Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) hat die acht Skulpturen des Musenrondells im Potsdamer Park Sanssouci wiederaufgestellt. Sie waren für notwendige Restaurierungsmaßnahmen im Herbst 2025 abgebaut worden. Ermöglicht wurden die Arbeiten durch eine großzügige Spende der Tiemann-Stiftung über die Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e. V.
Erinnerung an Watteau
Das Musenrondell ist das mittlere der drei Rondelle im westlichen Lustgarten auf dem Hauptweg im Park Sanssouci. Es befindet sich auf Höhe des Felsentores unterhalb der Neuen Kammern. Vom Rondell gehen sternförmig acht Wege ab. In den Zwischenräumen stehen die weißen Marmorskulpturen vor Buchenhecken. Der Charakter dieses Gartenbereichs erinnert an Gemälde des französischen Malers Antoine Watteau (1684-1721) und an das französische Gartenideal.
Geschaffen wurden die Skulpturen von dem Berliner Bildhauer Friedrich Christian Glume (1714-1752). Als Ideengeber wird Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699-1753) vermutet. Hierzu wurden zwei Zeichnungen aus dem Berliner Kupferstichkabinett als Vorlagen für Glume ausgemacht, die früher Knobelsdorff zugeschrieben wurden. Letzteres wird heute angezweifelt. Auf einer dieser Zeichnungen sind die acht Musen mit ihren Attributen, auf der anderen nur Kaliope und Klio zu sehen. Als Entstehungszeit der Skulpturen werden Glumes letzte Lebensjahre angenommen.
Das Rondell mit den acht Figuren ist erstmals auf dem Parkplan von Friedrich Zacharias Saltzmann (1731-1801) aus dem Jahr 1772 nachweisbar.
Die Musen
Als „Hüterinnen der Künste“ werden nach Hesiod (7. Jahrhundert vor Christus) neun Musen benannt. Im Potsdamer Rondell fehlt die neunte Muse: Urania, Muse der Astronomie, die thematisch eine Sonderstellung einnimmt. Die Musen sind die Töchter von Mnemosyne, der Göttin der Erinnerung, und des Zeus. Sie gehören zum Gefolge Apollons und sollen am Berg Helikon an der Quelle Hippokrene ansässig sein, die durch einen Hufschlag des geflügelten Rosses Pegasos freigelegt wurde. Anderen Angaben zufolge wohnen die Musen auf dem – Apollon geweihten – Parnass oberhalb von Delphi, nahe der kastalischen Quelle, deren Wasser die Gabe der Dichtkunst verleihen soll.
Die Skulpturen des Musenrondells:
- Kaliope mit Buch, aus dem eine Flamme schlägt und Schreibgriffel. Muse des heroischen Gesanges bzw. des Heldengedichtes (Skulpturensammlung 170).
- Terpsichore, die fröhlich im Reigen Tanzende, mit Tamburin. Muse des Tanzes (Ergänzungen des 19. Jahrhunderts, die 1996 teilweise durch neue ersetzt wurden, Skulpturensammlung 171)
- Euterpe, die Erfreuende, ursprünglich mit zwei Flöten. Muse der Lyrik und des Flötenspiels (Skulpturensammlung 172).
- Thalia, die Festliche, die Blühende, mit Kastagnetten und Schriftrolle. Muse der Komödie (Kopie von Carl Heinrich Eduard Stützel nach Friedrich Christian Glume, 1844, Skulpturensammlung 173).
- Melpomene, die Singende, mit Buch, Krone und Dolch. Muse der Tragödie (Kopie von Carl Heinrich Eduard Stützel nach Friedrich Christian Glume, 1844, Skulpturensammlung 174).
- Erato, die Liebevolle, Sehnsucht Weckende mit Blasinstrument, fünfseitiger Lyra und Helm. Muse des Liebesliedes (Skulpturensammlung 175).
- Klio, die Rühmende, mit Buch und Schreibfeder. Muse der Geschichtsschreibung (Mitte des 19. Jahrhunderts stark ergänzt, Ergänzung des Kopfes 1996, Skulpturensammlung 176).
- Polyhymnia, die Hymnenreiche, mit Schriftblatt. Muse des Gesangs (Skulpturensammlung 177).
Schadensbilder
Bereits im 19. Jahrhundert war der Zustand der Skulpturen schlecht. Zudem waren sie damals auf andere Standorte im Park verteilt. Erst unter König Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) wurde der Bildhauer Carl Heinrich Eduard Stützel (1806-nach 1865) mit der Restaurierung beauftragt und der Skulpturenreigen 1844 wieder komplettiert. Terpsichore und Polyhymnia wurden wegen starker Beschädigungen ergänzt. Von Thalia und Melpomene wurden Kopien nach nicht mehr erhaltenen Originalen geschaffen.
Die letzte Restaurierung erfolgte in den Jahren von 1991 bis 1998 durch den Bildhauer Guntram Kretschmar (1942-2024), wobei die Arbeiten an zwei Skulpturen (Terpsichore und Klio) ebenfalls durch die Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e. V. unterstützt wurden.
Die Restaurierung
Die Skulpturen wurden im Herbst 2025 abgebaut und anschließend in den Werkstätten auf dem Schirrhof der SPSG von der Firma Restaurierung konserviert und restauriert, Schadstellen wurden materialauthentisch oder mit Ergänzungsmasse ergänzt, Verfärbungen gereinigt und lose Stellen gefestigt. Zur Konservierung wurde abschließend eine Schutzlasur aufgetragen. Im gleichen Verfahren wurden auch die Postamente vor Ort bearbeitet. Die Planung und Betreuung der Leistung wurde durch die Skulpturenrestaurierung der SPSG durchgeführt.
Vor der Wiederaufstellung wurden Fundamentausgleichsplatten zwischen den Postamenten und Fundamenten aufgebracht, um das Absacken in die Wegedecke zu verhindern und das Gesamtbild des Rondells zu verbessern.