Im Rahmen ihres diesjährigen Themenschwerpunkts „Kunst | Politik“ zeigt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) im Berliner Schloss Schönhausen vom 12. Juni 2026 an die neue Dauerausstellung zur NS-Aktion „Entartete Kunst“ unter dem Titel „Kunst – Menschen – Macht. Schloss Schönhausen als Tatort der NS-Aktion ,Entartete Kunst'". Damit wird die historisch beispiellose Kampagne des nationalsozialistischen Regimes gegen die Kunst der Moderne erstmals am historischen Schauplatz thematisiert. Schloss Schönhausen wird so zugleich zu einem der ganz wenigen Orte in Deutschland, die das Thema als Dauerausstellung präsentieren.
Seit Beginn ihrer Herrschaft diffamierten die Nationalsozialisten die moderne Kunst als „entartet“ oder als „Verfallskunst“. Im Juli 1937 ließen sie zahlreiche Kunstwerke aus deutschen Museen nach München bringen, um sie in der Ausstellung „Entartete Kunst“ in verhöhnender Weise zu zeigen. Im selben Jahr ließen sie in einer gewaltigen Aktion insgesamt mehr als 21.000 Kunstwerke in allen Museen des Deutschen Reichs beschlagnahmen. Ein Teil dieser Kunstwerke sollte gegen Devisen ins Ausland verkauft werden. Für diesen Zweck wurden ab September 1938 rund 3.750 Kunstwerke ins Schloss Schönhausen gebracht. Es ist davon auszugehen, dass sich hier zeitweise die wohl größte Ansammlung von Spitzenwerken der Klassischen Moderne befand, die jemals an einem Ort versammelt waren.
In der Ausstellung kann das Geschehen im Schloss erkundet werden. In vier Räumen lernen Besuchende ausgewählte Akteurinnen und Akteure dieser „Verwertung“ kennen und erfahren, wie der Verkauf im staatlichen Auftrag organisiert und umgesetzt wurde. Sie bekommen Einblick in die Biographien, die Motive und die Handlungsspielräume der beteiligten Beschäftigten der NS-Administration sowie der Händler, die sich in den Dienst der Aktion stellten. Gefragt wird auch nach der Rolle der Sammlerinnen und Sammler, die die Kunstwerke unmittelbar vor Ort auswählen und kaufen durften. Auch das Agieren und die Schicksale ausgewählter betroffener Künstlerinnen und Künstler werden in den Blick genommen. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl originaler Kunstwerke, schildert ihre Wege vor und nach der Beschlagnahme und veranschaulicht damit weitere Aspekte der NS-Kulturpolitik und ihrer Folgen bis heute.
In der historischen Gipsmarmorgalerie lädt eine Medienstation dazu ein, die Schicksale von 37 ausgewählten Kunstwerken zu recherchieren. Leseplätze mit einer kleinen Handbibliothek bieten allen Interessierten die Möglichkeit zum vertiefenden Selbststudium.
Die Ausstellung ist zweisprachig (Deutsch und Englisch), weitgehend barrierefrei für Menschen mit Gehbehinderung und hält Angebote in Leichter Sprache, Deutscher Gebärdensprache und für Sehbehinderte bereit.
Die Ausstellung wird mit Mitteln der LOTTO-Stiftung Berlin unterstützt:
Themenschwerpunkt „Kunst | Politik“
Mit dem Themenjahr „Kunst | Politik“ richtet die SPSG 2026 den Blick auf das Verhältnis von Kunst, Macht und politischer Inszenierung. Drei zentrale Vorhaben prägen das Angebot: Neben der neuen Dauerausstellung „Kunst – Menschen – Macht“ im Berliner Schloss Schönhausen, sind hier die Sonderpräsentation „Ungeheuer trifft Papagei. Napoleon Bonaparte und Königin Luise in Tilsit“ im Schloss Paretz sowie „h300“, das vielfältige Jubiläumsprogramm zum 300. Geburtstag von Prinz Heinrich von Preußen in und um Rheinsberg, zu nennen.
Ergänzt werden diese Schwerpunkte durch zahlreiche Veranstaltungen in den Schlössern und Gärten der Stiftung – darunter Führungen, Gespräche, Konzerte und Vermittlungsangebote, die unterschiedliche Aspekte des Themenjahres aufgreifen. Dabei werden entscheidende Fragen neu gestellt: Wie präsentierten sich etwa preußische Herrscherinnen und Herrscher in Porträts, Gartenanlagen oder Festinszenierungen? Welche Geschichten wurden bewusst erzählt – und welche blieben im Verborgenen? Und was geschieht, wenn politische Macht darüber entscheidet, was als Kunst gelten darf?
Das gesamte Programm wird fortlaufend ergänzt und ist online unter spsg.de/kunst-politik zu finden.
Informationen:
Schloss Schönhausen
Tschaikowskistraße 1
13156 Berlin
Di–So 10–17.30 Uhr
8 €, ermäßigt 6 €
spsg.de/kunst-menschen-macht