Das von dem Italiener Guido Reni (1575–1642) um 1635 geschaffene Gemälde „Diogenes in der Tonne“ ist in das Potsdamer Neue Palais zurückgekehrt. Damit kann die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) die von König Friedrich dem Großen (1712–1786) im Jahr 1768 mit bedeutenden Meisterwerken des Barock ausgestattete Obere Galerie wieder vollständig präsentieren. Die großzügige Unterstützung der Annemarie Hilgemann Stiftung ermöglichte in den vergangenen Jahren die Untersuchung, Restaurierung und kunsthistorische Erforschung des Gemäldes und des dazugehörigen monumentalen Rahmens.
Der in Bologna geborene Reni war einer der einflussreichsten Künstler seiner Zeit. Seine Werke waren bis weit ins 18. Jahrhundert hinein sehr begehrt. So zahlte auch Friedrich der Große eine hohe Summe für den „Diogenes“. Zuvor hatte sich das Gemälde in der bedeutenden Pariser Sammlung von Victor-Amédée I., Fürst von Carignan und Prinz von Savoyen (1690–1741), befunden.
Offenbar gefiel Friedrich das dargestellte Thema. Der Philosoph Diogenes von Sinope, über dessen Leben an der Wende vom 5. zum 4. Jahrhundert vor Christus nur spätere Quellen berichten, war ein radikaler Asket. Besitz und gesellschaftliche Konventionen lehnte er konsequent ab – ebenso die Ehe. Der Überlieferung nach schlief er zeitweise in großen Vorratsgefäßen, was später zu der Vorstellung führte, er habe in einem Fass gelebt. Alexander der Große (356–323 vor Christus) soll ihn dort aufgesucht und gefragt haben, wie er ihm dienen könne. Diogenes habe darauf lakonisch geantwortet: „Geh mir aus der Sonne.“
Als das Gemälde 1766 in Potsdam ankam, übte der König Kritik an den Draperien. Auffälliger als die Draperien sind jedoch die Proportionen der Figur: Die Beine wirken vergleichsweise kurz. Vermutlich hängt dies damit zusammen, dass das Gemälde für eine erhöhte Hängung konzipiert war und daher aus der Untersicht wirken sollte. Aufgrund dieser Schwäche wurde in der kunstwissenschaftlichen Forschung die Autorschaft Renis immer wieder infrage gestellt. Erst die genaue Untersuchung der Maltechnik während der Restaurierung zeigte, dass sie sehr gut mit der charakteristischen Arbeitsweise des Künstlers übereinstimmt.
Renis „Diogenes“ bildet, zusammen mit den fünf weiteren Gemälden der Oberen Galerie, seinem „Selbstmord der Lukretia“, Artemisia Gentileschis (1593–1654) „Bathseba im Bade“ und „Lukretia und Tarquinius“ sowie Luca Giordanos ((1634–1705) „Urteil des Paris“ und dem „Raub der Sabinerinnen“, eine hochrangige Galerie italienischer Barockgemälde, die nach drei Jahrzehnten nun erstmals wieder komplett zu sehen ist.
Information zum Gemälde:
Guido Reni, Diogenes in der Tonne, um 1635, Öl auf Leinwand, 198 × 146 cm, SPSG, GK I 5393
Besuchsinformationen:
Neues Palais, Am Neuen Palais, 14469 Potsdam
Öffnungszeiten: April bis Oktober: Mittwoch bis Montag 10–17.30 Uhr, November bis März: Mittwoch bis Montag 10–16.30 Uhr; letzter Einlass jeweils 30 Minuten vor Schließzeit
Eintritt Grand Tour inkl. Obere Galerie: 14 €, ermäßigt 10 €
Veranstaltungshinweis:
Die Rückkehr von Guido Renis „Diogenes in der Tonne“ in die Obere Galerie
Expertinnenführung mit Gemäldekustodin Dr. Franziska Windt, SPSG, und Bärbel Jackisch, Restauratorin der SPSG a. D.
27. Mai, 17.10 Uhr
Neues Palais, Am Neuen Palais, 14469 Potsdam, Treffpunkt: Besuchszentrum Neues Palais
12 €, ermäßigt 10 €
Tickets: spsg.de