Die „Spitze des Kilimanjaro“ im Neuen Palais von Potsdam

Die sogenannte „Spitze des Kilimanjaro“ – ein kleiner Gesteinsbrocken im Grottensaal des Neuen Palais, geht auf die europäische Erstbesteigung des Bergmassivs durch Gustav Meyer 1889 zurück. Er entnahm am Gipfel eine Gesteinsprobe und brachte sie nach Deutschland, wo er sie dem deutschen Kaiser Wilhelm II. als Symbol für die Inbesitznahme des Kilimanjaro durch Deutschland überreichte. Dieser ließ den Stein 1890 in den Grottensaal integrieren.

Bei späteren Untersuchungen der Gesteine des Grottensaales stellte sich überraschend heraus, dass es sich bei der angeblichen „Spitze des Kilimanjaro“ nicht um ein Lavagestein vom Gipfel des Berges handelte. Der ursprüngliche Stein war vermutlich in der Nachkriegszeit entfernt und durch ein gewöhnliches Stück Schotter ersetzt worden. 1985 wurde es aus damaligen denkmalpflegerischen Überlegungen gegen ein Gestein ausgetauscht, das vom Kilimandjaro-Massiv stammte.

Die „Spitze des Kilimanjaro“ war nie echt, verweist aber auf eine kritische Epoche der deutschen Geschichte: Den Deutschen Kolonialismus in Afrika. Die Geschichte dieses vermeintlichen Gipfelstücks markiert damit ein bezeichnendes Beispiel unseres kolonialen Erbes und des Eurozentrismus in der Denkweise der Europäer.

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