Rückkehr des Gemäldes "Venus im Pelz" in die Bildergalerie

18.07.2016

Venus kehrt heim

In die Bildergalerie zurückgekehrt: das um 1640 entstandene Gemälde "Venus im Pelz". Foto: SPSG/Wolfgang Pfauder

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg erhält ein seit 1945 verschollenes Gemälde für die Bildergalerie zurück

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) erhält ein Gemälde zurück, das zum ursprünglichen Bestand der Bildergalerie im Potsdamer Park Sanssouci gehörte und seit 1945 als verschollen galt. Das um 1640 in der Nachfolge des flämischen Meisters Peter Paul Rubens (1577-1640) entstandene Bild „Venus im Pelz“ wurde aus deutschem Privatbesitz restituiert.

Somit sind seit Erscheinen des ersten Verlustkataloges der Gemäldesammlung der SPSG im Jahr 2004 knapp 40 Gemälde zurückgekehrt, darunter acht Werke der – zwischen 1763/64 und 1786 erfolgten – friderizianischen Hängung in der Bildergalerie. Sie sind wieder am originalen Ort im Kabinett am östlichen Ende der Galerie zu sehen, in dem meist kleinformatige Werke präsentiert werden. Mit der „Venus im Pelz“ kehrt nun das erste großformatige Gemälde in den Hauptsaal der Bildergalerie zurück.

Die Bildergalerie und ihre Gemälde
In der von Johann Gottfried Büring (1723-1788) im Auftrag Friedrichs des Großen (1712-1786) von 1755 bis 1763/64 errichteten und kostbar ausgestatteten Bildergalerie waren von Anfang an zahlreiche Spitzenwerke der niederländischen und italienischen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts untergebracht. Die Gemälde und ihre aufwendig geschnitzten Rahmen wurden hier mit Skulpturen, Konsoltischen, erlesenem Marmor und vergoldetem Stuckdekor zu einem Gesamtkunstwerk vereint, das bis heute einen Höhepunkt des friderizianischen Rokoko markiert.

Der bis zum Tod Friedrichs der Großen auf 178 Gemälde angewachsene Bestand veränderte sich nach 1786 mehrfach. 1830 wurden z. B. 56 Bilder in das neu gegründete Königliche Museum in Berlin abgegeben. Während des Zeiten Weltkriegs wurden die Gemälde der Bildergalerie 1942 in das Schloss Rheinsberg ausgelagert, darunter auch die „Venus im Pelz“. Ein Großteil dieser Kunstwerke wurde 1945 in die Sowjetunion abtransportiert, andere kamen unter ungeklärten Umständen in den Besitz der Bevölkerung Rheinsbergs und umliegender Orte. Obwohl 1958 ca. 40 Gemälde der Bildergalerie von der sowjetischen Regierung zurückgegeben wurden, müssen derzeit noch 81 Werke als Kriegsverlust bezeichnet werden.

Die „Venus im Pelz“
In der Zeit Friedrichs des Großen wurde die „Venus im Pelz“ dem Œuvre von Peter Paul Rubens zugeordnet und im 19. Jahrhundert als Bildnis der Gattin seines Schülers und Kollegen Anthonis van Dyck (1599-1641) gedeutet. Auch die in den 1930er Jahren erfolgte Zuschreibung an den Utrechter Caravaggisten Gerrit van Honthorst (1592-1656) kann aus heutiger Sicht nicht bestätigt werden. Es handelt sich um das Werk eines Künstlers aus dem Umkreis bzw. der Nachfolge von Rubens. Sicher ist, dass die um 1640 in Flandern entstandene „Venus im Pelz“ seit 1764 an der Westwand der Bildergalerie – nahe des Eingangs zum Hauptsaal – präsentiert wurde. Hier hingen hauptsächlich herausragende Werke der flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts. 21 von 28 Bildern an dieser Wand stammten von Rubens, dessen Arbeiten im 18. Jahrhundert zu den begehrtesten Sammelobjekten zählten. Infolge der Kriegsverluste kann die heutige Hängung der „Niederländerwand“ – mit 11 von ehemals 28 Gemälden der Originalhängung – nur eine Annäherung an die historische Situation sein.

Motivisch erinnert die „Venus im Pelz“ stark an das berühmte „Pelzchen“ im Kunsthistorischen Museum in Wien: 1636/38 hatte Rubens seine zweite Ehefrau Hélène Fourment als Venus unbekleidet in einem Pelz gemalt und sich dabei vermutlich wiederum an jenem „Mädchen im Pelz“ orientiert, das Tizian (1488-1576) um 1535 porträtiert hatte. Schon die Zeitgenossen Friedrichs des Großen hatten festgestellt, dass der König vor allem solche sinnlichen oder „angenehmen“ Historiendarstellungen in seiner Bildergalerie bevorzugte. Auch insofern ist die Rückkehr der „Venus im Pelz“ von großer Bedeutung.

Durch den unsachgemäßen Transport 1945 und eine ebensolche Lagerung befindet sich das Bild derzeit in einem stark restaurierungsbedürftigen Zustand. Die Wiedereingliederung des Gemäldes in die Bildergalerie wird deshalb erst nach einer umfangreichen Restaurierung möglich sein. Zudem ist der 1764 von dem „Zierathenbildhauer“ Matthias Müller (1745-1774 in Potsdam nachweisbar) gefertigte vergoldete Schnitzrahmen seit dem Zweiten Weltkrieg verschollen. Eine Rekonstruktion wäre aber auf der Grundlage historischer Fotografien möglich.

Auf welchem Weg die „Venus im Pelz“ aus dem Bestand der kriegsbedingt ausgelagerten Gemälde im Schloss Rheinsberg verschwunden ist, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Nach 1945 befand es sich im Besitz eines Berliner Malers und wurde aus dessen Nachlass in private Hand verkauft, bevor es aus freien Stücken der SPSG restituiert wurde.

Angaben zum Gemälde:
Flämisch: Venus im Pelz, um 1640, GK I 7579, Öl auf Leinwand, 190 x 119,3 cm

Verlustkataloge und Provenienzforschung der SPSG
Die SPSG hat die während und nach dem Zweiten Weltkrieg verloren gegangenen Gemälde in den Verlustkatalogen „Gemälde I“ (2004) und „Gemälde II“ (2011) sowie über die Datenbank www.lostart.de publiziert. Seit Erscheinen des ersten Verlustkatalogs hat die SPSG ca. 40 Gemälde zurückerhalten. Jedoch beläuft sich die Anzahl der seit dem Zweiten Weltkrieg verschollenen oder zerstörten Staffelei- und wandfesten Gemälde der SPSG auf nahezu 2.000 Objekte.  

Die SPSG selbst untersucht seit 2003 systematisch ihre Bestände auf die Existenz unrechtmäßig entzogenen Kunstguts. Dabei wurde festgestellt, dass vermutlich ca. 1.000 Objekte Fremdbesitz und die Eigentumsfragen zu überprüfen sind. Der Fremdbesitz – darunter Gemälde, Skulpturen, Möbel, Graphiken, Porzellane und Metallgegenstände – gelangte aus unterschiedlichsten Herkunftsbereichen in die Bestände der SPSG. Ein Großteil stammt aus brandenburgischen Schlossbergungen, die im Rahmen der Bodenreform durchgeführt wurden. Die SPSG konnte als Ergebnis ihrer Provenienzforschung seit 2004 rund 158 Kunstwerke restituieren. Am 1. Januar 2015 hat in der SPSG ein zweijähriges Projekt begonnen, das von der Arbeitsstelle für Provenienzforschung (Deutsches Zentrum Kulturgutverluste) gefördert wird. In diesem Rahmen wird die Herkunft der ca. 350 nach 1945 für das Schloss Charlottenburg in Berlin erworbenen Gemälde der deutschen und niederländischen Schulen untersucht.

Informationen:
Bildergalerie, Park Sanssouci 4, 14469 Potsdam

Öffnungszeiten:
Mai bis Oktober
Dienstag-Sonntag 10-18 Uhr, Montag geschlossen

November bis April
Montag-Sonntag geschlossen

Letzter Einlass jeweils 30 Minuten vor Schließzeit.

Eintritt: 6 Euro / ermäßigt 5 Euro

Weitere Informationen unter http://www.spsg.de/bildergalerie


Pressekontakt

Frank Kallensee SPSG | Generaldirektion Pressesprecher
Postfach 60 14 62
14414 Potsdam
Fax: 0331.96 94-102

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