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Zum Jahrestag des Mauerbaus: Die Potsdam-Berliner Kulturlandschaft zu Zeiten des Kalten Krieges

13. August 2017, veröffentlicht von Anne Biernath

Läuft man als Besucher heute durch die wunderbaren Parks und Gärten, die im 18. und 19. Jahrhundert in und um Potsdam angelegt wurden und heute wieder liebevoll gepflegt werden, kann man sich kaum vorstellen, dass ein großer Teil davon ab 1961 absichtlich vernichtet wurde. Weil die Havel der damaligen Ost/West-Grenze entsprach, begann mit dem Mauerbau in Babelsberg die Planierung von Pleasureground und die Zerstörung reizvoller Sichten.

Von Jens Arndt und Angelika Kranz

Peter Joseph Lennés grandiose Idee der "Sichtachsen" wurde pervertiert: Denn auch die Grenzer wollten "Sichten". Allerdings in anderem Sinne: es ging ihnen um "freies Sicht- und Schussfeld", um Fluchten zu verhindern. Dazu wurden einst kunstvoll geschwungene Wege und Hügel rücksichtslos mit Planierraupen weggebaggert, Parkarchitekturen abgerissen und große Flächen mit Pflanzengift devastiert. Die wundervollen Sichtbeziehungen der Kulturlandschaft rund um die Glienicker Brücke waren durch Streckmetallzäune und Wildwuchs gekappt.

Der fast 30 Jahre andauernden Zerstörung dieses weiträumigen Gesamtkunstwerkes folgte die Heilung, die aufwendige Restaurierung der Gärten nach dem Fall der Mauer. "Das war Zerstörung von Kunst. Als ob man in ein Rembrandt-Gemälde mit einem Messer reingeschlitzt hätte. Und nun galt es das zu reparieren. Es hat mich tief bewegt, dass ich dabei helfen durfte", sagt der damalige Leiter des Parkes Babelberg, Karl Eisbein.

Einen einmaligen Blick auf das „Vorher-Nachher“ bietet die Ausstellung „Gärtner führen keine Kriege. Preußens Arkadien hinter Stacheldraht“, die noch bis zum 10. September 2017 im Schloss Sacrow gezeigt wird. Der etwas heruntergekommene DDR-Charme des kleinen Schlosses lässt die Vergangenheit spürbar werden.

Während die Ausstellung letztes Jahr bereits viele Besucher anzog, erzählt sie in der zweiten Auflage zusätzlich von der Nutzung des Schlosses Sacrow in der Zeit von 1945 bis 1961: In einem völlig neu gestalteten Raum geht es um die spannende Geschichte des Schlosses Sacrow als "Liselotte-Herrmann-Heim" von 1945-61. Bis 1953 waren hier Opfer des Nationalsozialismus - Überlebende der KZ's und Widerstandskämpfer - zur Erholung untergebracht. Von den vergleichsweise paradiesischen Zuständen dort erzählt das Lied „In Sacrows grünen Hallen“ von Otto Möbus, der als KPD-Mitglied von 1933-34 in Haft war.

Von 1954 bis 1961 war es dann ein Schriftstellerheim der DDR. Auch die junge Brigitte Reimann war 1956 in Sacrow zu Gast. Von ihr findet sich ein signiertes Exemplar ihres Buches „Die Frau am Pranger“, das sie der Heimleiterin damals schenkte.

Zwei wichtige Zeitzeugen - die Kinder der damaligen Heimleiterin - tragen mit ihren Erinnerungen und einem als "Schatz" zu bezeichnenden umfangreichen Fotokonvolut dazu bei, ein wichtiges Kapitel Deutscher Geschichte in Sacrow nachzuerleben.
In der Ausstellung läuft ein Film, in dem die beiden von ihrer Kindheit in Sacrow nach dem Krieg berichten. Es muss eine wunderbare Zeit für sie gewesen sein, bis die Mauer gebaut wurde und ihre unbeschwerte Kindheit ein jähes Ende fand.

Die multimediale Ausstellung wird auf über 400 Quadratmetern im Schloss Sacrow gezeigt. Im Mittelpunkt stehen die Erlebnisse der Gärtner in der Zeit der Zerstörung der Parkanlagen des heutigen UNESCO-Weltkulturerbes während des Kalten Krieges. Gezeigt wird auch die großartige "Heilung" dieser Wunde der Potsdam-Berliner Kulturlandschaft nach 1989.

Marianne Birthler ist die Schirmherrin der Ausstellung: "Der Ausstellungsort Sacrow könnte nicht besser gewählt sein. Der zur Grenzzeit extrem malträtierte Lenné Park ist heute wieder in seiner atemberaubenden Schönheit erlebbar. Für die Besucher wird das nicht nur das Erlebnis einer sehr spannenden Ausstellung, sondern auch ein Ausflug in die Traumwelt des Preußischen Arkadiens."

Ort: Schloss Sacrow / Krampnitzer Str. 33, 14469 Potsdam
Zeitraum: 15.7. bis zum 10.9.2017
Geöffnet: Fr-Mo / 11-18 Uhr
Eintritt: 8 Euro / ermäßigt 5 Euro

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm umrahmt.
Weitere Informationen unter www.gaertner-fuehren-keine-kriege.de und www.ars-sacrow.de

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