In Berlin leben rund 65.000 Menschen mit Demenz. Viele von ihnen können bislang nur eingeschränkt am kulturellen Leben teilhaben – nicht aus mangelndem Interesse, sondern weil passende Angebote fehlen. Mit dem neuen Format „Mehr (er)leben“ setzen die Malteser in Berlin ein starkes Zeichen für kulturelle Teilhabe von Menschen mit Demenz. Ziel ist es, Kulturorte für ihre Bedürfnisse zu sensibilisieren und konkrete, demenzfreundliche Angebote zu entwickeln.
Ein wichtiger Meilenstein dieses Projekts ist die neue, speziell entwickelte Führung im Schloss Charlottenburg, die heute in Kooperation mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) gestartet ist. Sie richtet sich gezielt an Menschen mit Demenz und ihre Begleitpersonen und schafft in rund 60 Minuten einen geschützten Raum für gemeinsames Erleben.
„Die sinnliche Erfahrung ist der zentrale Unterschied zu klassischen Führungen“, sagt Christine Gruschka, Kulturpädagogin und Projektkoordinatorin bei den Maltesern. „Wir sprechen bewusst mehrere Sinne an wie Sehen, Hören, Tasten, Riechen. Das fördert Erinnerungen, ermöglicht Teilhabe und stärkt vorhandene Fähigkeiten. Menschen mit Demenz bleiben so aktiv eingebunden.“
Gleichzeitig gehe es immer auch um die Beziehungsebene: „Das gemeinsame Entdecken im Schloss stärkt die soziale Interaktion und die Beziehung zwischen Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen. Begleitpersonen erleben Entlastung und Unterstützung, weil sie in einem wertschätzenden Umfeld neue Formen der Kommunikation und Nähe erleben“, erklärt Projektkoordinatorin Stefanie Knebelspieß von den Maltesern.
Im Mittelpunkt der Führung steht Königin Sophie Charlotte. Eine Darstellerin führt persönlich durch ausgewählte Räume und in den Schlossgarten. Kurze, lebendige Erzählungen ersetzen dichte historische Faktenvermittlung. Düfte wie Rosmarin und Lavendel, das Fühlen von Damaststoffen oder das Hören höfischer Musik eröffnen Zugänge über Erinnerungen und Emotionen. Wer möchte, kann sich beim Tanz mit Fächern beteiligen, alles im eigenen Tempo und nach individuellen Möglichkeiten.
„Wir freuen uns, mit diesem besonderen Format neue Besucher:innengruppen im Schloss Charlottenburg willkommen zu heißen“, betont Julia Hagenberg, Direktorin für Bildung und Marketing bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. „Unser Anspruch ist es, Geschichte so zu vermitteln, dass sie Menschen berührt, einbezieht und echte Teilhabe ermöglicht. Kulturorte wie das Schloss sollen Räume sein, in denen sich unterschiedliche Perspektiven begegnen und alle Besucher:innen die Möglichkeit haben, sich aktiv mit Geschichte auseinanderzusetzen. Teilhabe bedeutet für uns, Barrieren abzubauen, Zugänge zu schaffen und kulturelles Erbe gemeinsam erfahrbar zu machen – offen, dialogisch und auf Augenhöhe.“
Möglich wird das Projekt „Mehr (er)leben“ durch eine Förderung in Höhe von 204.000 Euro aus Mitteln der Deutschen Fernsehlotterie, die bundesweit soziale Vorhaben unterstützt. Auch die Stiftung Berliner Sparkasse fördert das Projekt.
Der Malteser Hilfsdienst bringt umfangreiche Expertise aus der Demenzarbeit ein. Bereits erfolgreich umgesetzt wurden unter anderem Erzählführungen im Museum für Naturkunde, spezielle Führungen durch den Berliner Zoo sowie angepasste Konzertformate.
Erinnern. Erleben. Mitmachen – Sophie Charlotte lädt in ihr Schloss
Führung der Malteser für Menschen mit Demenz
14. April, 19. Mai, 22. September und 3. November, jeweils 14 Uhr
Schloss Charlottenburg – Altes Schloss, Spandauer Damm 10-22, 14059 Berlin, Treffpunkt: Gruppenkasse im Ehrenhof
Die Teilnahme an der Führung ist kostenlos, vor Ort ist aber der Eintrittspreis für das Alte Schloss zu zahlen: 12 €, ermäßigt 8 €
Anmeldung: 030.348003221 oder demenzkultur.berlin(at)malteser.org
Die Veranstaltung ist barrierefrei.
Pressekontakt
Diana Bade
Malteser Hilfsdienst e. V. Berlin
Tel.: 0151/176 343 24
E-Mail: diana.bade(at)malteser.org
www.malteser-berlin.de