"Im Vorfeld des 300. Geburtstags Friedrichs des Großen, den die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) mit verschiedenen Veranstaltungen in 2012 würdigen wird, steht die 2004 begonnene umfassende Restaurierung des Vorsaals zur ehem. kronprinzlichen Wohnung – auch Rittersaal genannt – im Schloss Rheinsberg vor ihrem Abschluss. Ab Ostern 2010 können die Besucher des Schlosses den Vorsaal wieder in seiner frühen friderizianischen Raumdekoration erleben, die bereits vor über 200 Jahren verloren ging.
Der Vorsaal gehört zu den wenigen noch erhaltenen friderizianischen Räumen im Schloss Rheinsberg. Er wurde auf Veranlassung des Kronprinzen Friedrich im Obergeschoss des Corps de Logis der Schlossanlage um 1737 eingerichtet. Zusammen mit dem benachbarten Treppenhaus bildete der Saal den Entreebereich der Kronprinzenwohnung. Südlich des Vorsaals schlossen sich die Wohnräume der Kronprinzessin Elisabeth Christine an, die jedoch bereits mit dem Einbau des Muschelsaals 1769 verloren gingen.
Ein überraschendes Ergebnis der umfassenden restauratorischen Befunduntersuchungen war das Auffinden der ersten Raumfassung, die – wie für diese frühe kronprinzliche Erbauungszeit in der Ausstattung der Schlossräume üblich – als gemalte Interimsfassung in einer Leimfarbentechnik direkt auf den Wänden zum Vorschein kam.
Erst im Krönungsjahr 1740 ließ Friedrich den Vorsaal mit einer Boiserie mit Marmorimitationen, dem Deckenbild als zentrales raumprägendes Motiv (Antoine Pesne, Mars und Venus) und den acht Pfeilerspiegeln ausschmücken. Die Spiegel waren mit vergoldeten Schnitzrahmen und Trophäengehängen, vermutlich vom Holzbildhauer Johann Carl Scheffler nach Entwürfen von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff gefertigt, verziert. Das Deckengemälde von Antoine Pesne zeigt eine Darstellung von Mars und Venus.
Prinz Heinrich, der das Schloss 1744 von Friedrich als Geschenk erhielt, ließ diesen Raum zunächst unverändert. So beschreibt der Bauintendant Carl Wilhelm Hennert 1778 den Vorsaal als ein "...ungemein schönes Vorzimmer, welches noch unverändert, so wie es der Kronprinz hat machen lassen..." Erst Ende des 18. Jahrhunderts ließ der Bruder Friedrichs des Großen die Wandverkleidungen und Türen übermalen. Der kronprinzliche Dielenfußboden wurde mit Tafelparkett überdeckt.
Die dem Zeitgeschmack entsprechend schlichtere weiße Farbfassung blieb bis Anfang des 20. Jahrhunderts erhalten. Danach wurde die gesamte Raumfassung mehrfach renoviert und das Erscheinungsbild des Raumes immer unansehnlicher. Das Wissen über die bauzeitliche Farbgestaltung des Saals ging verloren. In den 1950er und 1960er Jahren wurde dann auch das Deckengemälde überarbeitet, so dass das originale Erscheinungsbild beeinträchtigt wurde. Dennoch bemühten sich die Denkmalpfleger stets um die Sicherung der historischen Substanz. So wurden 1990/91 Sicherungsmaßnahmen am Deckengemälde durchgeführt, da dieses Risse und abblätternde Malschichten aufwies.
Weit über eine Million Besucher konnten den Saal seit Eröffnung des Museumsschlosses 1991 nur mit dieser notdürftigen Sicherung des Deckenbildes bis 2004 erleben. Der Schwerpunkt der Restaurierungsarbeiten in den 1990er Jahren bildete die weitestgehende Wiederherstellung jener Schlossräume, die durch Prinz Heinrich geprägt waren und schließlich in der Wiedereröffnung der Sommerwohnung im Rahmen der Ausstellung anlässlich des 200. Todestages des Prinzen Heinrich im Jahre 2002 gipfelte.
Die Restaurierung des Vorsaals war mit Beginn der restauratorischen Voruntersuchungen seit 2004 ein Hauptschwerpunkt der seit 1991 kontinuierlich durchgeführten umfassenden Restaurierungsarbeiten der Schlossräume. Die ersten Arbeiten setzten bereits 1995 mit der Befundung und Sicherung des Deckenbildes ein. Mit der "Wiederentdeckung" der friderizianischen Raumfassung und dem Auffinden des kronprinzlichen Dielenfußbodens (das Tafelparkett aus dem 18. Jh. wurde mit Neuverlegung eines Stabparkettbodens in den 1960er Jahren vernichtet) entschied die sich SPSG für die Wiederherstellung der friderizianischen Farbigkeit des Schlossraumes, wobei Teile dieser Fassungen freigelegt und andere rekonstruiert wurden, um große Teile der Farbfassung der Zeit des Prinzen Heinrich zu erhalten.
Auf die Rekonstruktion der Trophäengehänge vor den Spiegelflächen und den Bekrönungen über den Fenstern wurde verzichtet. Die Fehlstellen sind somit ein Zeugnis für die vielen Verluste, die im Schloss nach 1945 zu beklagen waren. Um die Rahmung der Spiegelflächen wieder mit dem unteren Muschelmotiv schließen zu können, wurden die Muscheln nach dem Vorbild der einen noch erhaltenen rekonstruiert. Die Vergoldung kann erst nach Akklimatisierung des Holzes zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Die Spiegelgläser wurden erstmalig im Schloss wieder mit neu gefertigten Spiegelgläsern in der traditionellen Fertigungsmethode des 17./18. Jahrhunderts hergestellt (Quecksilber-Zinn-Amalgam-Spiegel, Ausführung nach dem Vorbild der Rekonstruktion der Spiegelgläser im Grünen Gewölbe im Dresdener Residenzschloss).
Die bereits zur kronprinzlichen Ausstattung des Saales gehörenden Bildnisse von König Friedrich Wilhelm I. und Königin Sophie Dorothea (um 1737) von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff sind nun wieder Bestandteil der Ausstattung des Vorsaals.
Die Kosten der Restaurierung belaufen sich auf rund 375.000 Euro und wurden aus Mitteln des Bundes und der Länder Berlin und Brandenburg finanziert."