Richtfest

Die Römischen Bäder im Potsdamer Park Sanssouci werden umfassend saniert

Im Mai 2024 hat die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) mit umfangreichen Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen in den Römischen Bädern im Potsdamer Park Sanssouci begonnen. Im Beisein der Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Frau Dr. Manja Schüle, des Amtschefs bei dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Herrn Dr. Konrad Schmidt-Werthern, des Berliner Architekturbüros D-Form und des Generaldirektors der SPSG, Herrn Prof. Dr. Christoph Martin Vogtherr, kann dort nun am 18. Mai 2026 das Richtfest gefeiert werden. 

Die Wiedereröffnung des von Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) und Ludwig Persius (1803–1845) zwischen 1829 und 1841 geschaffenen Ensembles ist für das Jahr 2029 geplant. Es gehört zu den herausragenden Meisterwerken Schinkels und hat die Architektur der Klassischen Moderne – und darüber hinaus – maßgeblich beeinflusst.

Ermöglicht wird das Projekt durch das zweite Sonderinvestitionsprogramm für die preußischen Schlösser und Gärten (Masterplan), das der Bund (Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien) sowie die Länder Brandenburg (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur) und Berlin (Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt) bis 2030 zur Rettung bedeutender Denkmäler der Berliner und Potsdamer Kulturlandschaft aufgelegt haben. Die Gesamtbaukosten sind mit ca. 19 Millionen Euro zu beziffern.

Brandenburgs Kulturministerin Dr. Manja Schüle: „Gebadet wurde hier nie. Das ist eines der Geheimnisse der Römischen Bäder. Sie sind kein Bad, sondern eine Bühne – die gebaute Sehnsucht eines Kronprinzen, der nie in Italien war. Aber auch Sehnsüchte altern. Ich bin deswegen froh, dass wir gemeinsam mit dem Bund und Berlin den Alterungs- und Verfallsprozess stoppen konnten und heute bereits Richtfest feiern können. Einen herzlichen Dank an die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten für ihr Engagement – und insbesondere an alle beteiligten Architektur- und Ingenieurbüros sowie die Planungsteams und ausführenden Firmen für ihre Expertise und Sorgfalt. Was wir bislang sehen können, ist Meisterarbeit an einem Objekt, das viel Können verlangt und wenig Fehler verzeiht. Wer Italiensehnsucht verspürt und den Träumen eines Prinzen nachspüren will, muss nicht weit reisen – er muss sich nur noch ein wenig bis zur Fertigstellung 2029 gedulden.“

Kulturstaatsminister Dr. Wolfram Weimer: „Es freut mich, dass mit dem heutigen Richtfest ein wichtiger Meilenstein bei der Sanierung der Römischen Bäder genommen wurde. Mein Dank gilt an dieser Stelle allen, die an der Sanierung beteiligt waren. Dieses kleine Stück Italien in der märkischen Landschaft ist ein Meisterwerk Karl Friedrich Schinkels und Ludwig Persius’. Ich bin froh, dass solche architektonischen Juwelen auch für künftige Generationen durch die wertvolle Arbeit der SPSG erhalten bleiben. Der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg sind sich hier ihrer Verantwortung bewusst und ermöglichen die Sanierung gemeinsam durch das Sonderinvestitionsprogramm 2, für das der Bund 200 Millionen Euro zur Verfügung stellt.“

„Das heutige Richtfest ist ein Meilenstein“, sagt der Generaldirektor der SPSG, Prof. Dr. Christoph Martin Vogtherr. „Das Ensemble der Römischen Bäder steht exemplarisch für die Verbindung von Architektur, Gartenkunst und italienisch inspirierter Lebenswelt, die Potsdams Kulturlandschaft bis heute prägt. Mit der bis 2029 laufenden umfassenden Sanierung wird nicht nur ein einzigartiger Ort im UNESCO-Welterbe erhalten, sie wird auch rechtzeitig vor dem Jubiläumsjahr 2031 abgeschlossen sein, in dem wir den 250. Geburtstag Schinkels feiern wollen. Ich danke dem Bund sowie den Ländern Brandenburg und Berlin, die das im Rahmen des von ihnen für die Schlösser und Gärten aufgelegten Sonderinvestitionsprogramms ermöglichen. Zugleich gilt mein Dank allen beteiligten Bauleuten, Handwerkerinnen und Handwerkern, Planenden, Fördernden und Mitarbeitenden, die mit ihrem Engagement zum Gelingen dieses anspruchsvollen Projekts beitragen.“

Schadensbilder
Durch seine exponierte Lage am Wasser war und ist der gesamte Komplex einer hohen Feuchtigkeit ausgesetzt. Sowohl die Stützmauern am Wasser als auch einzelne Baukörper, wiesen starke Setzungen auf, die einerseits durch den torfhaltigen Baugrund und andererseits durch Ausspülungen begründet waren. Über Jahre in die Konstruktion eindringender Regen und Schnee sowie zahlreiche Frost- und Tauwechsel hatten das Gefüge des Mauerwerks zunehmend gelockert und Hohlräume erzeugt. Die sichtbare Folge waren Risse und Löcher in den Stützmauern, Absackungen im Bereich der Fußböden und Außenanlagen sowie deutliche Verwerfungen in den Kleinarchitekturen. Zudem wurde ein hoher Instandsetzungsbedarf an Dächern und Fassaden festgestellt.

In den der Witterung direkt ausgesetzten offenen Räumen der Therme (Badanlage) verursachten außerdem permanente Baufeuchte und zyklisch auftretende Kondenswasserbildung umfangreiche Schäden. Das war insbesondere für die Wandmalereien problematisch. Malschichten lösten sich vom Untergrund, Oberflächen waren mit Stock- und Schimmelflecken bedeckt. Zugleich wurde der Schädlingsbefall (z. B. durch den Echten Hausschwamm) befördert. Hinzu kamen Schadstoffbelastungen. So sind etwa die Dachkonstruktionen teilweise mit Holzschutzmitteln kontaminiert und im Billardzimmer befanden sich gesundheitsgefährdende Teerpappen hinter der Holzvertäfelung.

Ziel der Wiederherstellung
Das Projekt umfasst die Sanierung des gesamten Gebäudeensembles und der Gartenanlagen. Bis 2027 sollen die Schäden an den Gebäuden, Stützmauern und Freianlagen behoben, die Dachstühle statisch ertüchtigt, die Dacheindeckungen und Putzfassaden erneuert, die Innenräume sowie die Kunstwerke restauriert werden. 
Die musealen Bereiche werden künftig weitgehend barrierefrei und somit auch für mobilitätseingeschränkte Gäste erreichbar sein. Der Eingangsbereich wird neu gestaltet und eine WC-Anlage eingerichtet. Die Erneuerung der technischen Anlagen sowie eine ressourcenschonende Neuorganisation der Regenentwässerung werden einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. 

Das Konzept für die Römischen Bäder sieht vor, das Bauwerk wieder optisch in den ursprünglichen Zusammenhang mit Schloss Charlottenhof, der Meierei am Kuhtor und der Fasanerie einzubinden. Das ursprünglich beabsichtigte Erscheinungsbild einer ländlichen italienischen Idylle soll wieder erlebbar werden und lässt sich bereits jetzt erahnen. Das Gärtner- und das Gehilfenhaus haben ihre bauzeitlichen, hellen Anstriche und die rötliche Ziegeldeckung zurückerhalten. Im Detail sind die Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte gesichert. Ziel ist es, das historische Erscheinungsbild der Anlage zurückzugewinnen, um die herausragende künstlerische Bedeutung dieses einzigartigen Bau- und Gartenkomplexes wieder sichtbar zu machen.

Die Maßnahmen im Einzelnen
Bereits abgeschlossen wurden folgende Maßnahmen:  

  • Sanierung der Ufer- und Gartenmauern der Terrasse am Maschinenteich und Gründungsertüchtigung,
  • Sanierung und Wiederherstellung von Mauerwerk,
  • Abdichtung der Mauerwerkswände der Gebäude gegen eindringende Feuchtigkeit,
  • Herstellung von Bohrpfahlgründungen für die Bodenplatten,
  • Reparatur der Dächer des Gärtner- und des Gehilfenhauses und Wiederherstellung der historischen Ziegeleindeckung,
  • Sanierung des Fassadenputzes,
  • Schadstoffsanierungen,
  • Tischlerarbeiten an Fenstern und Türen,
  • Reparatur und Wiederherstellung von Bauteilen aus Naturstein.

Im Frühjahr 2026 wurde mit den Arbeiten am Dach der Thermen begonnen. Nach den Sanierungsarbeiten an den Substruktionen und der Herstellung der Bodenplatten wird sich der Schwerpunkt auf Maßnahmen zur nachhaltigen Verbesserung der bauphysikalischen Bedingungen in den musealen Innenräumen verlagern.

So wird z. B. künftig ein neues, dichtes Glasdach über dem Impluvium (Regenwassersammelbecken) das Außen- und das Raumklima entkoppeln und die jahreszeitlich bedingten Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit deutlich reduzieren. Eine verdeckt eingebaute Lüftungsanlage wird für ein stabiles Klima in den Räumen der Therme sowie im Pavillon sorgen.

Auf dieser Grundlage können dann die Restaurierungs- bzw. Konservierungsmaßnahmen an Wandmalereien, Kunstobjekten und Ausstattungsgegenständen fortgeführt und abgeschlossen werden.

Nutzung
Die Römischen Bäder sollen museal genutzt werden. Nach der Sanierung werden weitere, bislang nicht gezeigte Bereiche in der Therme – wie das Viridarium, die Kolonnade am Schafgraben und die Stallungen im Gehilfenhaus – für die Besuchenden zugänglich sein. Der Pavillon kann künftig im Rahmen von Sonderführungen besichtigt werden.

Das Erdgeschoss des Gärtnerhauses wird weiterhin für Wechselausstellungen zur Verfügung stehen. In der Remise sind künftig sanitäre Anlagen für die Besuchenden sowie eine kleine Cateringküche für die Veranstaltungsnutzung vorgesehen.
Neben den öffentlichen Bereichen werden Teile der Römischen Bäder auch wieder Wohnzwecken dienen. Im ersten Obergeschoss des Gärtnerhauses werden Büroräume der SPSG eingerichtet. 

Zur Geschichte und baulichen Gestalt der Römischen Bäder
Noch in seiner Kronprinzenzeit gab der spätere König Friedrich Wilhelm IV. (1795–1861) zuerst Schloss Charlottenhof (1826–1829) und anschließend die Römischen Bäder in Auftrag. Stilistisch an römischen und altitalienischen Vorbildern orientiert, wurden die Römischen Bäder von Schinkel und seinem Schüler Persius zwischen 1829 und 1841 erbaut. Das Ensemble spiegelte in besonderer Weise die „Italiensehnsucht“ des Bauherrn wider, der mit zahlreichen Ideen und Entwurfszeichnungen großen Einfluss auf die Pläne der Architekten genommen hatte. Die landschaftliche Neugestaltung des Areals verantwortete Joseph Peter Lenné (1797–1866). 

Im italienischen Landhausstil wurden 1829/30 zunächst das Gärtnerhaus und 1832 das Gehilfenhaus errichtet. Beide Bauten sind durch einen Bogengang, einen Altan und die Weinlaube (1833) mit einem Ruhesitz in der Art eines Stibadiums verbunden. Ab 1834 entstand unter Persius’ Leitung die eigentliche Badanlage (Thermen) hinter Schinkels Arkadenhalle (1832/33), die nun zur Schauseite wurde. Die bis zum Jahr 1850 fertig gestellten Wandmalereien zeugten überdies von der intensiven Auseinandersetzung mit den Ausgrabungen in Pompeji. Gebadet wurde in den Römischen Bädern allerdings nie.

Die Anlage ist an zwei Seiten von Wasser umgeben: Dem künstlich angelegten Maschinenteich im Süden, dessen Namen von einem hier bis 1923 vorhandenen Dampfmaschinenhaus herrührt, und dem Schafgraben im Osten. Die asymmetrische Konzeption ermöglichte offene Bereiche, die als Gärten oder Ruheplätze angelegt wurden. 

Das Gärtnerhaus, in dem der für den umliegenden Park zuständige Hofgärtner Hermann Sello (1800–1876) wohnte, ist ein zweigeschossiger, gestaffelter Putzbau mit flachem Satteldach und angesetztem Pultdach (beide mit englischer Schiefereindeckung) sowie seitlich versetztem Turm (Mönch- und Nonne-Dacheindeckung). Das Gehilfenhaus, das einst Quartier für das Gartenpersonal war, ist ein zweigeschossiger Putzbau mit umfriedetem Hof und zwei Satteldächern von unterschiedlicher Höhe (mit Kupferblecheindeckung).

Die an der Nordseite des Gartenhofs befindliche Arkadenhalle diente ursprünglich als Orangerie. Die Therme an deren Rückseite ist ein eingeschossiger Putzbau mit verschiedenen Dachformen und Kupferblecheindeckung. Die asymmetrische Raumgruppe im Inneren mit Atrium, offenem Vorhof und karyatidengestützter Thermenhalle ist im pompejanischen Stil ausgestattet. Das Atrium ist hier ein Empfangsraum. Der pompejanischen Ausmalung liegt ein Entwurf Schinkels zugrunde. Die Wände sind über einem schwarzen Sockel in kräftigem Rot gehalten und zeigen plastisch wirkende Figurengruppen. Die zwei Marmorstatuen wurden in Pompeji gefunden und um 1840 ergänzt. Die Schmuckwanne aus grünem Jaspis ist ein Geschenk von Zar Nikolaus I. (1796–1855) an Friedrich Wilhelm IV. Das Impluvium, eigentlich ein Sammelbecken für Regenwasser im Atrium, ist in diesem Fall die Bezeichnung des Raumes hinter dem Atrium. Das Viridarium (Grün- oder Kalthaus) präsentiert sich als kleiner Gartenhof. Den Raumbezeichnungen einer römischen Therme entsprechen lediglich das Apodyterium (Auskleidezimmer) und das Caldarium (Warmbad). In der hinteren Raumwand des Caldariums befindet sich eine Exedra (nischenartiger Raum). Das aus Keramikfliesen bestehende Alexander-Mosaik ist wegen Bodenabsenkungen derzeit deponiert. Das Billardzimmer ist der einzige Raum in der Badanlage, der einem konkreten Zweck diente. 

Am Nordufer des Maschinenteichs steht der 1830 im Stil eines Prostylos (griechischer Tempel) errichtete Teepavillon mit Pfeilerportikus und kupfergedecktem Satteldach. Er ist durch eine unterkellerte Pergola mit dem Gärtnerhaus verbunden. Westlich des Teepavillons befindet sich im Erinnerungsgarten (1834) zwischen zwei Ädikulen (Rahmenaufbauten aus zwei Säulen mit Giebeln), in denen Büsten von König Friedrich Wilhelm III. (1770–1840) und Königin Luise (1776–1810) zu sehen sind, ein quadratischer Brunnen. 

Das Sonderinvestitionsprogramm (Masterplan)
Mit dem zweiten Sonderinvestitionsprogramm für die preußischen Schlösser und Gärten (SIP 2, Masterplan) retten der Bund (Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien) sowie die Länder Brandenburg (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur) und Berlin (Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt) wesentliche Denkmäler der Berliner und Potsdamer Schlösserlandschaft vor dem Verfall. Das Abkommen sieht vor, dass die SPSG bis 2030 insgesamt 400 Millionen Euro in die Rettung nationaler Kulturgüter zusätzlich investieren kann. Der Bund trägt 200 Millionen Euro (50 Prozent) bei, das Land Brandenburg 131 Millionen Euro (33 Prozent) und das Land Berlin 69 Millionen Euro (17 Prozent).

Pressekontakt

Frank Kallensee
SPSG | Generaldirektion

Pressesprecher

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