Jahrespressegespräch – Bilanz 2020

Lockdown – Wiedereröffnung – Lockdown

Die Corona-Pandemie hatte 2020 erhebliche Auswirkungen auf die Arbeit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG). Erstmals in ihrer 25-jährigen Geschichte musste sie vom 13. März 2020 an alle Schlösser über einen längeren Zeitraum schließen und sämtliche Veranstaltungen absagen. Entschieden hatte das die Stiftung in Abstimmung mit ihren drei Zuwendungsgebern – dem Bund sowie den Ländern Brandenburg und Berlin – am 12. März 2020, um einen Beitrag zur Eindämmung des gefährlichen Virus zu leisten. Unmittelbar darauf wurden aber auch schon Szenarien für eine Wiedereröffnung unter den geltenden Hygienevorschriften erarbeitet. Dabei stand die SPSG in engem Austausch mit den Zuwendungsgebern sowie anderen Schlösserverwaltungen und Museen.

Den behördlichen Vorgaben entsprechend wurde für den 12. Mai 2020 ein „Soft-Opening“ mit dem Ziel festgelegt, schnellstmöglich wieder ein Besuchsangebot machen zu können. In einem ersten Schritt wurden Schlösser geöffnet, die ausreichend Raum für die geforderte Personenvereinzelung und die Umsetzung der Hygienevorschriften boten. Weitere Kriterien waren:

  • Ausflugs- und Besichtigungsziele für die Menschen in der Region zu bieten,
  • besondere Besuchsanreize zu nutzen (z. B. die Ausstellung „Machtmensch. Familienmensch. Der Große Kurfürst“ in Caputh und Oranienburg),
  • sowohl große als auch kleine Häuser an Standorten im Land Brandenburg sowie in Potsdam und Berlin zu berücksichtigen.

Aus den Erfahrungen dieser ersten Öffnung und der fortwährenden Beobachtung der Pandemie-Entwicklung wurden weitere Schlösser für eine Öffnung geprüft. In der zweiten Runde waren u. a. die personellen Möglichkeiten der Fridericus Servicegesellschaft mbH (FSG) ein entscheidender Faktor. Gleichzeitig sollte ein Angebot für den – sehr eingeschränkten, aber vorhandenen – Tourismus geschaffen werden.

Öffnungen ab 12. Mai 2020:

  • in Potsdam: Neue Kammern von Sanssouci, Bildergalerie von Sanssouci, Chinesisches Haus sowie die beiden Besucherzentren im Park Sanssouci,
  • in Berlin: Schloss Charlottenburg / Neuer Flügel, Mausoleum im Schlossgarten Charlottenburg, Schloss Schönhausen,
  • in Brandenburg: Schloss Rheinsberg, Schloss Caputh, Schlossmuseum Oranienburg.

Öffnungen ab 9. Juni 2020:

  • in Potsdam: Schloss Sanssouci, Neues Palais mit Kurztour,
  • in Berlin: Charlottenburg / Altes Schloss mit Kurztour, Neuer Pavillon im Schlossgarten Charlottenburg, Jagdzeugmagazin des Jagdschlosses Grunewald (ab August 2020 Schließung des Jagdzeugmagazins und Öffnung des Jagdschlosses),
  • in Brandenburg: Schloss Paretz mit Remise, Schloss Königs Wusterhausen

Öffnung ab 23. Juni 2020:

  • Sonderausstellung „75 Jahre Potsdamer Konferenz – Die Neuordnung der Welt“ im Schloss Cecilienhof in Potsdam

Öffnung ab 27. Juni 2020:

  • Pfaueninsel: Hier war und ist die Fähre der limitierende Faktor. Die Personenzahl wurde auf rund 20 % reduziert (maximal 35 statt 150 Personen), ein Onlineticket eingeführt und ein Kassenautomat installiert, um den Zugang zu beschleunigen.

Von Fördervereinen betriebene Einrichtungen wie die Historische Mühle im Park Sanssouci, das Belvedere Pfingstberg oder das Jagdschloss Stern öffneten parallel. Damit waren rund zwei Drittel der Häuser der SPSG wieder zugänglich.

Geschlossen blieben:

  • in Berlin: Belvedere im Schlossgarten Charlottenburg, Schloss Glienicke, Meierei und Fährhaus auf der Pfaueninsel,
  • in Potsdam: Schloss Sanssouci / Schlossküche, die Königswohnung im Neuen Palais, Orangerieschloss mit Turm, Schloss Charlottenhof, Römische Bäder, Marmorpalais, die Kronprinzenwohnung im Schloss Cecilienhof, der Flatowturm im Park Babelsberg.

Immer geöffnet waren hingegen die Park- und Gartenanlagen der SPSG, die Besucherinnen und Besucher aber auch ausdrücklich aufgefordert, die jeweiligen Parkordnungen zu beachten und sich an die geltenden Abstands- und Hygieneregeln zu halten, um Infektionsrisiken durch das Coronavirus zu reduzieren. Die SPSG konnte durch die Öffnung der Parks in Corona-Zeiten ein wichtiges Angebot, gerade auch für die Potsdamerinnen und Potsdamer, machen.

Überhaupt hatte der Schutz der Besucherinnen und Besucher bzw. der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von SPSG und FSG bei allen Maßnahmen Priorität. Dies machte teils massive Einschränkungen erforderlich, die im Rahmen eines ständigen Monitorings angepasst wurden. So konnte die Personenzahl im Schloss Sanssouci, im Neuen Palais und im Schloss Cecilienhof langsam auf zehn Personen alle zehn Minuten erhöht werden (zum Vergleich: normalerweise werden in das Schloss Sanssouci 30-40 Personen alle fünf Minuten eingelassen).

Die Öffnung aller Märkischen Schlösser war als Signal in den jeweiligen Regionen wichtig und wurde auch so wahrgenommen. Vor allem Schloss Rheinsberg, aber auch die Schlösser Paretz und Königs Wusterhausen wurden gut besucht. Schloss Sanssouci war in der Ferienzeit mitunter bis zu einer Woche im Voraus ausgebucht. Der Ticketverkauf verlagerte sich zu einem großen Teil in den Onlinebereich.

Im Sommer wurden erste Veranstaltungen geplant, zunächst im Außenbereich. Ab September 2020 wurden Gruppen zugelassen, allerdings nur in limitierter Zahl in vier Häusern mit Audioguides. Des Weiteren konnten Parkführungen mit maximal zehn Personen gebucht werden. Mitte September konnte schließlich auch das Schlosstheater im Neuen Palais mit der „Faust“-Inszenierung des Ensembles „Poetenpack Potsdam“ eröffnet werden. Coronabedingt wurden hier allerdings nur rund ein Drittel der Plätze – also 80 statt 223 Tickets – verkauft.

So positiv die öffentliche Resonanz war, durch die stark limitierten Zugangsmöglichkeiten sind jedoch die Verluste an Besuchen und Einnahmen sehr hoch. Zumal seit dem 2. November 2020 im Zuge des zweiten Lockdowns erneut alle Häuser geschlossen und die geplanten Veranstaltungen abgesagt wurden.

Besuchszahlen

Die Bilanz für das Jahr 2020 weist insgesamt 506.119 Besuche aus. Im Vergleich zum Vorjahr gingen die Besuchszahlen damit auf rund ein Drittel (-68 %) zurück. Das führte zu einem Einnahmeverlust aus Eintritten in Höhe von -70,3 % gegenüber 2019 (2020: 3,0 Millionen Euro; 2019: 10,2 Millionen Euro). Dieser drastische Rückgang ist auf die Einschränkungen während der Corona-Pandemie zurückzuführen. Zum einen waren alle Schlösser vom 13. März bis zum 12. Mai, ein großer Teil sogar bis zum 8. Juni, und dann noch einmal vom 2. November an vollständig geschlossen. Auch nach der Wiedereröffnung im Mai/Juni waren die möglichen Zutrittszahlen wegen der einzuhaltenden Abstands- und Hygieneregeln sehr begrenzt. Darüber hinaus kam der internationale Tourismus fast vollständig zum Erliegen, was vor allem in den normalerweise aufkommensstarken Zielen in Potsdam und Berlin deutlich zu spüren war: In Potsdam gingen die Besuchszahlen um 73 % und in Berlin um 63 % zurück. Dagegen waren die Märkischen Schlösser – vor allem Rheinsberg (34.736 Besuche), Caputh (11.507 Besuche) und Oranienburg (8.991 Besuche) – gut besucht. Menschen aus Berlin und Brandenburg nutzten die nahe gelegenen Ausflugsziele für den Urlaub zu Hause. Grund für den hier zu verzeichnenden Besuchsrückgang um 36 % waren vor allem die rund 20 Wochen der vollständigen Schließung.

Dies spiegelte sich besonders in der Entwicklung des Gruppentourismus wider: Versprachen die Buchungen bis Februar zunächst ein sehr erfolgreiches Jahr, konnten – bedingt durch die Corona-Pandemie – Gruppenführungen nur für die Monate Januar bis 12. März sowie für September und Oktober in begrenztem Umfang angeboten werden. Der Umsatz aus dem Gruppentourismus lag bei nur knapp 6 % des Vorjahres.

Sonderinvestitionsprogramm (Masterplan)

Auch das Arbeitsjahr 2020 stand im Zeichen der erfolgreichen Fortführung des Masterplans. Mit dem Sonderinvestitionsprogramm 2 (SIP 2) retten der Bund (Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien) sowie die Länder Brandenburg (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur) und Berlin (Senatsverwaltung für Kultur und Europa) bedeutende Denkmäler der Berliner und Potsdamer Schlösserlandschaft vor dem Verfall.

Das Abkommen ermöglicht der SPSG bis 2030 zusätzlich insgesamt 400 Millionen Euro in die Wiederherstellung nationaler Kulturgüter zu investieren. Der Bund trägt 200 Millionen Euro (50 %) bei, das Land Brandenburg 131 Millionen Euro (2/3 von 50 %) und das Land Berlin 69 Millionen Euro (1/3 von 50 %). Im Jahr 2020 sind für die Sanierungs- und Restaurierungsprojekte rund 6,5 Millionen Euro abgeflossen.

So konnten die Planungen für die 26 Projekte des ersten Lustrums (5 Jahre) mit einem Planungsumfang von ca. 170 Millionen Euro deutlich und fristgerecht vorangebracht werden. Mit der Fertigstellung des Schlosstheaters im Neuen Palais und der Lindstedter Avenue / Posttoravenue im Park Sanssouci sind die ersten Erfolge des Programms bereits sichtbar geworden. Zwei weitere Projekte, das Logierhaus am Schloss Caputh und das Damenhaus im Neuen Garten, befinden sich bereits in der Baudurchführung und werden 2021 fertiggestellt. Bei nahezu allen anderen Projekten wurde mit der Planung bzw. der Planungsvorbereitung begonnen. Bereits in diesem Jahr sollen weitere Baustellen eröffnet werden.

Für das Jahr 2021 sind Planungs- und Bauleistungen im Umfang von rund 10,0 Millionen Euro vorgesehen.

Die 2020 im Rahmen des Masterplans abgeschlossenen und im Jahr 2021 geplanten Maßnahmen sind einem gesonderten Informationsblatt zu entnehmen.

Denkmalpflege und Restaurierung

Wiederherstellung des Grottenbergs in Paretz

Dank der großzügigen Unterstützung durch die Hermann Reemtsma Stiftung, die Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e. V., die Kulturstiftung der Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten und die Rudolf-August Oetker-Stiftung konnte die SPSG die bauliche Wiederherstellung des Grottenbergs im Park des Schlosses Paretz abschließen. Das Denkmalensemble entstand in den Jahren 1798 und 1799. Dazu gehört eine künstliche Ruine am Rand eines aufgeschütteten Hügels sowie eine am südöstlichen Abhang des sogenannten Grottenberges eingeschnittene Grotte mit einem darüber errichteten Japanischen Pavillon. Die vermutlich von Friedrich Gilly (1772-1800) im englisch-chinoisen Stil entworfene Anlage im östlichen Bereich des Parks war für die Gartengestaltung von herausragender Bedeutung. Im Zuge der Umnutzung des Schlossensembles nach 1945 wurde der Komplex abgetragen und die Reste um 1962 durch Erdaufschüttungen abgedeckt, wobei die Ruine mit dem versunkenen Tempel bereits 1964 nahezu komplett zerstört war.

Nach geophysikalischen und archäologischen Untersuchungen legte die SPSG 2014 ein Konzept für die Rekonstruktion vor. In einer ersten Stufe wurde die Ruine und in einer zweiten die Grotte mit dem Gewölbe wiedererrichtet. Das gärtnerische Umfeld wurde in der zweiten Jahreshälfte 2020 wiederhergestellt.

Wiederherstellung des Michaelsdenkmals im Park Babelsberg

Dank der großzügigen Unterstützung durch die Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e. V. hat die SPSG die 2018 begonnene Instandsetzung des Michaelsdenkmals im Potsdamer Park Babelsberg im Sommer 2020 abgeschlossen. Das nahe dem Schloss Babelsberg gelegene Michaelsdenkmal ist neben dem Triumphtor am Winzerberg ein Zeugnis der politischen Auseinandersetzungen in der Epoche der deutschen und europäischen Revolutionen Mitte des 19. Jahrhunderts.

Errichtet wurde das Michaelsdenkmal 1853 als altarartiger Wandbrunnen nach einem 1850 angefertigten Entwurf des Architekten Johann Heinrich Strack (1805-1880) aus rötlichem Sandstein mit neugotischen Fialen und Pfeilern. Ein offener Spitzbogen rahmt die von August Kiss (1802-1865) geschaffene Bronzeskulptur des drachentötenden Erzengels Michael. Die Statue war ein Geschenk König Friedrich Wilhelms IV. (1795-1861) an seinen Bruder Wilhelm (später König und Kaiser Wilhelm I., 1797-1888) als „Dank“ für die Niederschlagung der revolutionären Aufstände in der bayerischen Pfalz und in Baden 1849.

Mit der Rolle Preußens in der Zeit der frühen deutschen Demokratiebewegung, an die das Michaelsdenkmal auf seine sehr eigene Weise erinnert, setzt sich die SPSG kritisch auseinander. Deshalb werden Geschichte und Bedeutung des Denkmals auf einer Informationstafel entsprechend erläutert.

Die Instandsetzungsmaßnahmen umfassten die Restaurierung der Engelsfigur, die statische Ertüchtigung des Denkmals, die Sicherung, Reinigung, Festigung und Ergänzung der Natursteinteile sowie die Wiederherstellung der Wassertechnik und des Brunnens. Ebenso wurden die Treppenanlage und der Vorplatz saniert.

Ausstellungen

Mit – pandemiebedingt – sechs Wochen Verspätung wurde am 23. Juni 2020 die Ausstellung „75 Jahre Potsdamer Konferenz – Die Neuordnung der Welt“ eröffnet. Ausstellungsort war mit dem Schloss Cecilienhof in Potsdam der authentische Schauplatz dieses Ereignisses von welthistorischer Bedeutung, dessen lokale und globale Dimension die SPSG erstmals in einer großen Schau zum Thema machen.

Neben der Darstellung der Entscheidungen und Abläufe der Potsdamer Konferenz stand in allen Ausstellungsbereichen auch die Sicht derjenigen im Fokus, die von den Verhandlungen und weitreichenden Entscheidungen der Zusammenkunft unmittelbar und mittelbar betroffen waren. Damit wurde erstmals der Gegensatz zwischen den abstrakten Entscheidungen der Siegermächte und dem konkreten Erleben der Konsequenzen sichtbar. Bekannten historischen Persönlichkeiten wie Churchill, Stalin und Truman standen hier die Schicksale vieler „Namenloser“ der Geschichte (Atombombenopfer, Vertriebene, Kollaborateure etc.), vertreten durch zum Teil bewegende Exponate, gegenüber. Aussagekräftige Exponate in Verbindung mit multimedialen Elementen vermittelten eine lebendige und anschauliche Atmosphäre und nahmen die 44.477 Besucherinnen und Besucher mit auf eine Zeitreise vom Jahr 1945 bis in die Gegenwart.

Wegen der coronabedingten Schließungen und großen Nachfrage wird die Ausstellung nun bis zum 31. Oktober 2021 verlängert.

An den 400. Geburtstag Friedrich Wilhelms von Brandenburg (1620-1688), der als „Großer Kurfürst“ zu den zu den prominentesten Hohenzollern zählt, erinnerte von Mai bis November die Ausstellung „Machtmensch. Familienmensch. Der Große Kurfürst“ im Schlossmuseum Oranienburg und im Schloss Caputh. Im Rahmen der jeweiligen Dauerausstellungen wurden verschiedene Aspekte und Themen wie Heiratspolitik, der Wiederaufbau Brandenburgs nach dem Dreißigjährigen Krieg, Religionspolitik aber auch Erziehung der Prinzen oder Repräsentation durch Kunst intensiver dargestellt. In Oranienburg haben die Präsentation ca. 7.500 Besucherinnen und Besucher gesehen. Coronabedingt konnte das begleitende Veranstaltungsprogramm mit Vorträgen und thematischen Führungen leider nicht stattfinden.

Auch diese Ausstellung wird bis zum 31. Oktober 2021 an beiden Standorten verlängert.

Im Schloss

Besucherforschung in den märkischen Schlössern

Die SPSG führte und führt 2020/21 in den märkischen Schlössern Caputh, Königs Wusterhausen, Oranienburg, Paretz, Rheinsberg und im Berliner Schloss Schönhausen Befragungen von Besucherinnen und Besuchern sowie eine Nicht-Besuchsanalyse durch. Die dafür erforderlichen Mittel wurden von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im Rahmen der Weiterführung des Audience Development-Projekts der Konferenz Nationaler Kultureinrichtungen (KNK) bewilligt. Das Besondere des neuen Projektes ist eine bundesländerübergreifende Ausrichtung mit dem Fokus auf Kultureinrichtungen im Umfeld von Metropolen. KNK-Einrichtungen in fünf Bundesländern sollen vergleichend evaluiert und analysiert werden.

Bei dem Gemeinschaftsprojekt der SPSG, der Kunstsammlungen Chemnitz, der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt | Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) und der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha geht es um die Erhebung der Besucherinnen- und Besucherstruktur in den genannten Einrichtungen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der kulturellen Teilhabe und der Nicht-Besuchsanalyse, für die Verfahren und methodische Ansätze entwickelt wurden. Die Projektpartner beabsichtigen damit, vergleichbare Untersuchungsergebnisse zu Besucherinnen- und Besucherstruktur, -motivation und -zufriedenheit sowie zu sozialen und kulturellen Milieus bzw. Bildungshintergründen erheben und diese künftig für die zielgruppenorientierte Ausrichtung der Angebote nutzen zu können. Dies mit der Zielsetzung, dem sozialen und bildungspolitischen Auftrag der Institutionen besser nachzukommen, neue Publikumsschichten zu gewinnen, die bestehende Nachfrage zu stabilisieren und das Publikum langfristig zu interessieren und zu binden.

Grundlage ist ein gemeinsam mit den Projektpartnern entwickelter Fragebogen, der auch standortspezifische Fragemodule umfasst. Mit der Umsetzung wurde das Leipziger das Erhebungsinstitut CONOSCOPE GmbH beauftragt.

Im Garten

Gute Gartenperspektiven

Der Bund sowie die Länder Brandenburg und Berlin haben als Zuwendungsgeber der SPSG am 11. Juni 2020 die für den Abbau des Pflegedefizits in den Gärten erforderlichen Mittel bewilligt. Bereits im Jahr 2020 standen dafür mehr als 2 Millionen Euro vom Bund und vom Land Brandenburg sowie seit 2014 zusätzlich 1 Million Euro durch die Förderung der Landeshauptstadt Potsdam (u. a. für 16 Gärtner*innen-Stellen) bereit. Das Land Berlin wird sich von 2021 an beteiligen und damit die dauerhafte Finanzierung – etwa von weiteren 22,7 Stellen für Gärtnerinnen und Gärtner – ermöglichen.

Herausforderung Klimawandel

Auch im Jahr 2020 drangen die spärlichen Regengüsse nicht bis zur Wurzeltiefe vor und reicherten kein neues Grundwasser an. Nach dem Orkan „Xavier“ 2017 und den beiden Dürrejahren 2018 und 2019 setzte sich das Baumsterben auch 2020 weiter fort. Mehr als 2.000 Bäume waren 2019/20 davon betroffen. Die SPSG dankt der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), die bereits für das Jahr 2018 eine Sonderfinanzierung von 250.000 Euro zur Beseitigung der Baumschäden und im Dezember 2019 eine weitere finanzielle Unterstützung für die Beseitigung von Trockenschäden in Höhe von 763.000 Euro zur Verfügung gestellt hat. Die Summe für die Beseitigung der Trockenschäden wird (aufgrund von Corona) nunmehr bis Mitte des Jahres 2021 ausgeschöpft.

Strandbad Babelsberg

Im Sommer 2020 haben sich die Landeshauptstadt Potsdam, die Stadtwerke Potsdam GmbH und die SPSG auf einen Grundstückstausch im Babelsberger Park verständigt. Ziel ist es, bis zum Sommer 2023 das Strandbad neu zu gestalten und anschließend den Park in den nicht mehr vom Bad genutzten Bereichen denkmalpflegerisch wiederherzustellen.

Befestigung der Weinbergterrassen

Alljährlich wurden die sechs Freitreppen auf der Mittelachse der Weinbergterrassen unterhalb des Schlosses Sanssouci von Besucherinnen und Besuchern stark frequentiert. Das hatte zur Folge, dass die Gehbahnen auf den wassergebundenen Decken der Terrassen stark verdichtet und die Kiesanteile in die jeweiligen Laufrichtungen verschoben wurden. An den weggeschobenen, vertieften Stellen bildeten sich bei Regen großflächig Wasserlachen. Zudem wurden die historischen Sandsteinstufen durch die in die Schuhprofile eingetretenen Kiessteine massiv abgenutzt.

Im Rahmen einer denkmalpflegerischen Maßnahme wurden im Frühjahr 2020 die Laufflächen zwischen den Terrassentreppen instandgesetzt und mit einem mit Splitt gemischten Gussasphalt befestigt, dessen Färbung den benachbarten Kiesflächen ähnelt. Ziel ist es, die weitere mechanische Beschädigung der Sandsteintreppen deutlich zu minimieren.

Wissenschaft und Forschung

Im Rahmen des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Forschungsprojektes „Historische Gärten und Gesellschaft 2018-2020. Kultur – Natur – Verantwortung“ und in Kooperation mit dem Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam erschien 2020 eine gleichnamige Buchpublikation im Verlag Schnell & Steiner. Ein Teil der von 80 Autorinnen und Autoren unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen zusammengetragenen Forschungsergebnisse wurde vom 15. bis 16. Oktober 2020 im Rahmen einer – coronabedingt kleinen – Tagung vorgestellt und diskutiert. Die Veranstaltung mit 20 Teilnehmenden wurde im Livestream übertragen. Eine Chatfunktion ermöglichte den Zuschauenden die aktive Teilnahme. Die Tagung wurde ebenfalls aufgezeichnet.
Die vier entstandenen Filme sind über den Youtube-Kanal der SPSG unter abrufbar >

Ergänzt wurde die Tagung in der östlichen Pflanzenhalle des Orangerieschlosses im Park Sanssouci durch eine Ausstellung, an der sich die Künstler Christopher Lehmpfuhl, Oliver Westerbarkey, Hubertus Hamm sowie die Künstlerin Franziska Klotz beteiligten. Die gezeigten Werke entstanden teilweise im Sommer 2020 im Park Sanssouci unter den Augen der Parkbesucherinnen und -besucher. Die vom 19. September bis zum 11. Oktober 2020 kostenfrei zugängliche Ausstellung wurde von 3.300 Gästen besucht.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bewilligte im Dezember 2020 die Mittel für das Forschungsprojekt „Kulturgüter vor Extremklimaereignissen schützen und Resilienz erhöhen (KERES)“. Am Beispiel der Garten- und Parkanlagen der SPSG sollen bis
Ende 2023 unter Federführung der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V. (FhG), dem Climate Service Center Germany (HZG-GERICS) und der SPSG Strategien zur Prävention und zum Schutz unwiederbringlicher Kulturgüter entwickelt werden.

Projekte des Research Center Sanssouci (RECS)

Neue Kooperationsvereinbarung

Am 25. Februar 2020 vereinbarten die SPSG, die Universität Potsdam und die Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) ihre Kooperation im RECS.

Im RECS wurden im Jahr 2020 vornehmlich zwei begonnene Online-Editionsprojekte weiterverfolgt, die 2021 weiterbearbeitet werden sollen:

Online-Edition der Autobiographie von Alexander von Eversmann (1759-1837)

Das Projekt sieht die Transkription der Autobiografie von Alexander von Eversmann (1759-1837) sowie deren Publikation vor. Eversmann war ein preußischer Jurist, Kriegs- und Steuerrat, sowie „Fabrikkommissarius“. Die von der Stiftung Preußische Seehandlung geförderte Transkription und Übersetzung der Autobiografie konnte 2020 abgeschlossen werden, ebenso die Digitalisierung des Manuskripts. In Zusammenarbeit mit der Max Weber Stiftung wird zurzeit die Online-Publikation auf der Publikationsplattform perspectivia.net vorbereitet sowie das sehr umfängliche Personenregister komplettiert. Durch dieses Register werden das Netzwerk Eversmanns und dessen internationale Verbindungen erst erkennbar. Hieraus ergeben sich für die Forschung vielfache Anknüpfungspunkte.

Kommentierte Online-Edition des Tagebuchs der Wilhelmine von Bayreuth von ihrer Reise nach Frankreich und Italien 1754/55

Nach der kommentierten Online-Edition der 1754/55 geschriebenen Reisebriefe Wilhelmines von Bayreuth (1709-1758) aus Frankreich und Italien, die 2019 bei perspectivia.net erschienen ist (https://quellen.perspectivia.net/de/wilhelmine/start), wurde die kommentierte Online-Publikation des Reisetagebuchs weiterbearbeitet. Mit Hilfe des Digitalisats wurde der Text transkribiert und mit der Neuübersetzung begonnen. Zudem wurden die wiedergefundenen Beilagen, Reiseführer, Kurzberichte Dritter, Zeichnungen, die mit dem Tagebuch ebenfalls ediert werden sollen, bearbeitet.