Am 10. März 2026 jährte sich der Geburtstag der Königin Luise von Preußen zum 250. Mal. Für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) ist das Jubiläumsjahr der Anlass, im Schloss Paretz, einem bevorzugten Aufenthaltsort der Königin, die Dauerausstellung in der Saison 2026 um eine kleine Präsentation zur Begegnung des Kaisers der Franzosen Napoleon I. (1769-1821) und Luises (1776-1810) in Tilsit am 6. Juli 1807 zu erweitern. Sie wird in drei Schlossräumen, dem Vestibül, dem Billardzimmer und dem Gartensaal sowie in der Remise gezeigt. Die Ausstellung ist ein Angebot im Rahmen des diesjährigen Themenschwerpunkts „Kunst | Politik“ der SPSG.
Verheerende Niederlage
Die Geschichte beginnt mit Preußens Selbstüberschätzung. 1805 glaubten König Friedrich Wilhelm III. (1770-1840), seine Gefolgsleute, die Minister Karl August von Hardenberg (1750-1822) und Christian von Haugwitz (1752-1832), fast alle Generäle, gegen Napoleons Ausgreifen in Europa auch ohne Verbündete bestehen zu können. Sie sprachen sich dafür aus, gegen Frankreich Krieg zu führen. Auch Königin Luise stimmte für den Kampf gegen „das Ungeheuer Napoleon“. Als aber Russland und Österreich Preußen baten, mit ihnen gemeinsam gegen den Kaiser der Franzosen und sein Heer zu ziehen, lehnten der König und die Verantwortlichen in Berlin ab. Napoleons Sieg bei Austerlitz am 2. Dezember 1805 war die Folge. Und auf sich alleine gestellt, verlor Preußen am 14. Oktober 1806 bei Jena und Auerstedt den Krieg gegen Napoleon und seine Soldaten.
Die königliche Familie floh daraufhin nach Ostpreußen bis Memel (heute Klaipeda in Litauen). Sie begab sich in den Schutz Russlands, ebenso ein kleiner Teil der preußischen Armee. Die nachsetzende französische Armee zwang die russischen und preußischen Truppen, Frieden zu suchen. Diese Gespräche fanden vom 25. Juni bis 9. Juli 1807 in Tilsit (heute Sowetsk in Russland) auf einem Floß auf der Memel zwischen Napoleon und dem russischen Zaren Alexander I. (1777-1825) statt. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen durfte daran nicht teilnehmen. Er musste vom Ufer aus zuschauen, wie über, aber nicht mit Preußen gesprochen wurde. Das war reine Machtpolitik. Napoleon und Alexander teilten den europäischen Kontinent auf.
Königin Luise, von der ein Hut, eine Schute, sowie ein fein gearbeitetes Brillant-Ohrgehänge in originalem Etui gezeigt werden, sollte Napoleon geneigter machen und milde Friedensbedingungen für Preußen bewirken. Sie wurde deshalb von Staatsminister Hardenberg und ihrem Mann Friedrich Wilhelm III. zu Napoleon geschickt. Das war eine seltsame Idee, denn die Voraussetzungen waren schlecht. Napoleon hatte die preußische Königin in den Bulletins der Grande Armée absichtlich angegriffen und öffentlich beleidigt. Er hatte über Luises Aussehen gespottet, das den Preußen ebenso Verderben gebracht habe wie die Schönheit Helenas den Trojanern. Sie sei „eine Frau mit einer sehr hübschen Figur, aber wenig Geist und unfähig, die Konsequenzen dessen zu sehen, was sie tut“. Sie habe Blut gewollt, und Blut sei geflossen.
Legende vom „Opfergang“
Am 7. Juli trafen der französische Kaiser und die preußische Königin aufeinander. Von den Einzelheiten des Gesprächs wissen wir nur, dass Napoleon nicht über Politik sprechen wollte. Luises eigene Aufzeichnungen enden in dem Moment, da sie vom Kaiser empfangen wird. Alles andere ist Hörensagen. Das Zusammentreffen von Kaiser und Königin blieb politisch bedeutungslos. Napoleon gestand nichts zu. Luise sei lediglich „Hardenbergs Papagei“, soll er hinterher gesagt haben.
Das Tilsiter Zusammentreffen von Luise und Napoleon ist in Preußen sogleich schöngeredet worden. Die borussisch-patriotische Geschichtsschreibung hat aus der Begegnung die herzwärmende Heldengeschichte vom „stolzen Opfergang“ der Königin verbreitet, um die ganze Vergeblichkeit vergessen zu machen. In den bildlichen Darstellungen des Treffens erscheint Luise daher immer in der Unschuldsfarbe Weiß, bittend, moralisch überlegen, mit Märtyrerzügen, während Napoleon herrisch, noch mit Reitgerte und Hut in der Hand dargestellt wird. Mutig sei die Königin dem Kaiser gegenübergetreten und hätte durch ihr energisches Auftreten große Teile des Landes dem Staat erhalten. Sie hätte Preußen gerettet. Doch das entsprach nicht der Wirklichkeit.
Legenden und Bilder, wie sie das ausgestellte und seinerzeit sehr populäre Buch „50 Bilder von der Königin Luise“ verbreitete, beherrschen jedoch bis heute das Andenken. Die kleine Präsentation in Paretz stellt das Treffen in Tilsit aufgrund der Tatsachen und jenseits des Mythos am Beispiel ausgewählter Objekte dar.
Themenschwerpunkt „Kunst | Politik“
Mit dem Themenjahr „Kunst | Politik“ richtet die SPSG 2026 den Blick auf das Verhältnis von Kunst, Macht und politischer Inszenierung. Neben der Sonderpräsentation „Ungeheuer trifft Papagei“ in Paretz prägen zwei weitere zentrale Vorhaben das Programm: die erweiterte Dauerausstellung „Kunst – Menschen – Macht“ im Berliner Schloss Schönhausen und „h300“, das vielfältige Jubiläumsprogramm zum 300. Geburtstag von Prinz Heinrich von Preußen (1726-1802) in und um Rheinsberg.
Ergänzt werden diese Schwerpunkte durch zahlreiche Veranstaltungen in den Schlössern und Gärten der Stiftung – darunter Führungen, Gespräche, Konzerte und Vermittlungsangebote, die unterschiedliche Aspekte des Themenjahres aufgreifen. Dabei werden zentrale Fragen neu gestellt: Wie stellten sich etwa preußische Herrscherinnen und Herrscher in Porträts, Gartenanlagen oder Festinszenierungen dar? Welche Geschichten wurden bewusst erzählt – und welche blieben im Verborgenen? Und was geschieht, wenn politische Macht darüber entscheidet, was als Kunst gelten darf?
Das gesamte Programm wird fortlaufend erweitert und ist online unter spsg.de/kunst-politik zu finden.