Denkmalschutz im Klimawandel

Kolloquium in Potsdam: Neues Forschungsprojekt der Fachgruppe Gärten der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösserverwaltungen

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösserverwaltungen (AGDS) hat ein neues, von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördertes Forschungsprojekt mit dem Titel „Modellhafte Entwicklung und Stärkung eines prozesshaften, integralen Parkmanagements zur nachhaltigen Steigerung der Klimaresilienz historischer Parks“ gestartet. Von 2026 bis 2028 sollen bisherige Erkenntnisse zu einem integralen Parkmanagementsystem zusammengeführt werden. Ziel ist es, Parkverwaltungen dabei zu unterstützen, nachhaltige Pflegestrategien für historische Gärten zu entwickeln, in denen natürliche Kreisläufe systematisch in die Pflegepraxis einbezogen und ökologische Prozesse noch stärker gefördert werden. 

Das neue Forschungsprojekt baut auf einem erfolgreichen Vorprojekt der Fachgruppe Gärten der AGDS auf, in dessen Rahmen von 2022 bis 2024 mehr als 80 Maßnahmen zur Klimaanpassung historischer Gärten systematisch erfasst, dokumentiert und digital öffentlich zugänglich gemacht sowie die fachliche Vernetzung mit naturwissenschaftlichen Partnern ausgebaut wurden.

Im Rahmen eines zweitägigen Kolloquiums in Potsdam sind am 13. und 14. August 2026 die Gartendirektorinnen und Gartendirektoren der AGDS gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis zusammengekommen, um die im Vorprojekt identifizierten Klimaanpassungsmaßnahmen fachlich zu bewerten, zu priorisieren und gemeinsam diejenigen Ansätze auszuwählen, die im weiteren Projektverlauf vertiefend untersucht und zu einem integralen Parkmanagementsystem weiterentwickelt werden. 

Parkmanagement für das grüne Kulturerbe

Historische Gärten und Parks sind ein bedeutendes Kulturerbe und als solches denkmalgeschützt. Zugleich sind sie wichtige Erholungsräume für viele Menschen und wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Als lebende Denkmale reagieren sie jedoch besonders sensibel auf die Folgen des Klimawandels. Längere Trockenperioden, zunehmende Hitze und häufiger auftretende Extremwetterereignisse gefährden vielerorts ihren langfristigen Erhalt.

Das neue Forschungsprojekt knüpft unmittelbar an die Ergebnisse des Vorprojekts an. Bestehende Pflegepraktiken und Maßnahmen zur Klimaanpassung werden grundlegend analysiert, hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bewertet und gezielt weiterentwickelt. Besonders wirksame Ansätze werden sinnvoll miteinander kombiniert und zu einem ganzheitlichen Pflege- und Managementsystem zusammengeführt, das den unterschiedlichen Standortbedingungen ebenso gerecht wird wie den besonderen Anforderungen der Gartendenkmalpflege.

Im Zentrum des Projekts steht die Entwicklung eines modular aufgebauten Parkmanagementsystems. Als praxisnahe Entscheidungshilfe wird dieses in Form einer webbasierten Anwendung bereitgestellt. Sie ist als flexibles „Baukastensystem“ konzipiert und ermöglicht es, Maßnahmen aus den Handlungsfeldern Boden, Wasser und Pflanze standortbezogen miteinander zu kombinieren und an unterschiedliche Ressourcen sowie denkmalpflegerische Anforderungen anzupassen.

Das Managementsystem verbindet das Erfahrungswissen der Gärtnerinnen und Gärtner mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und innovativen technischen Möglichkeiten. Ziel ist es, bewährte Pflegemaßnahmen gezielt in geschlossene Stoffkreisläufe einzubinden und natürliche Prozesse – etwa durch die Wiederverwertung organischer Reststoffe, die Erhöhung des Wasserrückhalts oder die gezielte Förderung der Naturverjüngung – noch stärker in die Pflegepraxis einzubeziehen. Einzelmaßnahmen werden dadurch nicht länger isoliert betrachtet, sondern als aufeinander abgestimmte Bausteine eines widerstandsfähigen Managementsystems.

Prof. Dr. Christoph Martin Vogtherr, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösserverwaltungen und Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg: „Die Frage, wie historische Gärten und Parks trotz der Folgen des Klimawandels langfristig erhalten werden können, gehört für uns zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Vielerorts sind die Auswirkungen bereits deutlich sichtbar. Umso wichtiger ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse, das über Generationen gewachsene Erfahrungswissen unserer Gärtnerinnen und Gärtner sowie innovative Lösungsansätze zusammenzuführen, damit wir dieses einzigartige Kulturerbe auch für kommende Generationen bewahren können.“

Cord Panning, Mitglied des Vorstands der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösserverwaltungen sowie Geschäftsführer und Parkdirektor der Stiftung "Fürst-Pückler-Park Bad Muskau": „Unser Ziel ist ein ganzheitlicher Ansatz für das Management historischer Gärten. Je mehr fachlich fundierte Stellschrauben den Parkverwaltungen zur Verfügung stehen, desto besser können sie auf die unterschiedlichen Auswirkungen des Klimawandels reagieren.“

Das Kolloquium in Potsdam markiert einen weiteren Meilenstein der interdisziplinären Zusammenarbeit. Die dort gemeinsam erarbeiteten Ergebnisse bilden die Grundlage für die weitere Entwicklung eines integralen Managementsystems und leisten einen wichtigen Beitrag zur klimaresilienten und denkmalgerechten Pflege historischer Gärten.

 

Weitere Informationen:

•    Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösserverwaltungen – Über uns

•    Das Vorprojekt „Klimaanpassung für historische Gärten“ und die Broschüre

•    Informationen zum neuen DBU-Projekt 

Pressekontakt

Frank Kallensee
Generaldirektion

Pressesprecher

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