Egeria-Grotte fertig gestellt

Der Rheinsberger Schlossgarten erhält nach Abschluss der Instandsetzungsarbeiten reizvolle Parkarchitektur zurück

"Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) kann die Instandsetzungsarbeiten der Egeria-Grotte im Schlossgarten Rheinsberg Dank großzügiger finanzieller Hilfe der Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten abschließen.

Die Grotte der "Egeria" im Schlossgarten Rheisberg wurde um 1790 für den Prinzen Heinrich errichtet und mit einer Figur der Nymphe Egeria aus "gebranntem Ton" geschmückt.

Schon bald nach dem Tode des Prinzen setzte der Verfall der Grotte ein. Das große Grottengewölbe stürzte um 1900 ein, und da auch der gewölbte Zugang einzustürzen drohte, wurden Eingang und Fenster vermauert und der Gang verfüllt. Bei Sicherungsarbeiten in den 1980er Jahren wurde das Grottengewölbe nicht wieder aufgeführt.

2006 begann die SPSG mit den Instandsetzungsarbeiten. Bei den Voruntersuchungen in Archiven und am Bauwerk wurden bislang unbekannte Fotos vom Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt, die noch das intakte Grottengewölbe zeigen. Die archäologischen Voruntersuchungen konnten den noch aus der Erbauungszeit erhaltenen Uferverbau des vorgelagerten Teiches nachweisen und die Fundamente des oberhalb der Grotte gelegenen Bacchustempels freilegen. Ebenso wurden bereits bei den Voruntersuchungen erste Überreste der einstigen Dekoration des Grottenraumes (Grottierwerk) gefunden wie Marmorstücke, farbige Glassteine und weiße Terracotta-Muschlen in verschiedenen Größen.

Aufgrund der dichten Befundlage musste bei den folgenden Instandsetzungsarbeiten der Grotte mit äußerster Vorsicht vorgegangen werden. Zuerst galt es, die Ursachen für den fortschreitenden Verfall zu beseitigen: Der Erddruck, der von dem anstehenden Hang auf das Gebäude lastete und die Mauern verdrückt hatte, wurde mittels steingefüllter Drahtgitterkörbe (Gabione) abgefangen, die hinter der Grotte als Stützbauwerk in den Hang gesetzt wurden. Das erdberührende Mauerwerk wurde saniert und gegen eindringende Feuchtigkeit gedichtet. Danach konnte der Grottengang von der Verfüllung beräumt werden. Das Verfüllmaterial wurde vollständig gesiebt, da sich auch hierin Reste des ehemaligen Grottierwerks fanden.

Die Entscheidung, den Grottenraum wieder mit einem Tonnengewölbe zu schließen und die Flügelmauern in ihrer ursprünglichen Höhe aufzuführen, wurde vor allem mit der besseren Fernwirkung der Grotte begründet, die als Blickpunkt am Ende der großen Querallee liegt. Für das neue Gewölbe sprachen aber auch statische Gründe, da es den Grottenwänden zusätzliche Stabilität gibt. Da über die genaue Dekoration des Grottenraumes außer Inventarbeschreibungen und die jüngsten Materialfunde nichts bekannt ist, wurde auf eine weitergehende Oberflächengestaltung verzichtet. Die restauratorische Befundung konnte lediglich nachweisen, dass die Gewölbe- und Mauerwerksflächen mindestens geschlemmt waren, so dass die neu aufgeführten Backsteinoberflächen mit einem dünnen Putz überzogen wurde.

Das denkmalpflegerische Konzept zur Instandsetzung der Egeria-Grotte begrüßte schon mit der Entscheidung zur Wiederherstellung der ursprünglichen Grottenraumgeometrie langfristig das Aufstellen einer Ersatzfigur anstelle der verschollenen Egeria-Figur. Da aber über die Originalfigur wenig bekannt war, wurde die weitere Gestaltung offen gelassen.

Um so sensationeller war es, als im Zuge der Wiederherstellung des Uferverbaus vor dem Grottenraum imSeptember 2007 Fragmente, unter anderem der Kopf, der verschollen geglaubten Figur der Egeria aus dem Schlamm gezogen werden konnten. Der Fund war insofern eine Sensation, als bisher keine historischen Darstellungen der Grotte mit der Egeriafigur bekannt sind und das Aussehen der Figur nicht mit ausreichender Sicherheit ermittelt werden konnte.

Die Rekonstruktion der beiden Brücken konnte die SPSG ebenfalls in den letzten Wochen abschließen.

Die Gesamtkosten für die Sanierung der Egeria-Grotte beliefen sich auf 470.000 Euro. Dank der Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten, die das Projekt mit einer Zuwendung von 160.000 Euro unterstützten, konnte das bedeutsame Architekturensemble zurück gewonnen werden.

Die Schlossfassaden

Neben der Egeria-Grotte kann die SPSG nach siebenjähriger Bauzeit die Fassadensanierung von Schloss Rheinsberg vollenden. Die Sanierung des Schlossdaches wurde bereits in 2007 fertiggestellt. Nachdem im vergangenen Herbst die letzten Gerüste gefallen waren, wurden in diesem Frühjahr zuletzt die Sockelzonen instandgesetzt und das Pflaster des Schlosshofes nach den Abdichtungs- und Drainagearbeiten an der Kolonnade neu verlegt.

Der Zustand der Schlossfassaden vor Abnahme und Wiederherstellung der Putzflächen ließ nicht vermuten, dass bis 1976 große Teile des Fassadenputzes erneuert wurden. Erstmalig konnte damals die bauzeitliche kronprinzliche Fassung mit einem Ockerton und den grau abgesetzten Architekturelementen nachgewiesen werden, die auch ausgeführt wurde. Obwohl die zuständige Denkmalbehörde anfangs einen mineralischen Anstrich gefordert hatte, wurden Dispersionsfarben verwendet. Dieses nicht diffusionsoffene Anstrichsystem führte kurz darauf zu ersten Putzschäden.

In Vorbereitung auf die folglich wieder notwendige Instandsetzung wurden ab 1994 alle Fassaden erneut untersucht, um technologische Festlegungen für den Umgang mit den vorhandenen Putzen treffen zu können und das künftige Farbkonzept neu zu entscheiden. An allen Fassaden konnten Putze und Farbgebung aller bauzeitlichen Phasen nachgewiesen werden, wobei sich barocke Fassungen vorwiegend an nicht exponierten Fassadenteilen in der Regel an Gesimsen, Faschen und anderen Architekturelementen erhielten. Der in den 1970er Jahren angetragene zementhaltige Fassadenputz wurde entfernt, frühere Putze und Stuckelemente sind gefestigt und überarbeitet worden. Insgesamt konnten sieben Farbfassungen nachgewiesen werden, wobei die ersten vier - als Kalkfarbenanstriche ausgeführt - die baugeschichtlich bedeutenderen sind.

Bei den Sanierungsarbeiten kam nunmehr wiederum ein Kalkanstrich zur Anwendung, der in historischer Technik nass in nass ("al fresco") auf den noch frischen Kalkputz aufgetragen wurde, jedoch nicht mehr in der kronprinzlichen, sondern in der dritten Farbgebung, die das Schloss nach dem Anfügen der Pavillons unter Prinz Heinrich erhielt.

Die Gesamtkosten der Fassadensanierung belaufen sich auf 2,5 Mio. Euro. Die Dr. Meyer-Struckmann-Stiftung hatte 2001 die Instandsetzung der Hoffassaden mit 500.000 DM unterstützt.

Ausblick Arbeiten an der Stadtmauer

Die Sanierungsarbeiten im Bereich der Rheinsberger Liegenschaft, die in diesem Jahr zur Ausführung kommen, konzentrieren sich auf das Umfeld des Schlosses. Sie umfassen, neben einer Reparatur des Uferverbaus auf der Schlossinsel und der Befestigung des Marstallhofs auch die Sanierung der Stadtmauer entlang der Rehbucht. Hier wird eine statische Sicherung des mittelalterlichen Feldsteinmauerwerks durchgeführt sowie eine Konservierung der stark geschädigten Ziegelmauer am Marstall. Dieses unter Prinz Heinrich errichtete Bauwerk zeigt auf der schlossabgewandten Seite zum ehemaligen Manegenhof eine aufwändig gestaltete Nischenarchitektur, die noch in Fragmenten erhalten ist und nun dauerhaft gesichert werden soll.

Sämtliche Sanierungsmaßnahmen werden bauforscherisch und archäologisch begleitet, wodurch neue Erkenntnisse zur Bau- und Entwurfsgeschichte des Schlosses und der umgebenden Bauwerke gewonnen werden."

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