtigsten Wurzeln mehrere Meter weit ausbreiten. Dann könnte man ihn kaum noch versetzen, ohne ihn stark zu beschädigen. Durch die Pflege in der Baumschule bleibt der Wurzelbereich kompakt – und der Baum kann an einen neuen Standort gebracht werden und dort wieder anwachsen.
Warum haben Sie diesen Beruf ergriffen?
Mich hat der Baum als Organismus schon immer fasziniert. Gleichzeitig hatte ich lange das Gefühl, ihn eigentlich nur zu einem kleinen Teil zu verstehen. Diese Neugier hat mich dazu gebracht, mich intensiver damit zu beschäftigen. Außerdem wollte ich unbedingt draußen arbeiten und nicht den ganzen Tag in geschlossenen Räumen verbringen. In der Baumschule verbindet sich beides: Man arbeitet praktisch mit Pflanzen und lernt gleichzeitig sehr viel über ihre Entwicklung und ihre Bedürfnisse.
Seit Herbst des vergangenen Jahres sind Sie Herr über einen knappen Hektar am Fuße des Ruinenbergs. Hier betreiben Sie die neue Baumschule der SPSG.
Das ist hier aber keine gewöhnliche Baumschule. Wir verkaufen keine Bäume und sind auch nicht auf schnelle Erträge aus. Mein Schwerpunkt liegt auf klimaresilienten Bäumen. Ich versuche, Nachkommen von besonders vitalen und langlebigen Bäumen aus dem Park zu ziehen. Die Überlegung dahinter ist, dass Bäume, die hier seit vielen Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten wachsen, bereits gezeigt haben, dass sie mit den lokalen Bedingungen gut zurechtkommen.
Wie gehen Sie konkret vor?
Ich sammle Samen von besonders robust wirkenden Bäumen im Park und ziehe daraus viele junge Pflanzen. Das vergangene Jahr war sehr ertragreich bei den Eichen, weshalb wir hier in unserer Baumschule rund 35.000 Eicheln aussäen konnten. Aus diesen Sämlingen wähle ich später diejenigen aus, die sich am widerstandsfähigsten zeigen – etwa gegenüber Trockenheit, Hitze oder Krankheiten. Diese Pflanzen kommen dann als junge Bäume wieder in den Park zurück.
Warum ist das notwendig?
Viele Bäume im Park leiden inzwischen stark unter den Folgen des Klimawandels. Besonders längere Trockenperioden und Hitze setzen ihnen zu. Einige Arten sterben deutlich schneller ab als früher. So schnell, dass wir sie gar nicht ersetzen können. Deshalb versuchen wir, die nächste Generation von Bäumen gezielt widerstandsfähiger zu machen.
Sie arbeiten hier auf Ihrem kleinen Feld am Erscheinungsbild von Park Sanssouci in vielen Generationen. Wenn Sie Erfolg haben, stehen von den 35.000 Eicheln, die Sie ausgesät haben, vielleicht eine Handvoll noch in 100 oder 200 Jahren zwischen den Schlössern.
Ja, das ist tatsächlich faszinierend. Dieser Blick in die Zukunft kann einen mit unglaublich viel Energie versorgen. Natürlich bin ich in meinem Alltag mit ganz praktischen Überlegungen beschäftigt – ob die Sämlinge gut anwachsen, ob Trockenheit oder Schädlinge ihnen zusetzen. Aber der Grundgedanke bleibt: Wir versuchen heute die Grundlage dafür zu schaffen, dass der Park auch in vielen Jahrzehnten noch gesunde und stabile Baumbestände hat. Das wäre nicht nur für uns wichtig. Es sieht zum Beispiel so aus, als würde die Rotbuche in Brandenburg verschwinden, obwohl sie seit Ewigkeiten hier heimisch ist und in ganz Deutschland lange der prägende Baum war. Wenn wir hier Erfolg in unserer Arbeit haben, dann hat sie eine Chance. Und das wäre einfach schön.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Park Sanssouci?
Ich hoffe, dass der Park auch in Zukunft ein gesunder und lebendiger Ort bleibt, an dem Menschen zur Ruhe kommen können, an dem sie sich bewegen und mental und körperlich Kraft schöpfen. Natürlich wird sich der Baumbestand verändern – das lässt sich kaum vermeiden. Aber wenn wir es schaffen, widerstandsfähigere Bäume zu etablieren und die Vielfalt zu erhalten, dann haben wir viel erreicht.
Mit der Einrichtung der Baumschule am Ruinenberg reagiert die SPSG gezielt auf die Folgen des Klimawandels.
Die Realisierung dieses wegweisenden Projekts wurde ausschließlich durch die großzügige Unterstützung der Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e.V. ermöglicht.
Der Beitrag ist zuerst erschienen im SPSG-Magazin SANS,SOUCI. 01.2026.
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