Dank der großzügigen Unterstützung durch die Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e. V. in Höhe von 130.000 Euro kann die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg (SPSG) am 26. März 2026 die Baumschule am Ruinenberg im Potsdamer Park Sanssouci einweihen. Das ein Hektar große Areal wurde seit 2024 entsprechend vorbereitet (Kampfmittelberäumung, Entfernung unerwünschten Aufwuchses und Bodenverbesserung). Zudem konnte eine kaiserzeitliche Brauchwasserleitung reaktiviert, das Gelände eingezäunt, eine Zufahrt errichtet und eine Grundausstattung mit Bauwagen und gärtnerischem Gerät angeschafft werden. Erste Aussaaten und Baumpflanzungen sind ebenfalls schon erfolgt.
„Für die Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten ist das Engagement für die Baumschule eine Herzensangelegenheit", sagt Frau Dr. h. c. (NUACA) Barbara Schneider-Kempf, Vorsitzende der Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten. „In den vergangenen Jahren sind die Folgen des Klimawandels für jeden, der sie sehen will, offensichtlich geworden. Diesem Verlust mit der Baumschule etwas entgegenzusetzen und damit die Gärten zukunftsfähig zu machen, ist ein Projekt, dass Hoffnung macht. Die Förderung der Baumschule ist ein erster, aber entschiedener Schritt der Freunde, den Folgen des Klimawandels entgegenzuwirken.“
„Wie die historischen Parkanlagen trotz der Auswirkungen des Klimawandels auch in Zukunft erhalten werden können, ist zu einer zentralen Frage geworden“, sagt SPSG-Generaldirektor Prof. Dr. Christoph Martin Vogtherr. „Allein hier im Park Sanssouci sind heute 80 Prozent der Gehölze geschädigt, und wir müssen davon ausgehen, dass sich dies in den kommenden Jahren fortsetzen, wahrscheinlich noch beschleunigen wird. Der Erhalt der Welterbe-Gärten für die internationale Gemeinschaft ist und bleibt darum die größte Herausforderung für unsere Generation. Sich dieser Herausforderung zu stellen, erfordert Mut. Und was uns ermutigt, ist das in Jahrhunderten gewonnene Erfahrungswissen unserer Gärtnerinnen und Gärtner, sind die Ergebnisse von Forschungsprojekten, an denen sich unsere Stiftung beteiligt hat, und nicht zuletzt ein großartiges bürgerschaftliches Engagement. Ich danke deshalb ausdrücklich den Freunden der Preußischen Schlösser und Gärten e. V., die die Einrichtung dieser Baumschule ermöglicht haben. Es geht um die Bewahrung der Schönheit unserer Gärten und diese Baumschule wird nun einer der Orte sein, an dem wir uns darum energisch kümmern werden.“
Sichtbare Verluste
Die Potsdamer Parkanlagen der SPSG haben sich in den vergangenen Jahren massiv verändert. Nachdem es 2018 nur 360 Millimeter pro Quadratmeter regnete und der Jahresniederschlag 2022 mit 404 Millimetern ebenfalls weit unter dem jährlichen Niederschlagsmittel von ca. 600 Millimetern blieb, starben und sterben hunderte Bäume ab. Auch die Prognosen der Potsdamer Klimaforschungsinstitute sind kein Anlass zur Entwarnung: In der kommenden Dekade sind mindestens drei weitere Dürresommer in Berlin und Brandenburg zu erwarten.
Diesen extremen Verhältnissen können sich die vorhandenen – bislang park- und landschaftsprägenden – Altbäume nicht mehr anpassen. Die Verluste sind schon heute unübersehbar. Bislang geschlossene Parkbilder verschwinden und werden für einen langen Zeitraum nicht mehr erlebbar sein.
Trainierte Bäume
Durch langjährige Forschungen in Gehölzbeständen des Parks Sanssouci hat sich erwiesen, dass vor Ort angezogene Bäume eine höhere Resilienz gegenüber sich weiter verschärfenden Klimabedingungen entwickeln. Aus diesem Grund hat sich die SPSG für die Wiedereinrichtung und Rekultivierung der ehemaligen königlichen Baumschule am Ruinenberg entschieden und eine Baumschulistenstelle geschaffen. Damit wird eine Tradition wieder aufgegriffen, an deren Beginn der bedeutende Gartenschöpfer Peter Joseph Lenné (1789-1866) stand. 1842 wurde die Königliche Gärtnerlehranstalt gegründet und bis 1903 am Neuen Palais und am Ruinenberg betrieben. In der nun wiederentstehenden Baumschule sollen die bisherigen praktischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse sukzessive erweitert werden.
Für Anzuchten wird zunächst das reiche Gehölzsortiment in den Potsdamer Parkanlagen genutzt. Nach den besten Vitalitätsstufen selektiert und vermehrt, sind die so kultivierten Gehölze resilienter als externe Baumschulware. Die gezielte Vermehrung autochthoner Gehölze sorgt für eine größere Widerstandsfähigkeit in Hitze- und Dürreperioden. Am selben Standort angezogen, kultiviert und verpflanzt, werden die Bäume und Sträucher in der Baumschule speziell auf die hiesigen kargen Böden trainiert. Darüber hinaus wird durch spezielle Selektion einzelner Arten und Gattungen die Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten verringert.
Parallel werden ausländische Gehölze, deren Habitus einheimischen ähnelt, kultiviert. So entspricht etwa das Erscheinungsbild der in Südeuropa verbreiteten Zerreichen (Quercus cerris) dem unserer Stiel- und Traubeneichen (Quercus robur und Quercus petraea). Der Einsatz solcher Pflanzen wird im Rahmen eines Monitorings erforscht. In Versuchsreihen mit anderen südeuropäischen Gehölzen in der Parkgärtnerei des Parks Sanssouci konnten Zerreichen und Esskastanien bereits erfolgreich angezogen werden. Wichtig ist hier die Provenienz des vermehrten Saatgutes. Aktuell ist davon auszugehen, dass Saatgut ausländischer Gehölze aus der unmittelbaren Umgebung resilienter als aus den ursprünglichen Herkunftsgebieten eingeführtes Saatgut ist.