Sacrow – Das verwundete Paradies

Eine Ausstellung im Schloss Sacrow anlässlich des 60. Jahrestages des Mauerbaus

Der gesellschaftlich-politische Wandel in Deutschland, mit all den daraus resultierenden Wunden im 20. Jahrhundert, spiegelt sich im kleinen Ort Sacrow fast musterbeispielhaft wider. Besonders die beiden deutschen Diktaturen haben sich auf den Ort verheerend ausgewirkt.

Betrachtet man Sacrow heute, ist von diesen Schrecken der deutschen Geschichte äußerlich fast nichts zu bemerken. Scheinbar 'aus der Zeit gefallen', als ob es keine Deportationen jüdischer Bewohner*innen und kein unmenschliches Grenzsystem der DDR gegeben hätte, liegen Ort, Schloss und Kirche in einer paradiesgleichen Idylle am Wasser. Doch, „jedes Paradies trägt auch die Hölle in sich“. Gelebte Leben sollen erzählen von der paradiesischen Idylle und ihrem dramatischen „dahinter“.

Im Mittelpunkt stehen die Geschichten, Dokumente und Fotos von 7 Zeitzeug*innen, die hier einst lebten, oder immer noch Bewohner*innen des Ortes sind. Die Wunden, die das Paradies erlitten hat, werden erst in den Gesprächen mit ihnen wirklich sichtbar. Viele Wunden sind indessen vernarbt, andere erscheinen wie gerade frisch zugefügt. Die Emotionen, die bei allen Zeitzeug*innen in ihren Erzählungen – zum Teil therapiegleich – frei wurden, sind beachtlich. Bei fast allen fällt tatsächlich das Wort Paradies. In einem Brief der jüdischen Kunsthändlerin Grete Ring, die von den Nazis vertrieben wurde, genauso wie im Gespräch mit Christel Hempelmann, deren Bruder von den DDR-Grenztruppen mitten im Ort erschossen wurde.

Die schöne, tatsächlich paradiesgleiche Oberfläche Sacrows verdeckt, was darunter oft an Verletzungen der Menschen verborgen ist. Ihre individuellen Seelenverwundungen werden zu kollektiven, wenn man Sacrow auch als pars pro toto für die große deutsche Geschichte – von 1945 bis heute – begreift.

Die Ausstellung soll diese Dialektik von Schönheit und Drama in ästhetisch moderner Form abbilden. Großer Wert wird dabei auf die Identifikation der Besucher*innen mit den emotionalen biografischen Erzählungen der Zeitzeug*innen gelegt.

Eine Ausstellung der ars sacrow e.V.

07.08.2021 - 09.11.2021

Adresse

Schloss Sacrow
Krampnitzer Straße 33
14469 Potsdam

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Mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Haltestelle "Potsdam, Schloss Sacrow"

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Parken

Öffentlicher Parkplatz an der Ortseinfahrt Sacrow, ca. 300 m Fußweg zum Schloss.

Öffnungszeiten

Gültig: 07.08.2021 - 09.11.2021
Montag 11:00 - 18:00
Dienstag  - Donnerstag: geschlossen
Freitag  - Sonntag: 11:00 - 18:00

Wichtige Informationen

Begleitprogramm

Begleitend zur Ausstellung lädt der Kurator Jens Arndt zu fünf Veranstaltungen ein, die dem interessierten Besucher einen persönlichen Einblick in den Ort Sacrow und seine Bewohner im Verlauf des 20 Jahrhunderts gewährt.

Die Sprache der Dinge I
Sonntag, 22.8. Beginn 18:30 (Einlass ab 18 Uhr)

Die Sprache der Dinge II
Freitag, 10.9. Beginn 18:30 (Einlass ab 18 Uhr)

Das Paradies gegenüber / Klein-Glienicke im Kalten Krieg
Freitag, 1.10. Beginn 18:30 (Einlass ab 18 Uhr)

Die Heilung /Rekonstruktion des Sacrower Parkes nach dem Fall der Mauer
Freitag, 15.10. Beginn 18:30 (Einlass ab 18 Uhr)

Paradies gefunden? Der Produzent Joachim von Vietinghoff in Sacrow
Freitag, 5.11. Beginn 18:30 (Einlass ab 18 Uhr)

Filmreihe „Himmel & Hölle“

Die Filmreihe „Himmel & Hölle“ ergänzt  anlässlich des 80. Geburtstags des Filmproduzenten und Wahl-Sacrowers Joachim von Vietinghoff das sommerliche Veranstaltungsprogramm. Darunter sind der preisgekrönte Kinofilm „David“ (Goldener Bär 1979) oder auch rbb-Produktionen über Sacrow. An jedem der Abend soll auch ein prominenter Gast zu Wort kommen.

Alle Filmvorführungen finden Open Air statt.

Freitag, 28. Mai 2021, 21 Uhr
„Wie ich ein Neger wurde“. Regie: Roland Gall, BRD 1970, 90 min, sw
Literaturverfilmung nach Ödön von Horváths „Jugend ohne Gott“

Freitag, 25. Juni 2021, 21 Uhr
„Familie Brasch“. Regie: Annekatrin Hendel, Deutschland 2018, 103 min
als Gast Annekatrin Hendel und Marion Brasch (angefragt)

Freitag, 30. Juli 2021, 21 Uhr
„Milo, Milo“. Regie: Nicos Perakis, BRD 1979, 103 min

Freitag, 13. August 2021, 20 Uhr
Trilogie: Das verwundete Paradies
Regie: Jens Arndt, Deutschland 2016 - 2020, 3x45 min
als Gäste Protagonisten der Trilogie sowie der Regisseur und der Produzent

Freitag, 27. August 2021, 20 Uhr
„Mit brennender Geduld“.
Regie: Antonio Skármeta, BRD 1983, 80 min

Freitag, 24. September 2021, 19 Uhr
„Gorilla Bathes At Noon“. Regie: Dušan Makavejev, Deutschland 1993, 103 min
als Gast Ko-Produzent Alfred Hürmer und Medienspezialist Alfred Holighaus, der im Film als Journalist einen Cameo-Auftritt hat.

Freitag, 29. Oktober 2021, 19 Uhr
„Die Verfehlung“, R: Heiner Carow, Deutschland 1992, 90 min
Als Gast Dirk Kummer, der heute vielbeschäftigte Regisseur spielt im Film eine Hauptrolle

Freitag, 5. November 2021, 18:30 Uhr
„Deutsch-Deutsche Kinogeschichte“. Gespräch und Filmvorführung
(Einlass ab 18 Uhr)
Gast: Joachim von Vietinghoff, Moderation: Jens Arndt, Film- und Bildprojektionen

Impressionen