Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) saniert derzeit die Villa Liegnitz und den dazugehörigen Garten im Potsdamer Park Sanssouci. Ermöglicht wird die Instandsetzung durch das Sonderinvestitionsprogramm 2 (SIP2, Masterplan) für die preußischen Schlösser und Gärten, das der Bund sowie die Länder Brandenburg und Berlin bis 2030 zur Rettung bedeutender Denkmäler der Berliner und Potsdamer Kulturlandschaft aufgelegt haben. Die Sanierung der Villa begann nach der Untersuchungs- und Planungsphase im dritten Quartal 2021 und wird demnächst abgeschlossen. Die Gesamtbaukosten sind aktuell mit ca. 17,5 Millionen Euro zu beziffern.
Die Villa mit ca. 1.500 Quadratmetern Nettoraumfläche wird nach Abschluss der Gesamtsanierung von der SPSG als Verwaltungsgebäude genutzt. Geplant ist die Unterbringung der Generaldirektion und der Generalverwaltung mit rund 70 Büroarbeitsplätzen. Der Bezug der Villa erfolgt im Spätsommer 2026.
Baugeschichte
Die repräsentative Villa Liegnitz befindet sich im südöstlichen Teil des Parks Sanssouci in direkter Nachbarschaft zum Marlygarten. Der Schinkel-Schüler Albert Dietrich Schadow (1797-1869) entwarf 1841 die Villa und ein Ökonomiegebäude als Witwensitz für Auguste Fürstin von Liegnitz (1800-1873), die zweite Ehefrau des preußischen Königs Friedrich Wilhelms III. (1770-1840), im Stil der italienischen Renaissance. Bereits 1877 wurde durch Reinhold Persius (1835-1912) ein Verbindungsgang zwischen den beiden Gebäuden errichtet. Die wesentliche bauliche Erweiterung, die für das heutige Erscheinungsbild des Ensembles prägend ist, erfolgte 1907/08. Der Architekt Otto Wittig errichtete für August Wilhelm Prinz von Preußen (1887-1949) einen zweigeschossigen Verbindungsbau mit hohem Sockelgeschoss. Die Villa blieb bis 1945 Wohnsitz August Wilhelms – bevor er als SA-Obergruppenführer vor der anrückenden Roten Armee floh. Das Haus wurde von1949 bis 2004 von der Pädagogischen Hochschule bzw. von der Universität Potsdam genutzt. Von 2004 bis 2016 waren hier Büros der SPSG untergebracht. Das Gebäude, der dazugehörige Garten und die Parkbauten waren stark sanierungsbedürftig.
Das Ensemble steht unter Denkmalschutz und gehört seit 1990 zur UNESCO-Welterbestätte „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“.
Projektumfang und Planungsaufgabe
Die Planungsaufgabe bestand im schwerpunktmäßigen Erhalt der historischen Gebäudesubstanz verbunden mit einer Wiederherstellung der verlorenen, aber nachweisbaren äußeren Bausubstanz aus der Umbauzeit der Jahre 1907/08. Die vorhandene Raumdisposition und Raumerschließung sollten nahezu unverändert bleiben.
Die Sanierung umfasste die vollständige Wiederherstellung der Fassaden, Dächer und Innenräume mit dem Ziel einer Büronutzung durch die SPSG. Außerdem sollten der dazugehörige Garten sowie die darin befindlichen Gartenarchitekturen instandgesetzt werden. Im Einzelnen wurden und werden folgende Bereiche bearbeitet:
- Fassaden und Dächer, einschließlich Loggien, Terrassen und Altan (Wintergarten),
- Innenräume (alle Etagen),
- technische Gebäudeausrüstung,
- 9.000 Quadratmeter Freianlagen im direkten Umfeld des Bauwerks.
Ausführungszeitraum
Die Bauarbeiten laufen und werden demnächst abgeschlossen. Im Spätsommer 2026 erfolgt der Einzug der künftigen Nutzerinnen und Nutzer der SPSG.
Wettbewerb Kunst am Bau
Aufgabe der SPSG ist nicht nur der Erhalt, sondern auch die Erforschung und Vermittlung der von ihr betreuten Bau- und Gartendenkmale. Die Planungen der Sanierungsmaßnahmen begleiteten deshalb vertiefte inhaltliche Auseinandersetzungen mit der komplexen Bau- und Nutzungsgeschichte der Villa Liegnitz. Im Ergebnis erinnert nun ein Kunstwerk im repräsentativen Haupteingangsbereich der Villa die Besuchenden an die Vergangenheit des Hauses.
Zu diesem Zweck wurde im Sommer 2023 ein offener Kunst-am-Bau-Wettbewerb ausgelobt, der als anonymer und zweiphasiger Realisierungswettbewerb durchgeführt wurde. Die Aufgabe war, ein Kunstwerk zu entwerfen, das eine kritische Beschäftigung mit dem Ort erkennen lässt und sowohl historische Brüche als auch geschichtliche Kontinuitäten herausarbeiten sowie Bezüge zur Gegenwart herstellen sollte. Bewusst offen gehalten war das Genre des Kunstwerks. Insofern waren die Einreichungen nicht nur inhaltlich, sondern auch formal sehr unterschiedlich.
In der ersten Wettbewerbsphase setzten sich aus 75 eingereichten Beiträgen fünf Entwürfe durch, die in der zweiten Phase überarbeitet und konkretisiert wurden. Am 16. April 2024 diskutierte das interdisziplinär und international besetzte siebenköpfige Preisgericht abermals die Entwürfe und vergab den ersten Preis an den Entwurf „Gespinst – ein virtueller Raum“, eine raumumfassende Wandbekleidung von der in Hamburg tätigen Künstlerin Ute Vorkoeper, einen zweiten Preis an das Wandbild mit dem Titel „Bildstörung“ von Andrea Knobloch aus Düsseldorf und einen dritten Preis an die wandhängende Installation „Ein deutsches Spiegelkabinett“ von Heinke Haberland, ebenfalls aus Düsseldorf. Für den erstplatzierten Entwurf sprach das Preisgericht eine Realisierungsempfehlung aus, der die SPSG gefolgt ist.
Zum prämierten Entwurf von Ute Vorkoeper urteilte die Jury: Das Werk evoziert auf eindrucksvolle Weise die Rolle der Villa im Machtgefüge des Nationalsozialismus und die enge Kooperation des Prinzen August Wilhelm mit dem Regime. Die Form des „Gespinstes“ überträgt die Verflechtungen, aus denen sich der Prinz, wie die meisten Deutschen, nicht befreien wollte. Das Aufscheinen des historischen sogenannten Hitlergrußes im unteren Wandbereich verortet den Prinzen zwischen dienender Position und Überzeugung. Die gestalterische Umsetzung dieser politischen Konstellation in einem beeindruckenden Raum überzeugte die Jury.
Alle fünf Arbeiten der zweiten Wettbewerbsphase sind bis zum Abschluss der Sanierungsarbeiten unter www.spsg.de/kunstwettbewerb-villa-liegnitz auf der Website der SPSG zu sehen, ergänzt durch Erläuterungen der Künstlerinnen und Künstler sowie Beurteilungstexte des Preisgerichts.
Das Sonderinvestitionsprogramm (Masterplan)
Mit dem zweiten Sonderinvestitionsprogramm für die preußischen Schlösser und Gärten (SIP 2, Masterplan) retten der Bund (Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien) sowie die Länder Brandenburg (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur) und Berlin (Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt) wesentliche Denkmäler der Berliner und Potsdamer Schlösserlandschaft vor dem Verfall. Das Abkommen sieht vor, dass die SPSG bis 2030 insgesamt 400 Millionen Euro in die Rettung nationaler Kulturgüter zusätzlich investieren kann. Der Bund trägt 200 Millionen Euro (50 Prozent) bei, das Land Brandenburg 131 Millionen Euro (33 Prozent) und das Land Berlin 69 Millionen Euro (17 Prozent).